City of Peace #HIROSHIMA

Ein etwas anderer Post // Mein Gedanken-Wirrwarr in Hiroshima

Am 6. August 1945 wurde in Hiroshima die erste Atombombe auf eine zivilisierte Stadt abgeworfen. Innert wenigen Sekunden wurden 80% der Stadtfläche zerstört und ca. 75’000 Menschen ermordet. Im darauffolgenden Jahr starben nochmals mind. 90’000 Menschen und bis heute können Spätfolgen in den nachkommenden Generationen nicht ausgeschlossen werden. Zum ersten Mal wurde eine Waffe mit nuklearer Strahlung eingesetzt, deren Ausmass auf alle Lebewesen erst durch die tragischen Ereignisse in Hiroshima richtig klar wurden.

In Hiroshima ist das Thema Atombombe eine Tatsache, über die gesprochen wird. Durch die Zerstörung der Stadt gibt es nämlich praktisch keine historischen Sehenswürdigkeiten, wie man es aus anderen japanischen Städten kennt. Dafür verschlagen einem der Peace Park, der Atomic Bomb Dome und das dazugehörige Museum wirklich die Sprache. Der Atomic Bomb Dome ist eines der wenigen Gebäude, das der zerstörerischen Wucht der Bombe teilweise standgehalten hat. Es wurde als eine Art Mahnmal bis heute instand gehalten. Rundherum gestaltet sich der Peace Park mit mehreren Denkmälern und dem Feuer, das solange brennen soll, bis es auf unserem Planeten keine Atombomben mehr gibt. Im Museum werden nebst grauenhaftem Videomaterial auch echte Fundstücke von Opfern gezeigt, es werden wahre, fürchterliche Geschichten erzählt und Berechnungen vom Ausmass der Strahlenbelastung und deren Spätfolgen gezeigt. Mir stiegen mehrmals Tränen in die Augen, bei dem Gedanken, wie schlimm die Qualen für so viele Menschen und vor allem für sehr viele Kinder sein mussten. Unfassbar, dass ich auf Boden stand, der vor nicht einmal 100 Jahren so sehr von Blut, Leichen und Zerstörung übersät war, sodass es für mich immer noch schwer vorstellbar ist, wie heute eine neue, so lebensbejahende Stadt darauf stehen kann.

Was Hiroshima und die Menschen in Japan, die von dieser Zerstörung betroffen waren, geleistet haben, ist herzzerreissend. Hiroshima nennt sich selbst eine City of Peace. Sie hassen die Amerikaner nicht für ihre Tat. Zumindest nicht aktiv und nicht öffentlich, dass es mir in all den Darstellungen irgendwo aufgefallen wäre. Sie rügen sich eher selbst dafür, dass auch sie Krieg geführt haben. Und sie sind bemüht, den Frieden vorzuleben und dem Einsatz von Atombomben ein Ende zu setzen.

 

Nun. Irgendwie habe ich plötzlich ein wirklich ungutes Gefühl bekommen und es sind ganz neue Emotionen in mir aufgegangen. Wut? Angst? Tatendrang?

Seit Jahren thematisieren unsere westlichen Medien die umliegenden Krisenherde im nahen und ganz nahen Osten, meist in irgendeiner Relation zu islamistischen Extremisten, zu den Vereinigten Staaten von Amerika oder zu Russland. Menschen, die sich gegenseitig umbringen, hassen, hetzen. Wirklich? Haben wir nichts aus den Fehlern im ersten und zweiten Weltkrieg gelernt? Ich wollte bisher einfach nicht glauben, dass sich unsere Menschheit nicht weiterentwickelt hat. (Eigentlich will ich das auch jetzt immer noch nicht, doch von dieser naiven Weltansicht muss ich mich irgendwann wohl wirklich lösen.)

Trotz all den omnipräsenten Bad News konnte ich mir nie wirklich vorstellen, dass aktuell Kriege geführt werden, die mich selbst in meinem sicheren Land gefährden könnten. Dies liegt womöglich an der Art der Kriegsführung. Diese hat sich meiner Meinung nach nämlich doch wesentlich verändert: Es wird passiver, hinterhältiger und vorallem über digitale Medien oder live Medien Krieg geführt. Wir alle werden in unserer Meinung und unserem Erfahrungsstand geprägt von den Medien, die wir konsumieren. Und schlussendlich sind wir es, die Menschen, die die Kriege führen. Doch was in den Medien kursiert, ist bekanntlich noch lange nicht immer die Wahrheit. Es wird gelogen, verschwiegen, gespielt und aufgehetzt. Es boomt nur so vor Intrigen und Unwahrheiten. So weiss heute keiner wirklich, wer eigentlich noch gut und wer effektiv der Böse ist. Mir ist das alles etwas zu viel: Was soll ich glauben, was soll ich lesen, was soll ich denken. Jeden Tag neue Infos, so viel wirr und so viel warr. Doch eines blieb seit je her gleich: Irgendeiner will die Macht. Macht über Geld, über Rohstoffe, über Land, über Leben und Tod.

Doch solange sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Wirklich?

Solange sich zwei streiten, freut sich im Falle des Einsatzes eines Atomsprengkörpers nämlich nicht der Dritte, nein, es freut sich keiner. Die Folgen für die Menschheit, die Natur, die Tiere und alles Leben könnten viel schlimmer und verheerender sein, als wir es uns aktuell vorstellen können. Hier in Hiroshima wurde mir klar: Solange es auf dieser Welt noch Atombomben und schwelende Konflikte solcher Mächte gibt, werde ich wohl immer einen Funken Angst verspüren, dass diese Dinger tatsächlich irgendwann und irgendwo gezündet werden. Folgen würde es für uns alle haben, in welcher Form auch immer.

Hiroshima ist heute zwar nicht mehr verstrahlt, es weist normale Werte natürlicher Radioaktivität wie andere Länder auf. Doch neue Atombomben könnten weit schlimmere Resultate hervorrufen, denn: Von den gut 64kg Uran der Atombombe in Hiroshima wurde gemäss Schätzungen nur 1kg effektiv gespalten. Die Strahlenauswirkung hätte also noch viel, viel schlimmer ausfallen können. Auch die Sprengkraft einer Wasserstoff-Testbombe der Russen 1961 war 4’000x so stark wie jene von Hiroshima. Sowas beruhigt mich keine Sekunde.

Während unsere Medien nach Angriffen wie Paris oder Belgien immer #PrayforParis  oder #mannekenpeace titeln, sollte endlich jeder von uns #PRAYFORTHEWORLD schreien. Denn was ist mit all den anderen Menschen, die aktuell leiden? Und was ist mit den möglichen Gefahren, die um uns herum schwelen? Ehrlich, wohin soll das führen, wenn wir nicht endlich alle in Frieden leben können?

Ich merke plötzlich, wie rar das Gut meines sicheren Lebens doch ist. Nebst allen anderen Existenz- und Grundbedürfnissen, die weitaus wichtiger sind, würde es in einer Welt des Krieges nämlich nicht mal mehr möglich sein, die Schönheit und Magie unserer vielfältigen Kulturen und dieses Planeten auf Reisen zu erkunden. Und genau diese Erfahrungen sollten alle Menschen machen dürfen, um zu lernen, dass man sich gegenseitig trotz allen religiösen, kulturellen oder sonstigen Unterschieden friedvoll respektieren kann.

In diesem Sinne, nehme ich mir ein Beispiel an Hiroshima. #PRAYFORPEACE.

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Blick auf die brennende Flamme sowie den Dome
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Der Atomic Bomb Dome
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Peace Park
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Denkmahl

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Hiroshima heute

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