Te Araroa inspiration #NZ

Nachdem ich Mount Maunganui frühzeitig verlassen und Hals über Kopf eine Nacht in einem kleinen Hostel in Hamilton gebucht habe, sass ich also im Intercitybus und fuhr vorbei an Hobbiton sowie endlosen grünen Hügeln und toller Landschaft. Von Hamilton habe ich mir nix erwartet, ich wollte nur ein Auto finden, mit dem ich nach Raglan fahren konnte. Dort hatte ich nämlich zwei Nächte in einer etwas aussergewöhnlicheren Unterkunftt gebucht.

Ich kam also im Hostel an, einer kleinen abgefuckten Bude. Das Zimmer mit sechs Betten ohne Fenster und die „Managerin“ rauchte einen Joint auf dem Balkon. Uöhm, jawohl. Mir egal, dachte ich. Ich machte mir mein Müsli (musste sparen und mich zwei Tage von Müsli left overs und raw fruit bars ernähren, da ich in Auckland und Mount Maunganui zu viel für vegane Köstlichkeiten ausgegeben habe) und setzte mich zur kleinen Runde auf die Terrasse an der Hauptstrasse. Schnell kamen wir ins Gespräch: Alex aus Kalifornien, James aus England. Die angestellte „Managerin“ des Hostels kiffte fröhlich vor sich hin, bis sie irgendwann einen – von mir sehr begrüssten – Abgang machte. James war der typische Engländer: klein, etwas dick, sehr bleich und optisch ein typischer IT Nerd. Ich hätte alles darauf verwettet, dass er noch zuhause wohnt. Während dem Abend hat sich herausgestellt, dass er in der Tat zuhause wohnt, aber auf seine altersschwache Mutter schaut. Auch IT Nerd war nicht ganz weit hergeholt, doch sein Job war total faszinierend: Er leitet ein Team von criminal analysts, die im Auftrag von Banken terrorverdächtige Personen überprüfen, digital über ihre Transaktionen verfolgen und Tatsachen aufdecken. Mega spannend!

Doch noch mehr aus den Socken hat mich Alex gehauen. Lebt in Kalifornien, geboren in Russland. Zuerst habe ich mir bei ihm gar nicht viel gedacht bzw. ich habe nicht darauf geachtet, wie er aussah. Zur allgemeinen Beschreibung: Er war sehr hager und hatte einen unglaublich braungebrannten Kopf, doch beim Hals war er schneeweiss. Seine Haare waren kurz geschoren und er war ziemlich hager und sah doch irgendwie athletisch aus. Und irgendwann fiel mir auf: Er trug lange Unterhosen und ein Funktionsshirt. WTF, ungewöhnlich für eine gemütliche Runde mit Bier auf der Terrasse, selbst in Neuseeland, wo es jedem egal ist, wie du aussiehst.

Als ich ihn fragte, was seine Neuseelandpläne seien, erzählte er mir vom Te Araroa Trail. Natürlich hatte ich davon gehört, es ist eine 3000km lange Wanderung durch ganz Neuseeland von Cape Reinga im Norden bis Bluff im Süden. Ich fragte dann ganz dumm, wieso er das in Neuseeland mache, wo er ja den noch viel anspruchsvolleren und abwechslungsreicheren pacific crest trail in den Staaten habe. Seine Antwort: „Den PCT habe ich im September beendet und ich wollte noch nicht zurück zur Arbeit“ (IT bei United Airlines). WOOOHOOOOOOO, wie krass ist das denn! Ich konnte es kaum fassen, vor mir sass ein „finisher“, ein Vorbild, eine lebende Inspiration. Ich fragte ihn alles, was mir einfiel. Bären, Schlangen, Verpflegung, Psychopathen im dunklen Wald, Frauen die den Trail laufen, Blasen an den Füssen, Filtern von Wasser, Sonnenbrand undundund…

Zusammenfassend: Bären haben Angst vor Menschen, wer sein Wasser nicht filtert kriegt innerhalb von zwei Wochen den schlimmsten Durchfall überhaupt, weil die Tiere ins Wasser pinkeln und scheissen, die Füsse sind sowieso recht schnell zur Sau und das meiste outdoor equipment, dass es in den Läden gibt, braucht man gar nicht. Kleidung ist auch überbewertet: 1 Hose, 1 Merino Shirt, 2 Unterhosen und 2 paar Socken und lange Merino Unterwäsche für die Nacht. Diese Klamotten waren übrigens gerade in der Wäsche beim Hostel, deshalb hatte er nix anderes zum Anziehen als seine lange Unterwäsche, während wir draussen auf der Terrasse sassen 😉

Ganz wichtig: Sonnencreme. Jetzt war mir auch klar, warum sein Kopf und seine Hände so ledrig braun und der Hals oder Arme so gar nicht braun waren =P Übel: Während dem PCT mussten er mehrere Tage ein Schneefeld überqueren. An besonders viel Sonnenschutz hatte er nicht gedacht.  Doch der Schnee reflektierte von unten und er hatte den schlimmsten Sonnenbrand überhaupt, sein Gesicht habe sich „vollflächig geschält“. Yummie!

Den Lacher des Abends hatten wir aber, als plötzlich die Türe aufging und ein 2m grosser, blonder Holländer reinlief. Alex und Sander (sein Name) schauten sich an und fingen an zu johlen – er ist auch ein Wanderer des Trails! Sie haben sich im Norden kennengelernt, doch Alex war schneller und nun haben sie sich beide per Zufall am gleichen Ort für eine Pause entschieden. Sander wanderte zum ersten Mal überhaupt, hatte die am schlimmsten verbeulten, gelbblauen Zehen, die ich je gesehen habe, hat Angst vor den possums und allem anderen, was in der Nacht so kreucht und fleucht, und fluchte in jedem „fu**ing“ Satz. Seine beste Anekdote: Er kaufte hier ein Zelt, möglichst klein und möglichst leicht. Problem: Er war zu lang für das Zelt und musste immer sehr verwinkelt schlafen, denn der Backpack muss ja auch mit rein 😉 Nach einer Woche hatte er Nackenschmerzen und schnitt kurzerhand ein Loch aus dem Zelt und verlängerte es mit einem Plastiksack vom Supermarkt und etwas ducktape, damit er nachts seine Füsse reinstecken konnte und sich so auch mal strecken kann.

Für mich ist klar, ich möchte auch mal eine Langdistanzwanderung machen. Vielleicht starte ich ja schon im 2017 mit einer Woche in der Schweiz?

Leider keine Fotos 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s