Gedanken zu #SriLanka

Wie schon im letzten Post angetönt, haben wir häufig einen Roller / Scooter gemietet und sind einfach mal drauf losgefahren. Dies hat mir wirklich wahnsinnig gut gefallen, denn ich konnte als Beifahrer und Navigator den chilligen Part übernehmen, immer mal wieder einen Fotostopp fordern und rumschreien, wenn uns die TukTuks, Busse und Lastwagen fast abzuschiessen schienen. Ich habe mir in diesen Tagen ein paar Stichworte notiert, zu denen ich euch mehr erzählen will.

Natur vs. Chaos

Ich war nun schon wirklich an vielen, verschiedenen Orten auf diesem Planeten. Aber ich glaube, ich habe noch nie eine so grüne, von Palmen und anderen Pflanzen übersäte Insel gesehen. Die Natur ist atemberaubend und wunderschön, so auch die Fauna: Affen, Warane, Eichhörnchen, Büffel, Schildkröten, tausende Vögel, bspw. Eisvogel, Adler und Pfaue. Sogar einen Elch haben wir im Horton Plains Hochplateau gesehen! Die Strände sind leer und endlos. Die kleinen Strässchen durch die Natur sind ruhig, Menschen laufen auf den Strassen und tragen Baumaterialien wie 4m lange Bambusstäbe herum. Alles ist noch jung, es wird überall mehr oder weniger fleissig gearbeitet und gebaut, der Standard ist sehr einfach, aber den Umständen entsprechend doch irgendwie recht sauber. Klar hat’s überall Staub, bzw. kein weisses T-Shirt bleibt weiss, aber das kommt halt durch die Natur. Bleibt man in einer Stadt bzw. einem städtischen Ort hängen, sieht das anders aus: Alles ist laut, es wird gehupt wie am Spiess, es wird rumgeschrien, Betelnut gekaut und gespuckt, wirklich viel und laut gespuckt. Irgendwie scheint es extra cool zu sein, wenn man den chöder von ganz tief unten hochholt und mit allen Kräften rausspudert. WTF! An das gewöhne ich mich wohl nie. Es reihen sich Läden mit Utensilien und Kleidungsstücken, die in Europa seit 30 Jahren nicht mehr verkauft werden, aneinander. Alles ist wirklich sehr, sehr geschäftig. Doch das gibt mir den Eindruck, dass es den Menschen hier nicht so mega schlecht geht.

Abfall

So kommen wir gleich zum nächsten Thema, das die oben erwähnte Flora und Fauna meines Erachtens gefährdet: Abfall. Nicht ganz überall, aber fast überall. An Strassenrändern und entlang der Zuglinie häufen sich die Müllberge. Dies, obwohl überall Abfalleimer sortiert nach „Pet“, „Glas“, „organic“ bereitstehen. Der Wille wäre da, aber es klappt einfach nicht. Touristen wie auch Locals schmeissen alles irgendwo hin, in der naiven Annahme, dass es sich wohl selbst recycelt? WTF! Ich habe einen Müllberg gesehen, auf dem die Kühe standen und den Plastikabfall gefressen haben. Ich hätte wirklich losheulen können, fühlt man sich so hilflos gegenüber diesem wirklich grossen Problem. Ich hätte es für euch fotografieren sollen… Immer wieder denke ich, ich möchte ein Start-Up oder sonst eine NPO unterstützen, die sich diesem Abfallproblem widmet. Vielleicht findet sich ja da noch was.

Weiss vs. Schwarz

Nun, wie man offensichtlich sieht, bin ich weiss. Auch meine Haare werden jeden Tag heller und die Augen sind anders, als hier üblich ist. Dies bringt die Kinder dazu, mir wie wild zuzuwinken und zu strahlen. Junge Mädchen im Bus sind verlegen, üben ihre ersten Sätze in English und sagen zu mir „Miss, you are beautiful“. Da es offensichtlich ist, dass ich nicht aus Sri Lanka stamme, will mir jeder helfen. Am Busbahnhof muss ich nie suchen, jeder fragt gleich, wo man hin will und zeigt, welches der richtige Bus ist. Wichtig, da Busse oft chaotisch beschriftet sind 😉 Jeder will eine TukTuk-Fahrt oder eine Unterkunft verkaufen. Doch es bedeutet auch, plötzlich selbst der offensichtliche Ausländer zu sein. Dies in einem Land, in dem Touristen und Weisse noch nicht überall zur Tagesordnung gehören. Nicht wie bspw. in Thailand oder Bali. Immer kriegt man einen teureren Preis vorgeschlagen und immer, aber wirklich immer, wird man zuerst mal gründlichst angestarrt. Das Starren ist so eine Sache: Auf den ersten Blick schauen die Menschen immer streng, misstrauisch und ein bisschen verurteilend. Sobald man selbst aber lächelt oder die Hände zusammenlegt und sich leicht verbeugt, kriegt man ein Strahlen oder mindestens ein Lächeln zurück.

Hierzu noch ein Paradebeispiel: In einem Dorf weit ausserhalb von Ella sind wir mit dem Roller in den abendlichen Chaosverkehr geraten. Ich hatte die kleine Go Pro Kamera in meinem Daypack zwischen Sebas und mir. Man sah sie nicht offensichtlich, so ist sie mit ihren 3x4cm ja ein kleines Ding. Zudem habe ich auch nicht mehr bewusst gefilmt, sondern mich aufgrund des krassen Verkehrs festgeklammert. Anschliessend bin ich die Aufnahmen durchgegangen und fand folgendes Bild. Es zeigt, wie jeder, aber wirklich jeder, zu mir starrt. Okay, der kleine Junge schaut zu Sebas 😉 Man könnte meinen, die Menschen seien uns böse gestimmt, doch als ich freundlich lächelte, hat nachher jeder zurückgelächelt und gar gewunken. (siehe Bild unten)

Das Kopfschütteln

Wenn man eine Frage stellt, wird die Antwort fast immer von einem wackligen Kopfschütteln begleitet, das für uns nach einem „Nein“ aussieht. Es ist aber meistens ein „Ja“. Wenn dazu einigermassen freundlich geschaut wird, ist es fast sicher ein „Ja“. Es könnte aber auch immer ein „Nein“ sein. Mhh, genau. Ich schnalls selbst nicht.

Die kleinen Strassenstände

An jeder Ecke gibt’s kleine Kioske mit Roti aller Art, falafelähnlichem Gebäck und lustigen Kreationen von salzig / scharf bis süss. Spottbillig und meistens mega fein. Die Locals kommen auf ein Gespräch vorbei. Die Männer tragen ihren Sarong um die Hüfte. Man fährt entweder Motorrad oder Fahrrad. Bananen gibt’s hier auch die allerbesten, ganz kleine, süsse. Eine Frucht, die ich in der Schweiz nie freiwillig gegessen hätte.

Kühe vs. Hunde

Eigentlich pflegen die Menschen hier einen eher todessehnsüchigen Fahrstil. Doch steht eine Kuh auf der Strasse, hält plötzlich jeder gern an. Theoretisch könnten sie also bremsen, man will sonst einfach nicht. Wenn beispielsweise ein Hund in der Strasse liegt, wird frischfröhlich drauflosgefahren. Daraus resultiert, dass fast jeder Hund ein gebrochenes Bein mit sich rumschleppt. Klar, es gibt zu viele Hunde hier. Viel zu viele. Wilde, in Rudel, die ihre Quartiere verteidigen und nachts heulen wie Wölfe. Trotzdem ist das kein Umgang.

Abgase / Luftverschmutzung

Und zu guter Letzt: Die Luftverschmutzung. Eieiei. Beim Rollerfahren ist mir das am allermeisten aufgefallen. Mein Gesicht nach einem Tag auf dem Scooter: Schwarz. Wenn man die Nase schneuzt: Alles schwarz. Der Geruch nach Benzin ist omnipräsent, vorallem, wenn man hinter einem Lastwagen herfahren muss. Gut, habe ich ein Bandana mitgenommen, in das ich frischfröhlich inhalieren konnte. Die Abgase kommen wirklich pechschwarz aus dem Auspuff, Filter oder sonst was dieser Art gibt’s hier nicht. Liegt wohl an den Fahrzeugen, die so alt sind, dass sie auf CH-Strassen längst keine Daseinsberechtigung mehr hätten. Und davon gibt es viele, richtig unzählig viele. Überall. Ich weiss nicht, wie viele tausende TukTuks, Motorräde und andere fahrbare Untersätze aus dem letzten Jahrhundert ich hier schon gesehen habe. Nochmals: Schade um die tolle Natur und sicher nicht gesund für die Menschen und Tiere.

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Strassenstände mit Motorrad und Männer im Sarong
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Kuh auf der Fahrbahn
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Schulkinder im Bus, die für ein Foto posierten
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Strände
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Besagtes Foto mit den Blicken 😉
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Natur pur
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