Sweet Kerala #India

Welcome to India. Diesen Satz hörte ich tatsächlich an meinem ersten Abend, doch war es mehr ein Witz des jungen Hostelbesitzers. Er erzählt mir, dass er immer „Indien-Jungfrauen“ verarsche, indem er betone, wie gefährlich hier alles sei und wie sehr man aufpassen müsse. Er weiss genau, dass die Informationen über Indien im Westen schlimmer als die Trump Berichterstattung sind. Seine Strategie besteht darin, die Gäste auf den Arm zu nehmen, damit sie anschliessend selbst merken, wie faszinierend dieses Land ist. Mich konnte er leider nicht schockieren, so versuche ich mittlerweile mehr denn je, neuen Orten und Menschen neutral zu begegnen, und mir erst nach dem Erleben eine Meinung zu bilden. Work in progress.

In Negombo an meinem allerersten Abend lernte ich im Hostel zwei Inder kennen, die ich gleich über meine Indien-Reisepläne ausquetschen konnte. Die zwei supernetten und super gebildeten ITler aus Mumbai konnten mir eine ehrlich Einschätzung geben: Kerala / Bangalore seien kein Problem allein als Frau. Klar, als weisse Frau würde ich schon angestarrt werden, aber das bleibe dann auch dabei. ABER DELHI?? Da würden sie selbst auch als indische Männer niemals alleine hin, weil es offenbar nicht ganz illegal ist, Waffen auf sich zu tragen. Aber zurück zu Kerala.

Ich stieg also in Colombo in den Flieger nach Trivandrum: Männerquote 99%, Westler-Quote 0% – nur ich. Unwohlfühlquote auch 0%. Die Menschen waren supernett, keiner Gaffte und ich bereitete mich seelisch auf die Flughafennummer vor:

Flughafen bedeutet in den östlichen Ländern meist ein riesen Puff, tausend blabbernde Männer, die mir eine Rikschafahrt andrehen wollten und stechende Blicke auf die weisse Haut und schnalzige, glüschtler Geräusche. Ich kam zum Gepäckband, noch immer die einzige Westlerin, und die Inder sassen sich fast gegenseitig auf den Schultern, um ihre Pakete (ja, Päckli. Kei ahnig was die Lüüt im Flugi transportiert hend, aber Koffere sinds nöd gsi) zu erspähen und sich nach vorne zu quetschen. Ich sichtete meinen Rucksack und gab ein „Excuse me“ von mir. Die ganze Meute an Männern drehte sich um, schaute mich einen Moment lang schweigend an und fragte dann „Which one do you need?“ – „The black backpack“ – „No problem Miss“ und sie hievten meinen Rucksack zu zweit vom Band und trugen ihn sogar in eine ruhige Ecke, die nicht an Zustände aus Sodhom und Gomorrah erinnerte. So nett!

Ich war so happy, doch glaubte ich zu wissen, dass jetzt der wahre hassle kommt: Das Abwimmeln von 12’390 Rikschafahrern beim Verlassen des Flughafens. Das ist in Bangkok so, in Bali, in Lombok und auch in Colombo war es des Grauens. Hello Miss. Taxi Miss. Tuktuk Miss. Transport Miss. Accomocation Miss. AAHHHH!!! Ich verliess meinen ersten indischen Flughafen und: Da war keine einzige Nase! Das ist dann wohl der Vorteil, wenn man als wohl einzige Westlerin einen lokalen, kleinen Pupsflughafen aus Colombo anfliegt. Genaugenommen war es sogar schwierig, eine Transportmöglichkeit zu finden. Ups!

Nun sitze ich seit sechs Tagen im sonnigen, sauheissen und feuchttropischen Kerala. Ich komme mir manchmal vor, als wäre ich immer noch in Sri Lanka. Nur fehlen die Touris und die Wellen. Und es ist hier alles etwas lebhafter, es hat überall mehr Menschen. Es wird gebaut, geschraubt und die Strassen werden saniert, bis den fleissigen Einheimischen die Schuhe schmelzen. Kein Witz, der arme Mann hat mit seiner einstigen Sandale lange Fäden gezogen…!. Es ist verhältnismässig krass sauber und an jeder Ecke gibt es Yoga und Jesussandalen, Jesusfrisuren und überhaupt Jesusse (was isch denn da eigentlich gnau d Mehrzahl?). Lucy, falls du das liest: Du wärst längst betrunken – ich glaub, die Jesus-Quote ist hier gar höher als in Kathmandu 😉

Einerseits war ich in Varkala, der Hippiehochburg und der jüngeren, ruhigeren und authentischeren Schwester von Goa, sowie in Alleppey, dem Ausgangspunkt für Backwater-Trips. Zwischendrin bin ich mit dem Zug und Scooter gereist. Überall habe ich tolle Menschen kennengelernt und saugut gegessen. In Varkala gab es noch tolle Yogaerfahrungen mit einem 1,40m grossen Guru: Ich habe einen Kopfstand sowie eine Krähe gemacht und er ist mir so lang auf den Rücken gesessen, bis ich mit dem Kopf komplett in meine Füsse reingefaltet war. Jawohl, läuft bei mir. Er meinte, wenn ich 15 Tage dranbleibe, habe ich Chancen, eine wahre Yogi zu werden. Naja, mal luege =P

Alleppey hingegen ist etwas ruhiger, hat’s hier kaum Touristen und wenn, dann nur für Tagestrips in die Backwaters oder Hausbootmieten. Ich habe einen Tag auf einem Kanu in den Backwaters verbracht, das sind kilometerlange Kanalsysteme, wo die Menschen noch wirklich nah an der Natur leben. Transport ist entweder zu Fuss, mit Scooter oder per Boot. Kleider, Körper und Zähne werden im Fluss geputzt und trotzdem ist dieser erstaunlich sauber. Liegt wohl an den Millionen an Wasserpflanzen, die das Ökosystem reinigen. Ich bin froh, bin ich länger geblieben, so konnte ich auch die Umgebung mit dem Scooter abfräsen. Es empfiehlt sich, durch die Reisfelder zu schlendern, wo gemäss den Einheimischen kaum weisse Frauen auf Scootern aufkreuzten. Ich genoss diese Freiheit ungemein, so habe ich bspw. eine komische Maschine entdeckt, die wie eine riesengrosse alte Nähmaschine aussah. Ich bin zum netten Herrn hingefahren und er hat sich gleich dran gemacht, irgendwelche Spähne zu pressen. Stellte sich heraus, dass dies frischer Saft aus Ingwer, Zuckerrohr und Zitrone war! Mega lecker, aber viel zu süss, wie alles in Kerala. Sweet, Sweet Gwendoline in meinem Kopf.

Angestarrt wird man in Indien immer. Von jedem. Scheint mir, dass mich selbst die Hunde und Katzen anglotzen. Aber hey, auch hier gilt, zurückgaffen und grinsen und alle sind happy 😉 Ich habe zudem sehr viele Inder aus Kalkutta, Mumbai und Bangalore kennengelernt, die genau so westlich drauf sind, wie wir. Man kann also wirklich nicht alle in einen Topf stecken. In Kerala ist es wirklich so, dass man sich als Frau auch mit kurzen Hosen und Trägershirt bewegen kann. Klar, man provoziert die Blicke dadurch viel mehr, aber man muss sich nicht sorgen und man wird nicht blöd angegrabscht. Kerala ist der reichste Staat und hat die tiefste Rate an Personen, die nicht lesen und schreiben können. Also alles in allem recht westlich. Im Norden sind dies und der Status einer weissen Frau hingegen komplett anders.

Heute Abend geht’s nun mit dem Nachtzug während elf Stunden nach Bangalore. Meine erste indische Grossstadt, doch immer noch eine ruhigere und modernere Version als beispielswise Delhi. Ich arbeite mich langsam hoch, seid gespannt, was noch kommt ;-)! Und seid nicht besorgt, wenn es hier wieder ein paar ruhige Tage gibt. Ich werde in den nächsten 2+ Wochen ziemlich wild umherreisen und kaum Zeit bzw. WLAN haben, dies alles zu dokumentieren. Glaube ich zumindest.  bis gli, namaste.

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