Holy Varanasi #India

Auf Varanasi habe ich mich am allermeisten gefreut. So viel habe ich von der Stadt gehört. Die einen haben es als das Schlimmste bezeichnet, andere haben sie geliebt. Die Stadt am Ganges gehört zu den ältesten unserer Geschichte und ist ein höchst, wenn nicht einer der spirituellsten Orte für Hinduisten. So kommen unzählige Menschen nach Varanasi, um im Ganges zu baden und um sich bestatten zu lassen. Genau. Die Menschen kommen hier her, um zu sterben. Wer nicht in Varanasi stirbt, kann sich auch post mortem nach Varanasi transportieren und bestatten lassen. Baden im Ganges soll von Sünden befreien. Es gibt ganz viele Ghats, das sind Treppenstufen, die runter ins Wasser führen und den Schwumm oder mindestens die Körperreinigung leicht machen. Gleich im Vorab: Nein, ich habe mich nicht ins Wasser gewagt, die Wasserqualität dieses Flusses wage ich zu bezweifeln. Simon und Oli waren aber so mutig, Oli hatte sogar den Kopf unter Wasser. Man munkelt bis heute, ob er wohl deshalb am anderen Morgen krank wurde ;-)?

Der Bestattungsprozess hingegen ist etwas umfangreicher und wirklich wesentlich für viele Hindus. Was man in Varanasi sieht? Die Verstorbenen werden auf Baren und lediglich von einem Tuch bedeckt durch die Stadt getragen. Die männlichen Angehörigen der Familie dürfen den Trauerzug begleiten, ebenso spielen Trommler und Musiker mit Glocken. Ziel des Fussmarschs ist das Bestattungs-Ghat am Ganges. Dort werden die Körper von den Tüchern befreit und anschliessend mit Holz, und wenn ich das richtig gesehen habe, kleineren Gaben, verbrannt. Ein Teil der Asche wird anschliessend in den Ganges gestreut. Dies ist zumindest die Kurzfassung und was uns erklärt wurde. Sicherlich gibt es noch ganz viele andere Rituale.

Weshalb die Hindus in Varanasi bestattet und verbrannt werden möchten? Sie glauben, dass dies der einzige Weg zum Ausbruch aus der Reinkarnation ist. Also die einzige Möglichkeit, nicht mehr wiedergeboren zu werden und endgültig zu sterben.

Es war heftig, wie 24/7 Bestattungen stattfanden und, dass dies von der Öffentlichkeit und gar von uns Nicht-Hinduisten beobachtet werden durfte, die Frauen der Familien hingegen aber nicht zugelassen sind. Und das ist nur ein einziges Beispiel von so vielen Dingen in den Religionen und der Kultur in Indien, die heute meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäss sind und trotzdem unveränderbar scheinen.

Daneben ist Varanasi, die Stadt Shivas, aber auch als Kunst- und Musikstadt bekannt. Es gäbe wohl irgendwas über 200 Festivals in der Stadt. Als wir da waren, war gerade ein riesiges Shiva Festival. Irgendwie haben wir davon nicht soso meeegaa viel gemerkt. Aber klar, oft spielen Künstler auf den Gassen und jeden Abend werden Feuer- und Musikshows am Main Ghat vorgeführt. Diese waren wirklich atemberaubend, ich hatte Hühnerhaut und hätte Stundenlang in der Trance der undefinierbaren Klänge versinken können. Glocken, Dröhnen, Saugen, Bass, Rythmus, Trommeln, Klingeln. Es war so magisch, sowas habe ich noch nie erlebt. Und das Feuer und die Tänze und wie tausende von Indern einfach nur da sassen und lauschten und es aufsaugten, das war der absolute Wahnsinn.

Nach einem Sonnenaufgang auf dem Boot, schlenderten wir tagsüber durch die Gässchen, ebenso eng und manchmal fast so voll wie in Delhi. Doch irgendwie anders. Hier hatte es zum ersten Mal so richtig viele Kühe. Überall. Und es gab viel mehr bettelnde Kinder. Aber: Sie betteln vorallem non-stop bei den Indern. Überhaupt haben wir auch in Varanasi kaum westliche Touristen getroffen. Unvergleichbar mit anderen Länden in Asien, wirklich. Und es gab – oh Schreck oh Graus – Gurus mit Kobra-Schlangen in Körben. Ich hatte wirklich jedesmal einen Totalaussetzer, weil diese Schlangen mir eine Scheissangst machen. Und es hatte ganz deutlich viel mehr kranke und alte Menschen, was dann wohl auf den Sterbeprozess zurückzuführen wäre. Und alles in allem hatte es weniger Menschen, ist die Stadt ja doch deutlich kleiner.

Unterm Strich fand ich Varanasi aber wirklich magisch. Vorallem wohl, weil all die Inder wirklich ganz fest an alle ihre Millionen und Milliarden Rituale glauben. Egal ob Hindu, Buddhist, Muslime oder sonst was – jede Religion wird sehr intensiv praktiziert und hinterlässt überall ihre Spuren.

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Blick aufs Main Ghat morgens um 7 Uhr // abends versammeln sich hier Tausende!

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Gaben, Gaben, Gaben…
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Die Abfallproblematik in einem Hinterhof. Und nein, Ruby posiert nicht für ein Foto. Eigentlich waren wir nur mega besorgt, von der schmalen „Brücke“ zu fallen.

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