Goodbye #Myanmar!

So meine Lieben, macht euch auf ein langes Wort zum Sonntag gefasst 😉 Am besten holt ihr euch noch einen Kaffee, bevor ihr euch diese 1322 Wörter zumutet…

Dreiundzwanzig Tage in Myanmar und meine Zeit hätte vielseitiger nicht sein können: Tagelanges Wandern durch trockene Ebenen, auf und ab im dichten Jungle, eine Grossstadt, einer der heiligsten, buddhistischen Orte und verlassene Traumstrände. Dies kombiniert mit unzähligen Menschen, die kamen und gingen. Die einen begleiteten mich immer wieder, andere nur für einen Abend oder ein Gespräch. So ist das, mit dem „alleine reisen“. Viele Hallo’s, viele Goodbye’s. Fakt ist aber, man sieht dieselben Reisenden immer wieder und irgendwann hat man gefühlt mit jedem gequatscht und kennt in jeder Unterkunft irgendwen von irgendwo her.

Wieder habe ich mir einige Stichworte notiert, zu denen ich etwas schreiben wollte. Ganz unten findet ihr dann noch meinen Myanmar Clip, doch zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen, gället 😉

Abfall

Es ist wieder soweit. Das leidige Thema Abfall, omnipräsent in Myanmar. Jeder schmeisst alles zum Fenster raus. Aus den Augen, aus dem Sinn. Erwachsene machen’s vor, Kinder machen’s nach. Ich bleibe sprachlos. Abfalleimer gibt’s vielerorts gar nicht. Es gibt improvisierte Plastikboxen, doch was passiert anschliessend mit dem Abfall, der primär von uns Touristen reingepappt wird? Wird wahrscheinlich mitsamt allem anderen Güsel gleich in den Strassengraben geleert… Es ist ein endloses, leidiges Thema. Und es ist allerhöchste Eisenbahn, etwas dagegen zu unternehmen. Kleine Schritte, wie im Restaurant beim Bestellen zu sagen, dass man keinen Strohhalm möchte. Diese sind nämlich die schlimmsten kleinen Biester. Und keine PET-Flaschen kaufen, immer mit der reusable bottle rumlaufen (merci übrigens Ale, ich han immer wunderbar kalt’s Wasser 😉 )! Wer das Allergeilste will: Lifestraw! Mit dem Ding chasch würklich usem Ganges süüffle! Der integrierte Filter reinigt jedes Hahnen- und Flusswasser und schafft so überall Zugang zu Trinkwasser. Sinnvolles Teil, kaufe ich mir, sobald ich irgendwann wieder Geld verdiene oder das Gefühl habe, ich müsse mir etwas gönnen^^ Ich weiss, in der Schweiz auf die Abfallproduktion (Miis Lieblingsbiispiil: Plastiksäckli für Gmües und Frücht im Coop / Migros) zu achten, erscheint lächerlich, wenn man bedenkt, wie viele Unmengen an Tonnen von Abfall in Asien vor sich hinvegetieren. Aber steter Tropfen höhlt den Stein, würkli…!

Betelnut / Spucken

Wieder ein Land (nebst Sri Lanka und Indien), in dem primär die Männer Betelnut kauen. Diese Alltagsdroge ist vor allem unter Busfahrern aufgrund der verlängerten Aufmerksamkeitsspanne beliebt. Sie macht nicht nur superhässliche rote und irgendwann ganz ausfallende Zähne, nein, sie fordert auch auf, wiedermal richtig zu chödern. Aber nein, dieses verdammte Chödern ist nicht nur den Männern und nicht nur denen mit einer Schwäche für Betelnut vorenthalten. In Myanmar scheint es ein richtiger Volkssport zu sein. Je lauter und je tiefer unten man alles rausholt, desto besser. Ich zucke selbst nach 23 Tagen immer noch zusammen, wenn eine kleine herzige Frau aus dem Nichts mit Ach und Krach ihren ganzen verrotzten Sabber mit 150 km/h neben mich auf den Boden pfeffert. FUCK MANN ECHT! Ich werde mich in meiner Lebenszeit nie nie nie an das gewöhnen und es ist wirklich das einzige, was mich abgrundtief stört. Hupen, Squattoilets, der ewige Dreck, die Luftfeuchtigkeit, die mangelnde Hygiene, biestige Moskitos oder das lüsterne Schnalzen einiger grüseliger  Typen, das alles sind langweilige Banalitäten im Vergleich zu diesem sauwüeschte Gspuder!!!!! Vorallem hängen dann immer noch so Spuckfäden am Gesicht und wenn die Leute Betelnut kauen, ist der ganze Sabber rot und sieht auch noch blutig aus. Ah echt, es isch eifach s’Hinterletste. So, sorry, rant over. Es hät ez eifach mal use müesse.

Hygiene als Frau

Hier begann ich zu schreiben und merkte schnell: Wow, dieses Thema ist so spannend und ufert komplett aus! Ich mache dazu einen eigenen Post – upsi =)

Politische Situation

Vor Myanmar fragte jeder: Ist es sicher? Willst du da wirklich hin? Willst du so eine Politik unterstützen? Als ich in Myanmar rumreiste, erhielt ich Zeitungsartikel aus westlichen Medien und die Frage: Bist du an sicheren Orten? Merkst du etwas von den Spannungen?

Nun. Worum geht’s überhaupt? Myanmar ist mehrheitlich ein buddhistisches Land. Doch es gibt eine muslimische Minderheit, die Rohingya. Seit Mitte 2017 wird in den Medien intensiv über die gewaltsame Attackierung und Vertreibung der Rohingya durch das Militär in Myanmar berichtet. Der Konflikt geht aber gemäss Berichten zufolge schon auf den zweiten Weltkrieg zurück, wo Rohingya auf Seiten der Briten und die Buddhisten auf Seiten der Japaner kämpften. Wie so oft hatte England die Finger im Spiel und als sie das Land verliessen, wurden die Rohingya an Myanmar und nicht, wie von ihnen erhofft, an Pakistan angegliedert. Wer die Situation im nahen Osten zu Israel und Palästina kennt, dem kommt das Ganze sicher bekannt vor.

Nun, ich habe diverse Locals, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, irgendwann auf die Problematik angesprochen. Doch man bekommt nur wenig Fleisch am Knochen: Entweder mangelt es am Englisch, sich über diese Themen zu unterhalten. Oder sie haben Angst, etwas falsches zu sagen. Grundsätzlich ist die Haltung aber: „Rohingya sind anders, sie wollen den Islam verbreiten. Wir möchten auch keinen Krieg, aber das ist halt unser Land.“

Ich selbst war mehrere Tage in Ngwesaung, im südlichen Teil des Krisengebiets. Komische Situationen hatte ich keine. Traurig war aber: Die Region leidet massiv unter dem eingebrochenen Tourismus. Allgemein haben in Myanmar die meisten, die ihr Geld mit Tourismus verdienen, schlechtere Zahlen zu verzeichnen. Doch die Rakhine Küste, wo das Problem am stärksten ist, leidet am meisten. Ich war froh, konnte ich hier nochmals richtig viele Locals kennenlernen und mich austauschen. Ich bin froh, nach Myanmar gereist zu sein und den Locals doch irgendwie etwas Gutes getan zu haben. Denn wie das so ist, nicht jeder ist böse und es leiden auch ganz viele unter der Krise, die nix damit am Hut haben.

Doch ist es schon so: Ich habe mich nicht getraut, in die nördlicheren Gebiete nach Sittwe und Mrauk U zu reisen. Und in Lashio, unweit von meinem Aufenthaltsort Hsipaw, ist in einer Bank eine Bombe explodiert. Ich habe mich dazu mit Derek, dem Holländer, und TonTon, einem Local, unterhalten. Spannend war dabei etwas, dass ich zuvor noch nie gehört hatte: Die Cronies.

Myanmar ist ein Drittweltland. Es gibt unzählige Arme, dann ganz lange nix und dann kommen die Cronies. Die Cronies sind superreiche Familien, die dank Wirtschaftsimperien, und wohl auch dank ihrer Zusammenarbeit mit dem Militär, die ultimative Elite Myanmars bilden (vrgl. the company bei Prison Break). Ihnen gehören Medien, Telekommunikationsfirmen, Baufirmen, Gebäude, Hotelketten, Inseln oder eben auch Banken. Es wird gemunkelt, dass die einen ihre eigenen Hotels abfackelten, um neue Bauten hinzustellen und andere für die Taten anzuschwärzen. Krieg im modernen Sinne. Und es könnte genau so gut sein, dass eben diese Bankbombe eine Warnung an einen Crony war oder gar selbst von einem Crony gelegt wurde, anstatt etwas mit den Rohingya zu tun zu haben. Denn Lashio ist rein distanzmässig ganz weit weg von den Rohingyagebieten. Klar ist auch, Militär gibt es überall in Myanmar und es ist aktiv. Doch was hinter verschlossenen Türen alles ablauft, ist für normale Touristen nicht transparent. Und als Journalist outet man sich sicherheitshalber besser nicht.

Für alle, die mir aber sagten: Warum reist du da hin? Du finanzierst damit einen Völkermord! Ich kann getrost sagen: Das Geld für den Krieg haben sie sowieso. Und die Vielen, die nichts haben, die können wir mit dem Tourismus direkt unterstützen. Aber nicht, indem wir in Resorts absteigen, die die Cronies bauen. Sondern in dem wir in einfachen Homestays ohne Strom und fliessend Wasser übernachten. In dem wir lokale Agenturen wählen. Indem wir unsere Wäsche bei der alten Dame nebenan und nicht im teuren Hotel mit Waschmaschine waschen lassen. Die Wäsche wird eh nie mehr wirklich sauber und die Frau kann sich mit dem Geld einen Tag ihres Lebens finanzieren. Das zumindest ist meine Ansicht der Dinge.

Nun aber genug der anspruchsvollen Themen. Ich hatte auch viel Spass in Myanmar und bei den lustigen Aktivitäten immer mal wieder die Kamera gezückt. Viel Spass und bis gli! 

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1 Kommentar zu „Goodbye #Myanmar!“

  1. Dankeschön für die tolle Reisebricht die ganzi Ziit! Sehr unterhaltsam und toll gschriebe, supertolli Bilder und s’Fernweh wachst mit jedem Itrag wiiter ah… 😉
    daaas beschriebnige Chödere kenni leider us de Pfleg auu. S’erste Mal so richtig gwürgt bim schaffe – sus gruslet mi ja nüt so schnell aber das löst echt Brechreiz us.
    Gnüsses fest in KL und ich hoffe s’Motilium, Bioflorin, Imodium, Irfen und Co. hebet no gnueg lang ane!

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