Gewusst? #travellersthoughts

Reisen ist nicht immer nur Abenteuer und Spass. In meinem Fall ist es auch sehr viel Reflexion. Stundenlange Busfahrten, Wartezeiten oder Abende in doofen Hostels ohne spannende Gesprächspartner bieten viel mehr Zeit, als mein ehemaliger Alltag, um Nachzudenken. Und ich bin durch und durch ein Denker. Ich reflektiere, was ich erlebe, wer ich bin, wie ich bin und was ich möchte. Und manchmal entspringt einem kurzen, banalen Gedankengang eine mehrstündige oder gar mehrtägige Recherche.

Grundsätzlich muss ich sagen: Ich möchte mehr denn je zuvor etwas zur Entwicklung der Menschheit beitragen. Ich möchte Gutes und Sinnvolles leisten. Ich habe aber meine Passion noch nicht so recht gefunden. Ja, ich achte auf meinen Abfall, kaufe wenn möglich Fair Fashion, kaufe Zuhause Bio (hier grad schwierig, aber wir wissen ja alle, dass ich organic hipster cafés liebe und da viel Geld liegen lasse…) und hatte kein Auto, weil ich keines brauchte. Trotzdem habe ich noch keinen Verein oder keine Organisation gefunden, die mich sofort mitgerissen und zum Mitarbeiten überzeugt haben.

Vielleicht liegt meine Aufgabe aber heute genau darin, diesen Post zu verfassen. Zu einem Thema, über das ihr (vor allem die Männer unter euch) wahrscheinlich nicht nachgedacht hättet und ich vielleicht auch nicht im selben Umfang.

Nun, dass wir Reisenden aufgrund der mangelhaften Hygiene immer mal wieder krank werden, wisst ihr ja bereits. Doch wie machen das die Locals mit der Hygiene im Alltag? Ich war beeindruckt, wie die Frauen nur schon ihre langen Haare anständig waschen können. Als ich beim Trekken jeweils drei Tage lang nur einen Brunnen mit Kübeli hatte, habe ich meine mittlerweile zu Stroh mutierten Haare kaum bis zur Kopfhaut nassgekriegt. Doch gerade als Frau wird man monatlich vor eine ganz andere Herausforderung gestellt! In unserer Kultur kein Geheimnis und kein Tabuthema, stellt die Monatsblutung in anderen Ländern und Kulturen aber ein riesiges Problem für Mädchen und Frauen dar.

So wird beispielsweise im Hinduismus und Buddhismus häufig immer noch geglaubt, dass Mädchen und Frauen während ihrer Tage „schmutzig und unrein“ sind. Sie dürfen dann keine heiligen Stätten wie Tempel besuchen oder tägliche Rituale wie das „Spenden der Gaben“ vollziehen. Das Problem geht so weit, dass Mädchen teilweise nicht mal mehr zur Schule gehen können, weil sie keinen Zugang zu geeigneten Hygieneartikel haben oder sich schämen. Auch in Myanmar habe ich festgestellt: Es gibt nirgendwo Hygieneartikel für die Frau zu kaufen. Andere Reisende stiessen vor das Problem, dass die Suche nach Tampons selbst in Apotheken nur zu verdutzten Gesichtern führte und meist mit einem Schwangerschaftstest in der Hand erfolglos endete.

Was macht man also als Frau in Myanmar auf dem Land? Ich habe unterschiedliches herausgefunden. Vom worst case Szenario mit „einfach laufen lassen“ bis zu Teeblätter, die in die Unterwäsche gelegt werden, über waschbare Einlagen ist alles dabei. Eine saubere Lösung ist davon aber nichts, vor allem, weil die Frauen meist körperlich Arbeiten und kaum Kleidungsstücke zum Wechseln haben. Zudem das Waschen der Einlagen im Brunnen- oder Flusswasser nicht wirklich zu deren langfristigen Sauberkeit beiträgt.

Wer Zugang zu Hygieneartikeln hat, beispielsweise einen Kiosk im Dorf hat, der Binden im Sortiment führt, steht vor einer anderen Herausforderung: Wird man beim Einkaufen von den männlichen Artgenossen gesehen, muss man im schlimmsten Fall mit Spott, Hohn oder Übergriffen rechnen. Auch das Waschen der schmutzigen Kleidung oder Einlagen sei ein beschämendes Ereignis, so wolle man dabei nicht gesehen werden. Dasselbe gilt beim Entsorgen: Einige schleichen sich nachts raus, um den Abfall im Wald zu vergraben – was natürlich auch nicht ungefährlich ist. Solche Zustände sind leider Realität und das in einer Zeit, wo auf allen Ebenen für die Gleichstellung der Frau gekämpft wird.

Die Aufklärungsarbeit ist jedoch in vollem Gange. Beispielsweise gibt es die „The Cup Foundation“, die sich in Entwicklungsländer für die Bildung und den Einsatz des Ladycups einsetzt. Der Cup ist auch meine erste Wahl im Westen sowie auf Reisen, generiert er keinen Abfall, ist nicht gesundheitsschädigend und für mich persönlich praktisch in der Anwendung. Ob er das auch für Mädchen in Myanmar wäre, weiss ich nicht. In einem Land, in dem man zuerst heiraten muss, bevor man bei einem Jungen zuhause übernachten oder sich näher kommen darf, ist mir fraglich, wie akzeptiert die Anwendung des Cups wäre.

Trotzdem finde ich „The Cup Foundation“ eine super Institution und das dachte sich wohl auch Monki, ein cooles Label der H&M Gruppe, die gemeinsam mit Lunette und der Foundation insgesamt 5000 Cups in Kenia spendeten und auch noch eine Awareness Kampagne lancierten. Das wäre mal ein Job für mich gewesen, Mensch! Nebst dem Training im Umgang mit der Menstruation und der Anwendung des Cups gehören auch ganz viel Aufklärungsarbeit zu Themen wie ungeschützter GV, Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft, Menschenrechte, Geschlechterrollen und sexuelle Gewalt dazu. Die Jungs werden natürlich auch aufgeklärt, sonst wäre das alles nur die halbe Miete.

Unter dem Strich hilft das, nebst den offensichtlichen Verbesserungen im Alltag, den Mädchen ein gestärktes Selbstvertrauen in der Gesellschaft zu vermitteln. Zudem können sie dadurch auch ohne Sorgen den Schulunterricht besuchen. Ich hätte nie gedacht, dass „die Tage“ in anderer Kultur einen solchen Teufelskreis an Herausforderungen generieren können und schätze einmal mehr, im privilegierten Westen aufgewachsen zu sein, der solche Probleme nicht kennt.

Wer mehr dazu wissen will:

https://www.thecup.org/cup-program

https://www.monki.com/we-are-monki/monki-thinks/periods-are-cool-period/

 

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