Gedanken zu Minimalismus #Bali

Schon länger interessiere ich mich für Minimalismus. Das lag ursprünglich vorallem daran, dass ich unordentlich war (genau, war!) und schlichtweg zu viel Zeugs hatte. Zeugs, das ich zwar irgendwie wollte, aber nicht gebrauchen konnte. Schnickschnack, hübscher Kram von irgendwo und irgendwem und überhaupt. Als ich letztes Jahr in meine 2,5-Zimmerwohnung gezogen bin, hatte ich zum ersten Mal richtig viel Material reduziert und anschliessend hatte sich das Problem mit der Unordnung wie von allein gelöst.

Minimalismus ist die Beschränkung auf das Nötigste und das Wesentliche.

Beim Packen für’s Reisen habe ich mich dann noch mehr mit Minimalismus beschäftigt und mich ganz fest gefragt: Was darf mit? Was kann ich überall und immer tragen? Was lässt sich schlau kombinieren? Wie kann ich möglichst wenig Gepäck mitnehmen und trotzdem alles dabei haben?

Ich bin, verglichen zu meinen männlichen Mitreisenden, immernoch als Schwergewicht unterwegs. Meine ca. 14kg (Backpack und Daypack inkl. Laptop, Kamera, GoPro…) plus Surfboard sind immernoch viel, wenn ich die Jungs sehe, die mit zwei Boardshorts, 5 T-Shirts, Laptop und Board rumreisen. Verglichen zu meinen weiblichen Gefährtinnen bin ich aber ganz weit vorn in der „kleines Gepäck“-Crew. Die einen toppen sich wirklich selbst: So verfügen sie über ein grösseres Make-Up Sortiment als jeder MAC Store hergibt und eine Kleiderauswahl, die mehrere Outfits pro Tag ohne wöchentliches Waschen zulässt. Das sind aber oft die Girls, die drei bis vier Monate nach ihrem Schulabschluss rumreisen und zum ersten Mal „rauskommen“ und etwas wildes, aufregendes erleben und dabei bestmöglich aussehen möchten.

Nun komme ich wieder darauf zurück, weshalb ich ursprünglich etwas zu Minimalismus schreiben wollte. Vor luuter blablabla wieder vom Thema abgschweift. Warum macht man denn das? Warum wollen wir weniger oder nur das Nötigste besitzen? Nebst den praktischen Gründen ist es für viele eine Art „Freiheit“, nicht vom Wesentlichen abgelenkt zu werden. Sich nicht über Unwesentliches zu definieren. Es gibt meiner Meinung nach kein richtig oder falsch, wie man minialistisch leben kann. Viel wichtiger ist der Gedanke dahinter.

In meinem Fall möchte ich wegkommen vom „Kleider machen Leute“: Sich nicht so stark über Äusserlicheiten definieren und diesen materiellen Dingen zu viel Wert zukommen lassen. Aber versteht mich nicht falsch: Ich gebe immernoch gern und verhältnismässig viel Geld für Kleider und „herzige Sachen“ aus! Als ich in Kuala Lumpur meine kaputten und ewig dreckigen Klamotten ersetzen musste (wollte), bin ich nicht in die billigsten, sondern die von mir als cool erachteten Läden gegangen. Es ist nicht so, dass ich mich nicht mehr an Klamotten und Schmuck, an Interior Design und allerlei Oberflächlichem erfreuen würde. Das ist nun halt ein Fetisch von mir und ich werde, wenn ich wiedermal eine Wohnung habe, immernoch zu viel Geld für Stühle und artsy stuff ausgeben. Ich werde in alle möglichen Bücher vom gestalten Verlag investieren und nicht einfach möglichst billig bei Ikea einkaufen. Und ich freue mich, irgendwann wieder andere Schuhe als meine FlipFlops tragen zu können. Und wenn ich denke, was ich zuhause für Zeugs auf mich warten habe, dann läuft mir das Wasser im Mund zusammen 😉

Aber ich habe das Bewusstsein erlangt, dass das nicht alles ist. Oft habe ich mich blenden lassen, von schönen Menschen und schönen Dingen. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass dies oftmals die Menschen sind, die damit eine andere Unsicherheit oder Sorgen verstecken. Warum ich überhaupt jetzt darüber schreibe? Noch nie war mir das ganze Thema so präsent wie hier in Canggu. So unglaublich, unglaublich viele junge Menschen, die sich ganz offenbar durch Äusserlichkeiten definieren, die sich auf Social Media vermarkten (#Influencer), die aber alle wirklich fast identisch rumlaufen. Jungs wie Mädels. Man geht aus, um gesehen zu werden und jemanden abzuschleppen, der ebenso cool ist. Und glaubt mir: Es sind alle, aber wirklich alle, wunderschön. Die Dichte an schönen Menschen ist hier mindestens so hoch wie in Skandinavien oder Australien, wenn nicht höher (da eh alle Scandis und Aussies hier rumhängen haha). Da kommt manchmal schon das Gefühl auf, dass man beim Verteilen der Gene mit deutlich mehr Pech gesegnet war.

Am Freitag war ich mit Sven im The Lawn (bester Passionfruit Daiquiri!) und nach etwa 20 Minuten sagte er zu mir: „Die sind alle so künstlich hier. Du bist mir damals aufgefallen, weil du einfach so normal warst und ehrlich Spass hattest.“ Irgendwie süss. Und das höre ich nicht zum ersten Mal! Auch Jeremy hatte letztens gesagt, dass er mich vom ersten Moment an gemocht hatte, weil ich so „non-girly“ und unkompliziert sei. Dass ich auch schon als „Bro“ bezeichnet wurde, lässt dann wohl darauf schliessen, weshalb ich so oft mit Typen unterwegs bin.

Trotzdem: Es ist für mich unvorstellbar, mein Interesse an schönen Dingen und Materiellem abzulegen. Das will ich gar nicht! Jedoch versuche ich jeden Tag, das ganze Materielle kritisch zu hinterfragen und mich nicht blenden zu lassen. Ich versuche, hinter die Fassaden zu schauen – sei es bei Menschen, beim Essen oder bei Unterkünften. Nicht alles, was auf den ersten Blick gut aussieht, ist es auch 😉 Deshalb möchte ich jetzt auch noch dieses Zitat teilen, welches mich schon einige Jahre begleitet und nun endlich in versinnbildlichter Form ein ewiges Plätzli auf meiner Haut gefunden hat. Und ja, das Tätowieren ist wohl auch so eine „oberflächliche Kunst“, die mich seit Jahren fasziniert. Immerhin geht die Tinte ja unter die Haut, also unter die Oberfläche. Ha!

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. – Antoine de Saint-Exupéry

Und damit ihr hier noch was für die Augen habt, möchte ich unbedingt Rena’s Kitchen & Coffee in Jimbaran mit euch teilen! Wir haben diese kleine Perle entdeckt, als wir zum Immigration Office gingen, um mein Visum zu verlängern. Das Interior ist genau so, wie ich meine nächste Wohnung einrichten würde. Viele der Dinge, die da rumstanden, habe ich sogar ähnlich oder identisch bei Mami und Papi eingelagert. Aber an dem Punkt, dass ich wieder irgendwo sesshaft werden will, bin ich wahrscheinlich noch länger nicht. Und bis dahin erfreue ich mich an der schönen Einrichtung in den Kafis 😉

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