Hello Sumbawa #Indo

Nein, nicht Simbabwe. Überhaupt gar nix mit Afrika. Sum-ba-wa. Ja, ich geb’s ja zu. Vor einigen Wochen hätte ich auch nicht recht gewusst, wo ich Sumbawa einordnen soll. Fakt ist: Indonesien ist jedem ein Begriff, so war oder ist gefühlt jeder auf Bali. Wer da war, kennt auch das östlich davon gelegene Lombok. Einigen ist Java ein Begriff, vorallem aufgrund von Mt Bromo und Borobudur. Reisebegeisterte kennen den Komodo-Nationalpark mit den Waranen und Flores, als Ausgangspunkt dafür. Tauchbegeisterte kennen Sulawesi. Aber Sumbawa? Das war zumindest in meinem Umfeld bislang nie ein Thema.

Nun. Sumbawa liegt zwischen Lombok und Flores und ist eine ziemlich grosse Insel mit fast 1,5 Millionen Bewohnern! Ich selbst habe mich in Bali spontan entschieden, ab Lombok einen Trip nach West Sumbawa einzulegen. Ich bin ja bekanntlich mit dem Roller unterwegs, also brach ich am Morgen früh auf, um in den Nordosten Lomboks zum Fährhafen Labuan Lombok zu fahren. Durch endlose Reisefelder, Palmenwälder und vorbei an unzähligen Moscheen ging’s während fast 3h inkl. Verkehr und Tankstellenstopp zur Fähre. Natur und Chaos pur vereinen sich auf Lombok in der Tat;-)

Die Fahrt war so witzig: Viele Mädchen (99% verschleiert) sind auf ihren Rollern neben mich hergefahren und haben gerufen: „Where you go?!“ „Sumbawa!“ „Cool, have fun! Hati hati!“. Doch auch Jungs und Familien (ja, ganze Familien auf Rollern sind normal) taten nix anderes. Alle haben irgendwas gerufen. „Hey Miss!“ „Selamat Bagi!“ „Hee!“ oder es wird einfach wie wild gehupt. Zuerst habe ich gedacht, irgendwas stimmt mit meinem Gepäck nicht. Hängt mein Surfbrett in der Strasse? Ist mein Rucksack offen? Habe ich den Blinker vergessen? Hää!? Bis ich gemerkt habe, dass einfach jeder die komische Weisse auf dem Roller anschreit. Es ist in der Tat so, dass ausserhalb Kuta’s (Lombok) auch sehr wenige Touristen rumschwirren. Und das merkt man sofort – man kriegt wieder brutal viel Aufmerksamkeit. Aber ich nehme es amüsant, rufe jedem irgendwas zurück und kann mittlerweile ganze Gespräche auf dem Roller mit meinen Nachbars-Fahrern führen und gleichzeitig Hupen und Winken und Überholen. Mein Fahrstil hat sich komplett angepasst, ich wäre in der Schweiz längst nicht mehr zugelassen. Der Finger sitzt so locker auf der Hupe, ich glaube, ich hupe öfters, als ich bremse.

Auf der Fähre habe ich wiedermal den kompletten Bonus der alleinreisenden Weissen gekriegt: Die Crew hat mich schon beim Reinfahren erspäht, mir den Roller abgenommen, alles sauber geparkt und mich gleich in die klimatisierte Steuerzentrale eingeladen. Der Captain war, typisch für Indonesier, 24 und sah aus wie 15. Im Cockpit herrschte ein Zustand, wie er in der Schweiz vielleicht in den 80er Jahren noch denkbar war: Uralte Infrakstruktur, alle rauchten während der Arbeit und überhaupt, es wurden Witze gerissen, Fotos gemacht, rumgechillt und ab und zu hat einer einen Finger gerührt. Hier ein Funkspruch, dort ein bisschen Steuern, aber vorallem Witze reissen. Ich wiedermal mittendrin statt nur dabei. Alles wollten sie wissen. Doch eins sag ich euch, mit indonesischen Männern kann man keine zwei Minuten sprechen, bevor die Frage kommt: You travel alone? You married? You single? 

Boyfriend ist keine Option. Entweder man ist single oder married. Wenn ich mir die Horde vom Hals halten will, habe ich am Anfang immer boyfriend gesagt. Bis ich gemerkt habe, dass das genau garnichts Wert ist. Genaugenommen ist nicht mal married etwas Wert, da diverse Männer immernoch mehr als eine Frau haben. Whatever. Manchmal bin ich halt verheiratet, manchmal bin ich single und manchmal habe ich einen boyfriend. Ich passe das immer entspannt der Lage an, ob ich einem oder mehreren Typen gegenübersitze und ob er ein kleines sprenzliges Würstli ist, denn mit dem käme ich noch locker klar, da ich oft grösser und breiter bin. Ich beantworte die Frage aber mindestens einmal täglich. Einmal sogar auf dem Roller fahrend in Sumbawa. Fahren zwei Typen neben mich ran und rufen:

„Mister! Where you going?“ „Miss, I am a woman! Hahaha!“ „Sorry, hihihi, Misses! You travel alone??“ „Yes!“ „Are you married?“ „What!? Hahaha“ „WhatsApp Number?“ „TIDAK!!!!!“ „hahahahaha! bye!“ „Bye! Selamat siang!“ (tidak = Bahasa Indo. für „Nein“)

Normalerweise will jeder nur wissen wohin ich fahre oder eine gute und sichere (hati hati) Reise wünschen. Aber die zwei gingen innerhalb von wenigen Sätzen grad mal alles abchecken, ich habe so gelacht! Und sie auch, denn die Frechen wissen genau, dass sie das bei einem indonesischen Mädchen nie machen würden / dürften. Aber das Image der weissen Mädchen ist halt ein anderes.

So ist auch die Interaktion mit dem anderen Geschlecht eher schwierig. Die Kultur ist anders als unsere, die Geschlechter werden überall getrennt. Man sieht Jungs mit Jungs und Mädchen mit Mädchen spielen, zur Schule gehen, Rollerfahren. Auch die Eltern reden nicht über Sexualität, es wird erwartet, dass man vor der Ehe nichts macht. Die Insel ist primär Muslimisch, so auch Lombok und ein grosser Teil Indonesiens, ausserhalb Balis. Ich habe diesbezüglich eine aktuelle Story gehört, in der ein Australier ein Mädchen über eine längere Zeit datete, dann Schluss machte und anschliessend die Familie für die „Ehre“ bezahlen musste und das Mädchen wurde nach Hongkong verheiratet. Autsch. Und das war im 2017!

Nun, ich bin heil in Sumbawa angekommen. Was ich dort erlebte, hört ihr bald!

Bis gli,

Corina

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Fährenfahrt
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Boys working hard
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