Flores Roadtrip Teil 2 #Indo

Wie in meinem letzten Beitrag eingeleitet, befinden wir uns jetzt also kurz vor der Autofahrt nach Moni. In Flores gibt es unterschiedliche Mittel des öffentlichen Verkehrs. Entweder grosse „Busse / Laster“ auf deren offenen Ladefläche du mit bis zu 30 anderen stehst / sitzst / liegst oder den kleineren Bemo Bussen, die entweder frontal oder seitlich ausgerichtete Sitzbänke haben und so prall gefüllt werden, wie möglich. Oder normale, schon fast langweilige Autos, die man mit anderen Reisenden teilt. Diese „Shared Cars“ sind preislich nicht viel teurer als Busse und zudem viel zuverlässiger und weniger chaotisch. Für mich auch ein Faktor: Weniger Risiko für Übelkeit 😉

Werden wir gekidnappt?!

Wir gönnten uns zu sechst also einen Shared Car. Zwei Passagiere in der „hintersten, schmalen Reihe“ des Autos, quasi zwüschet de Pneu uf Höchi vode Rädli, drei auf der mittleren Sitzbank und ich neben dem Fahrer. Front Row vowäge „Mir wird schlecht“. Seelenruhig tuckerten wir los, bis unser Fahrer nach etwa 10 Minuten mitten auf der Strasse stoppte. In einem Satz kamen aus allen Himmelsrichtungen Typen angerannt. Ich dachte „Mh, die wollen Reis oder Getränke verkaufen“. Und dänn risst en RIESE FÄTZE VOME TYP d Fahrertüüre uf. Ich „Öhhm, oke, was gaht etz?!“ und dann steigt unser Fahrer auch noch aus! Ok, jetzt war auch ich 100% wach und alarmbereit. Meine Türe sowie die Türe der hinteren Reihe wurde geöffnet und die Typen „zeigten“, dass sie auch noch bei uns sitzen möchten. Mhh – wo denn gnau bitteschön?! Wie stellet ihr eu das vor? Ah moment, redt ja ken Mensch Englisch vo dene und mis Bahasa isch wiedermal für d Füchs.

Ein Herr navigierte deutlich, dass er neben mir sitzen will. Uf de Handbrems? Vo mir us, ich hock det sicher nöd. Als er andeutete, dass er tatsächlich auf die Handbremse sitzen will, wurde mir das doch zu bunt, so mussten wir immerhin ca. 4 Stunden durch eine Passregion fahren! Ich gab zu verstehen, dass er dort auf GAR KEINEN FALL sitzen werde. Verstande hätters. Schlussendlich sass der „riise Fätze“ hinter dem Lenkrad, und drei Typen quetschten sich noch auf die anderen Sitzbänke. Ich war beladen von allen kleineren Rucksäcken und Taschen, die meine Mitreisenden zuvor gemütlich auf ihren Beinen gelagert hatten. Dort, wo jetzt fremde Typen sassen. Läuft bei uns!

Gekidnappt wurden wir nicht, schnell lernten wir nämlich, dass jedes Auto mit „leeren Plätzen“ von Locals mit „Transportbedarf“ eingenommen wird. Auch unser Fahrer wechselte noch ein weiteres Mal. Ein weiterer Typ, der keinen Platz in unserem Auto fand, fand sein „Plätzli“ aber darauf. Genaugenommen dahinter, so klemmte er sich nämlich an unsere Dachvorrichtung und hing etwa eine Stunde lang hinten am Autofenster. OHNI SCHEISS! Die Scheiben waren leider zu schwarz, um diese Kamikaze Szene zu filmen. Irgendwann schrie er laut (mir grauste es, dass es runtergefallen sein könnte), wir stoppten und er sprang in alter Frische runter und mit dem nächsten Satz in einen lokalen Bus rein, wo er hoffentlich etwas weniger gefährlich ans Ziel kam.

Über Schwefel, Grabsteine, Rastas und Sternenhimmel

Unser eigentliches Ziel war aber Moni, ein Kaff in den Bergen Flores‘. Dort hin verschlägt es einen, wenn man die Kelimutu Vulkankrater besuchen möchte. Lustigerweise hatten wir dieselbe Unterkunft wie unser englischsprechendes Französisches Pärchen (Johann und Sophie) gebucht und so schlossen wir uns bald zu einem Team zusammen. Wir besuchten die dreifarbigen Vulkankrater, atmeten raue Mengen Schwefel-Luft ein und wanderten während drei Stunden zurück zu unserer Unterkunft. Durch dichten Djungel, tiefe Täler und durch oberkatholische Dörfer. Auch hier wieder: Wie in Maumere, findet man nicht nur „zentrale Friedhöfe“. Meister werden die Grabsteine direkt vor dem Haus platziert. Grabstein ist auch irgendwie das falsche Wort dafür, bestaunt man hier vielmehr das „Grab“. Es isch wiä en überdimensionale plättlete Sarg. Das Kuriose daran: Man chillt, trinke, isst, schläft oder spielt darauf. Der Sarg ist keine „Ruhestätte“, er ist Mittelpunkt des Alltags und wird in jegliches Zusammensein integriergt. Mal was anders, oder? 

Zurück in Moni mussten wir unsere Mägen füllen. Das beste Lokal dafür: Das Moby’s! Die Dichte an Männern mit Rastas ist womöglich höher als in Jamaica selbst. Dazu gibt’s richtig richtig gutes indonesisches Essen, aber auch einen Australischen Einfluss wie Banana Bread, Cookies und Kaffee. Leider musste ich mich bis zum nächsten Cappucino noch etwas gedulden, denn die Kaffeemaschine sei seit Wochen kaputt.. nevermind! Bei Livemusik, einer Partie Scrabble und guten Gesprächen kann ich da ein Auge zudrücken 😉

Unsere Unterkunft „Gecko Homestay“ war also nicht nur in den höheren Bergen Flores‘, sondern auch noch ausserhalb des Dorfes. Nebst dem Vergnügen von kalten Outdoor-Duschen bei ca. 14 Grad, bedeutete das aber auch: Eine wunderschöne Sicht auf die Milchstrasse und zigtausend Sterne. Draussen zu duschen, wenn über dir die Sterne nur so funkeln, das ist einfach Magie pur. 

Ende!

Nein, wir sind noch lange nicht am Ende. Aber mit leichtem Muskelkater vom dreistündigen, steilen Abstieg ging es für uns weiter ins Städtchen Ende. Dort versprach man Johann eine SIM-Karte, mir einen Cappucino, Sven ein WiFi und Sophie, mh, Sophie wollte eigentlich nur endlich wieder heiss duschen (Auch in Maumere gab’s kein heiss Wasser). Doch darauf mussten wir uns aber noch ein Weilchen gedulden. In Moni warteten wir also wie die Locals am Strassenrand darauf, dass ein Büssli mit echli Platz an uns vorbeidüste bzw. noch besser, für uns anhielt. In der Tat ist das auch relativ schnell passiert und wir sicherten uns eine Fahrt nach Ende. Sophie, Johann und ich zuhinterst, Sven auf einer Art „gepolstertem Schämeli ohni Halt“ neben drei Locals und vorne nochmals ein paar Locals und die offene Türe.

Im Abstand von 30 Minuten verloren wir immer mal wieder Material, das eigentlich auf unser Dach gebunden war. Dieses Material wurde anschliessend vor Sven’s Füsse gepappt, wodurch sich sein Bewegungsfreiraum noch mehr eingrenzte. In Ende angekommen, waren wir froh, uns endlich wieder körperlich entfalten zu können. Ziel war, das Moccha Café. Wir waren überrascht, wie modern der Laden daher kam und ich trank gleich zwei Cappucino. Gad d Reserve müesse uffülle, wänni schomal chan.

Nachdem alle ihre To Do’s abgehackt hatten, schnappten wir uns einen Fahrer nach Bajawa. Doch bevor ich euch von Bajawa erzähle, hier noch ein paar wenige Bilder aus Moni und Co. 😉

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Kleine Büssli Situation, während laufend Material vom Dach flog
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Bemo Bus mit seitlicher Bank 😉
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Tempe Satay mit Erdnuss Sauce – ich bin im Himmel
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Grabsteine ganz „dezent“ vor dem Haus
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Etwas Wetterpech bei den Kraterseen
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Aussicht beim Abstieg von Kelimutu
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Sternenhimmel (by Sven)

 

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1 Kommentar zu „Flores Roadtrip Teil 2 #Indo“

  1. Wie immer, mega schöni Bilder! Uuund – s Shantaram Buech isch würklich immer irgendwo vo öpperem/mit öpperem uf ere Reis debi :)(: 👌🏽

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