Begegnungen #Patagonia

Hola amigos! Heute gibts viel Text! Ein Thema, das Sven und mich immer wieder beschäftigt, ist: Wenn man zu zweit reist, lernt man einfach weniger Menschen kennen. Und dann kam die Sache mit dem „im Auto reisen“ dazu und ich (oder wir) waren uns nicht so sicher, wie toll wir das finden. Irgendwann wird die Luft halt echli eng und wir zwei sind sowieso mehr oder weniger bekannt dafür, uns immer mal wieder auf die Nerven zu gehen.

Trotzdem schafften wir es immer wieder, spannende Menschen kennenzulernen. Beispielsweise in Cordoba einen mega speziellen Italiener, dessen Ziel es war: Alle Länder der Welt gemäss UN Liste zu bereisen. Sven natürlich gleich: „Oh what? blablablabla…“ Der Typ war echt schon in über 150 Ländern. Das muss man sich mal vorstellen. Ich wusste gar nicht, in wie vielen ich schon war und wir alle mussten kurz zählen und tata: Bei mir sinds 34 Länder, die ich bereist hab. Stopover am Flughafen zählt natürlich nicht. Das sind tatsächlich brutal wenige im Verhältnis zu was es da alles noch zu sehen gibt! Aber ich muss sagen, diese Nummer bedeutet mir auch herzlich wenig. Es geht nicht um die Anzahl, sondern um die Begegnungen. Und der Italiener, der war mir wirklich gar nicht sympathisch, muss ich ehrlich zugeben. Ich hab ihn dann auch gefragt, ob er sich überhaupt noch freue und ob er es stets geniesse und er meinte: Nein, gewisse Länder geniesse er gar nicht. Er möchte einfach da hin, damit er das Land abhacken kann und irgendwann alle Länder im Pass stehen hat. Da kann ich nur ein bisschen die Augen verdrehen, könnte man sein privilegiertes Leben (er war Anwalt in London, Hongkong und New York) ja auch ein bisschen sinnvoller nutzen, als Länder abzustempeln, auf die man gar keinen Bock hat. Und stur um die Welt zu fliegen, um teilweise nur 4 Tage in einem Land zu verbringen. Wie viel man da von der Kultur, der Vielfalt und dem Charakter von Land und Leute mitkriegen kann, mag ich zu hinterfragen. Ich schrieb mir jedenfalls hinter die Ohren, dass ich mir meinem privilegierten Leben zur Zeit sehr sehr fest bewusst bin und jeden Moment schätze und geniesse. Etwas wie emotionsloses Abstempeln von Ländern kommt mir definitiv nicht in den Sinn und wenn, dann erinnert mich daran und ich suche mir schnellst möglich irgendwo Job und Wohnung und Alltag, um diese Freiheit wieder schätzen zu können.

Nun, jetzt sind wir ja im Auto unterwegs und wie schaffen wir es jetzt, Leute kennenzulernen und gute Gespräche zu führen? Indem man Hitchhiker auflädt! Genau, Leute, die am Strassenrand den Daumen hochheben und eine Mitfahrgelegenheit suchen. Unsere ersten waren zwei Ladies aus Santiago de Chile, superherzig und quasslig. Dann eine Deutsche Backpackerin und dann für einen kurzen Shuttle nochmals zwei Chilenen. Und dann für etwa drei Stunden hatten wir einen Deutschen und zwei Jungs aus Argentinien inkl. deren ganzen Krempel auf dem Rücksitz. Ich habe genau gar nicht mehr aus dem Rückfenster rausgesehen, aber diesen Nachmittag hätte ich auf keinen Fall missen wollen. Interessante Gespräche, spannende Leben und definitiv dankbare Reisende. In Villa Manihuales angekommen gabs, traditionell argentinisch, eine Runde Maté (den trinkt man, indem man den Tee Becher mit Metall-Strohhalm in der Runde herumreicht) und wir quatschten noch ein gutes Stündchen weiter. Richtig herzig!

Später haben wir auch noch zwei Irländer kennengelernt, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Ehemalige bzw. nach wie vor Banker, teils in Zürich und Kopenhagen gelebt, waren sie einst Arbeitskollegen und verreisen immer mal wieder zusammen in die Fahrradferien. Natürlich gabs wieder spannende Gespräche, auch über verschiedene Lebensstile und inspirierende Referentner und redner. Fahrradurlauber sehen wir hier besonders viele. Respekt, bei geschätzt 200 kmh Wind reissts mir manchmal schon fast das Steuerrad aus der Hand. Diese armen Velofahrer dann zu sehen, wie sie ihr Velo und eine Tonne Gepäck im Gegenwind stossen müssen, ohje. Tut mir so leid! Aber hey, irgenwie au selber Schuld, wer sich freiwillig auf eine solche Tortur einlässt…;-) Nein Scherz, Respekt!!!

Im Parque Patagonia gesellte sich dann der Ranger Thomas zu uns, auch mit ihm teilten wir einen Maté, unseren ZNacht und später auch noch etwas Tee. Einst studierte er Kunst, dann Geschichte und später Biologie & Statistik. Jetzt arbeitete er seit zwei Jahren als Ranger, teils im Torres del Paine Park, teils im Parque Patagonia. Manchmal sei’s einsam, manchmal ist viel los. Mal musste er mit ultraschwerem Wassertank auf dem Rücken einen Waldbrand löschen und mal verbrachte er eine Nacht mucksmäuschen still mit Feldstecher und Maté auf dem Dach unseres Unterstands, um die Pumas zu beobachten. Jap, Geschichten gibts viele zu erzählen, von all den Menschen, die man unterwegs so trifft. Eines kann ich euch sagen: Die meisten haben etwas tolles zu erzählen 😉

So beispielsweise auch ein holländisches Päärchen mittleren Alters. Sven und ich fuhren mit Ach und Krach von Chile nach Argentinien, über das absolute Niemandsland. Irgendwann sehe ich im Rückspiegel ein Auto. Weit weg. Geschätzt 15 Sekunden später hockt mir die Karre fast auf dem Rücksitz. WTF sind denn das fürig?! Dann sehe ich das Nummernschild: Gelb, Europäisch. Holländer! Sven schaut nach hinten und zack ist der Truck schon vorbeigeschossen. Ehhhh nei, wie schnäll fahret die!? Ich war schon mit über 75 auf der schottrigen Landstrasse unterwegs und die Guten sind nur so geflogen. Ich so: „Waren das junge Leute!?“ Sven: „Nope, eher 50+ und so bisschen spiessig mit Hemd und Markenjäggli. Sahen ziemlich langweilig aus.“

Dann iiiiirgendwann schaffen wirs zum „Highway“, mit genau einer Tankstelle und einem Kiosk und 5 Geisterhäuschen. Dort steht das Auto: Ein umgebauter Toyota 4Runner mit aufklappbarer Kabine hintendrauf. uuuuhuueeeere geil!!!!! Die Lady davor: Etwa 58, hübsch geschminkt und hübsch gekleidet. Sven auf Mission: „Ich geh jetzt mit der Holländerin quatschen, mal schauen was das für welche sind…“ Als ich wieder aus dem Kiosk rauskomme, herrscht schon ein riesen Gelächter. Das Ehepaar ist definitiv aus gutem Haus, säb isch klar. Die Lieben besitzen diesen Van seit 4,5 Jahren, fuhren durch halb Afrika und besitzen zuhause noch ein Haus und einen zweiten Wohnwagen. Den Toyota haben sie umgebaut gekauft und es ist echt ein kleines Hüsli auf Rädern. EN TRAUM! Dass der elegante, charmante Herr mit etwa 120 kmh auf der katastrophalen Strasse an mir vorbeigeschossen ist, kann ich mir fast nicht vorstellen. Sie sind oberherzig, mega lustig und sind natürlich mit allen Camper-Wassern gewaschen. Ein paar Minuten später gesellt sich noch ein zweites holländisches Päärchen dazu. Auch sie kannten das Ehepaar bereits, mussten sie von ihnen nämlich „beinahe“ aus einem Wasserloch rausgezogen werden. LOL. Schlussendlich gesellten wir uns alle zusammen und verbrachten die Nacht beim selben Stellplatz von Juan Carlos, einem lokalen Notfallsanitäter. Jep, just in case. hahaha. Das Ehepaar hatte sogar richtig bequeme Garten-Stühle dabei und uns diese angeboten, da Sven und ich meist auf unserem Picknick-Deckeli kochen und essen müssen 😉 Iiiiirgendjemand hat beim Möbelkauf nämlich rebelliert: Nei, das isch ztüür, mir hend ke Platz und Stüehl und en Tisch bruchemer sowieso nöd, das isch too much…. Jap, falsch gedacht, Corina. Nach bald drei Wochen muss ich zugeben: Ich beneide jeden mit Stühlen und Tischli. Damn it!

(und ja, ich verstehe Holländisch lustigerweise recht gut und es reicht meistens, wenn alle Holländisch quatschen und ich in English mitrede 🙂 )

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the dutchies united.
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hitchhiker inklusive 3x Campingusrüschtig-Invasion i eusem Auto =)
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