Flüsse, Sehen und der Weltuntergang #Patagonia

Wir erreichen also nach ewiger Fahrt und dem Hike auf den Cerro Castillo endlich endlich den „Stellplatz“ am Fluss. Neben uns ein paar Velofahrer, die unterwegs garantiert eine Tonne Sand essen mussten. Ihr Armä! Kurz geparkt und dann gibts nur eins: Duschen! Und mit Duschen meine ich: Sich Hals über Kopf in den Gletscherfluss zu stürzen. Scherz. Aber fast! Es gab keine Ausrede, denn wir sind beinahe schwarz, sooo viele verschiedene Dreckschichten kleben uns im Gesicht, an den Armen und an den Beinen.

Zwei Velofahrerherren sind bereits mit vollstem Einsatz daran, im Fluss zu baden. Sieh so einfach aus! Ich muss hier auch mal sagen: Allgemeine Hemmungen haben wir längst hinter uns gelassen – ich wohl letztes Jahr in Myanmar, als ich auf der Dreitageswanderung mit einem Plastikbecher aus dem Brunnen duschen musste und mein Kopf und Schultern dabei aus dem Brunnenrand rausschauten und ich mit ganzem Herzen hoffte, dass kein streng religiöser Nachbar um die Ecke kommt. Hier in Patagonien ist es regelrecht üblich, dass man jegliche Art von Outdoorreisendem dabei erwischt, sich in den klaren Wassern zu reinigen. Wenn einer mit Seife, Sandalden, Tüechli um die Hüfte aber mit dickem Wollpulli gegen die Kälte eingepackt ankommt, schaut keiner mehr schräg. Überhaupt schaut keiner, es sitzen alle im gleichen Boot. Ich munitioniere also meine Dr. Bronner Seife (absolute Empfehlung!!), die Teva-Sandalen – in denen ich eh lebe (oft mit Socken, schlimm gäll! Aber hey: No fcks given!) – damit man auf den schlieferigen Steinen nicht ausrutscht und dem Tüechli um den Körper und breche auf in die Eisfluten. Sven neben mir hat die Outdoorduschen bisher vermieden und auf Babyreinigungstücher vertraut. Schon als sein Zeh das Wasser berührt, ruft er laut lachend: „I AM TOO MUCH OF A PRINCESS FOR THIS!!!!“ Wir lachen uns einen ab, bis mir halbwegs die Organe einfrieren. Ohhhh shiiiit, mach schnell schnell schnell! Wo isch d Seife? Omg verlür si nöd! Fuuuu es isch chalt! Aahh ich gspür mini Füss nümm! Es wird fleissig geseift, geschaut, dass das Tüechli nicht nass wird und dass primär ich nicht all den Velo- und Autofahrern (plötzlich hocken die Typen gefühlt überall!!!) an der Strasse oben einen Show darbiete. Isch imfall schwieriger, als mer denkt. Soweit so sauber, doch eines müssen wir beide zugeben: Die Haare hier zu waschen, dass ist dann doch eine Nummer zu viel. Das Wasser ist so kalt, man hätte einen instant-brainfreeze. Nei merci. Andersmal!

Anschliessend gibts leckeres Chili sin Carne à la Sven (mein neues Lieblingsessen) und mehr oder weniger entspannten Schlaf. Am nächsten Tag heissts auf ein Neues: Auf in den Fluss, dieses Mal zum Wäschewaschen! Dank dem Sea to Summit biodegradable detergent geht das auch ganz ohne ökologische Sorgen. Ein bisschen Yoga und ein bisschen lesen später, gehts weiter auf dem Roadtrippli: Next Stop Puerto Rio Tranquillo!

Das Dorf liegt am rieesigen Lago General Carrera und ist wirklich ein reiner Touripunkt. Nix wahnsinniges, aber wir kamen hierher aufgrund der Marble Caves und dem Gletscher San Rafael. Und der Tankstelle! Ha! Die Fahrt nach Chile Chico war wie immer wunderschön aber mühsam, da stets Kieswege, mal tief, mal oberflächlich.  Schlussendlich haben wir den Gletscher nicht besucht, da 150 Stutz. Ehm nei thanks. Die Marble Caves auch nicht, da wir überall so viele Fotos davon sahen, dass wir sagen mussten: Ist jetzt auch keine Überraschung mehr lol. Und tanken konnten wir auch nicht, da sie hier seit Wochen offenbar nur Diesel hatten. Na bravo. Wir campen stattdessen direkt am Strand und treffen per Zufall noch auf den deutschen Hitchhiker Daniel, den wir damals mit den zwei Argentiniern über den Pass gefahren haben. Ein Weinchen später (Sven und ich trinken aus unserer Dopper-Flasche, drum muss der Daniel aus einem leeren Honigglas trinken, welches wir aufbewart haben!) noch den rosa Sonnenuntergang geniessen und dann schön schlafen, bevors am anderen Morgen einen Ausflug zum Lago Tranquillo und einen Kafi in meinem neuen „reusable Coffemug“ gibt. Richtig guter Kaffee ist manchmal schwierig, deshalb ist das Freudentänzli umso grösser, wenn ich eine gute Roastery finde! Und umso happier, wenn ich den Kafi aufgrund meines Cups sogar etwas günstiger bekomme! Yeih!

Die Fahrt führt dann ewigewig vorbei an blauen Seen, Flüssen und noch mehr Flüssen. Sogar eine Confluenzia, wo zwei verschiedenfarbene Flüsse zusammenfliessen. Einst wären hier beinahe Staudämme gebaut worden, die an erster Stelle die wahnsinnige Natur und das Leben der Lokalbevölkerung aber wohl auch den Tourismus als Einnahmequelle gekillt hätten. Thanks god, können wir diese Pracht heute ohne Staudamm bewundern.

Doch dann erspähen wir am Himmel eine brandschwarze Wolke. Sven so: „Da bricht en Vulkan us!!!“ Ich: „häts denn do überhaupt no Vulkän?!“ Wir kurz am Map studieren. Kein Vulkan weit und breit. Mhhh. WTF?! Die Fahrt Richtung Cochrane führt uns immer näher zu der schwarzen Wolke, die mittlerweile auch einen teuflischen Rotorange-Stich aufweist. Was zur Höll?! Kurz vor Cochrane ist das Spektakel am Himmel dann endgültig crazy!!! Wältuntergang oder was?!

In Cochrane angekommen sichten wir die Armee und die Feuerwehr und hüpfen ins nächste Café um uns zu informieren. Des Räsels Lösung: Waldbrände. Sehr nah, Alarmstufe Rot. Sei aber üblich hier, da die Sommer sehr heiss und trocken sein können. Wir seien in Sicherheit, aber die Rauchwolke war doch irgendwie gruslig. Geschlafen haben wir im Stadtpark. Also, wir parkieren am Randstein des Stadtpärklis und können darum nicht outdoor-kochen. Stattdessen gibts eine mehr oder weniger öffentliche (gemäss Sven halbwegs peinliche) Yogastunde und zum ersten Mal externen zNacht: Vegi-Sushi mit Avocadofrischkäse für mich (jap, wennschon dennschon) und einen Burger (10%-Fleischtag) für Sven. War sensationell! Dazu eine 50 Rappen Weintüte aus dem Supermarkt. Fancy hüt!

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isch imfall besser, alses usgseht.

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Wältuntergang im Hintergrund.
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