„Parque Patagonia“ & Doug who?

Morgens in Cochrane habe ich meinen letzten Kaffee für ein Weilchen aufgeladen – denn es ging auf in den nächsten Nationalpark und anschliessend über die Grenze nach Argentinien! Aber eis ums andere. Der herzige, uralte Kaffeemacher-Herr nahm sich glücklicherweise so lange Zeit, meinen Kaffee perfekt aufzuschäumen und zu dekorieren, dass ich mich auf der Toilette sogar stundenlang frischmachen konnte, ohne dass es irgendwem auffiel JSpäter fragte er – Standardfrage Nr 1. – woher wir denn kommen und – Standardfrage Nr. 2 – wohin wir gehen. Als wir erklärten, dass wir zum Parque Patagonia aufbrechen, beginnt der Herr zu strahlen.

Ich verstehe (wie so oft) nur die Hälfte, aber es gibt da wohl ein Museum, dass so gut sei, wie Museen in Europa. „Modernsti Technologie und s beste, viellicht s beste in ganz Chile!“ Mhhh, hani das ächt richtig verstande?! Es Museum im Nationalpark? Sust hend die Nationalpärk ja amel gnau nüt – wenns höch chunnt es öffentlichs WC ohni Papier. Well, wir fahren also los in Richtung Nationalpark mit dem Ziel, eine Nacht auf einem Campingplatz mit (Achtung, Achtung) HEISSEN DUSCHEN zu verbringen. Die letzte Dusche ist nämlich 4 Nächte her, auf dem Camping vom Maté-Spanier! Und inzwischen wanderten wir ja und badeten im Fluss. Yes! Die Freude und Notwendigkeit sind also – ihr könnts euch vorstellen – riesig. Ich halte die Seife beim Losfahren schon mal griffbereit.

Unterwegs wird die Landschaft, nach wie vor trocken, immer spektakulärer. Plötzlich befinden wir uns mitten in einer Guanaco-Kolonie! Die Tiere, die zu den Lamas gehören, sind hier in Patagonien ultra-einheimisch. Der erste Fotostopp folgt bestimmt und so auch Stopp Nr. 2 und Nr 3. Bis wir dann plötzlich einige Gebäude sehen. Dies sei das Besucherzentrum und dort befindet sich auch das Museum. Also los, vamos! An zig Guanacos vorbei gehe ich null vorbereitet ins Museum rein und was dann passiert, ja, das wird wohl in die Geschichte eingehen. Zumindest in meine.

Douglas Tompkins

Doug who? Känneter? Schonmal gehört? Nun, ich weiss gar nicht, wo ich hier wieder anfangen soll. Mir war Tompkins ein entfernter Begriff, da wir uns über Patagonien informierten und dort kürzlich die Ruta de los Parques mit 17 Nationalparks „veröffentlich“ wurde – und dabei sei er wohl aktiver Mitgestalter gewesen. Aber dazu ein anderesmal mehr. Dieser Douglas Tompkins, alias Doug, war ein wahnsinniger Outdoorliebhaber. Klettern stand hoch im Programm, so war er ein Pionier in Patagoniens Klettergeschichte. Gemeinsam mit seinem guten Freund Yvon Choiunard reiste er in den 1960er Jahren in einem kleinen VW Bus von den Staaten nach Patagonien, um zu surfen und zu klettern. Doch das ist nicht alles. Doug war ursprünglich auch der Gründer der Marken North Face und Esprit. Nachdem er sich von seiner ersten Frau hat scheidenlassen, verkaufte er auch seine Anteile an den Riesenkonzernen. Mit seiner zweiten Frau, Kris, widmete er sich ganz der Natur. Patagonien war und blieb sein wohl liebster Teil der Erde, doch dort haben sich in den letzten Jahren und auch Jahrhunderten tragische Entwicklungen abgezeichnet. Die Gauchokultur hat mit den Kühen und Pferden viel Land für eine wahnsinnige Artenvielfalt an Pflanzen abgegrast und somit auch Lebensraum für eine Vielzahl an wilden Tieren reduziert. Diverse Tierbestände reduzierten sich und auch die wirtschaftlichen Interessen von Konzernen im Bereich Staudämme & Co. wollten immer wieder in die Natur eingreifen. Was dann eine wohl absolute Pionieridee war und was mich ab der ersten Sekunde faszinierte ist, – jetzt haltet euch fest – dass Doug und Kris beschlossen haben, riesige Teile Patagoniens zu kaufen. Ja, eine Privatperson kauft mit dem eigenen Vermögen das Land. Klingt nach modernstem Kolonialismus der Superreichen. Jap das tuets. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.

Über die letzten Jahrzehnte hinweg widmeten die beiden ihren Lebensinhalt „Patagonien“. Gemeinsam mit hunderten von Freiwilligen und Experten und der Lokalbevölkerung, nahmen sie sich das Ziel, die Nationalparks zurück auf ihren natürlichen Standard zu bringen. Dadurch brauchte es vor allem die Mitarbeit der Gauchos, welche nun alle als Parkranger eingespannt werden und nicht mehr herdenweise Pferde über die Felder jagen. Keine Einzäunungen von Land, keine Eingriff durch den Mensch, pure Rehabilitation. Gezielte Wanderwege und einige Campingplatz, als „Opfergabe“ an die Menschen, der Rest gehört den Tieren und den Pflanzen. Das Ganze begann mit einem Park im Norden und der letzte, „fertiggestellte“ Park war der Parque Patagonia. Natürlich wird bereits an anderen Projekten weitergearbeitet, doch das ist nur die halbe Geschichte.

Der Knaller ist nämlich:Nach Fertigstellung von jedem Nationalpark, wurde das Resultat der chilenischen Regierung geschenkt. Mit der Verpflichtung, dass die Parks aufrechterhalten werden und dass es öffentlich, für jedermann zugänglich bleibt. Keine Hotels, keine Resorts und keine Art von Rohstoffgewinnung, Wirtschaft etc.

Da chasch nümm. Oder!? Ein Millionär kauft Land, rehabilitiert es und schenkt es der Regierung des Landes. Da fliesst bei mir schon fast ein Tränchen. Doch darum ging es im Museum eigentlich gar nicht, diese Facts haben wir uns eher durch anschliessende und vorausgehende Recherchen und Dokumentationen zusammengeholt. Das Museum selbst war nochmals eine andere Hausnummer. Nämlich zeigt es einerseits die Geschichte Patagoniens auf. Die indigenen Völker, die hier einst lebten, und wie Thomas Bridges Ushuaia gründete und das Missionieren aufgab. Ultraspannende Facts. Auch, dass in Patagonien einst Dinosaurier lebten und so weiter und so fort. Die Gestaltung des Museums ist wirklich eindrücklich, selbst ich verlor mein Interesse nicht, was sonst oft der Fall ist.

Komplett fasziniert war ich dann in der letzten Abteilung: Die Menschheit heute und Patagonien / die Welt. Natürlich waren Themen wie Konsumgesellschaft, Abfall, Klimawandel, Kapitalismus und die Explosion der Bevölkerungszahl und der entsprechende Ressourcenbedarf /-verbrauch essentielle Themen. Es gab eine Grafik, die mir dann den absoluten Rest gab. Nämlich konnte man einen Hebel von 1900 bis 2100 schieben. Pro Jahr leuchteten hell auf, welche Arten an Tieren leben. Stirbt eine Tierart aus, erlöscht das Licht. Wenn wir so weitermachen wie bis anhin, konnte man pro Jahr sehen, welche Tiere na dis na aussterben werden. Bis es irgendwann einfach schwarz war. Der Schock und Schmerz sitzt noch immer tief.

Der Rest war alles wirklich wahnsinnig spannend und zugleich herzzerbrechend. Die Informationen waren sehr, sehr umfangreich und auch für mich nochmals ein Stich ins Herz, obwohl mir vieles schon bekannt war. Ich kam aus dem Museum raus, sah die Guanacos rumhüpfen, die dank dem Nationalpark wieder viel mehr geworden sind, und sägemers so: Han mal e Rundi richtig, heftig losglätschet. WaszurHöllmachetmireigentlich!? Auch Sven kam raus, zutiefst erschüttert und auch halbwegs geröteten Augen. Dann noch zwei andere Typen mit Tränen in den Augen. Ich glaub überhaupt kein Auge blieb hier trocken.

PS. Auch Dougs Freund, Yvon Chouinard, unterstützte die Arbeiten. Er ist der Gründer der Outdoor-Marke Patagonia 😉 Doug verstarb vor wenigen Jahren bei einem Kayak-Unfall in den kalten Wassern Patagoniens an Unterkühlung. Seine Frau Kris ist bis heute aktiv, verschiedene Parks zu rehabilitieren. Sie war im Park, als wir da waren, aber wir haben sie leider nicht getroffen.

PS2. Da es paar Fotis, woni aber meh usem „Notizgrund“ für mini Artikel gmacht han, als dass si d Usmass vom Museum würdet repräsentiere 😉 S Musem isch es MUSS! UND DE WAHNSINN!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAIMG_20190206_114924IMG_20190206_115034IMG_20190206_115024

IMG_20190206_120653IMG_20190206_115001IMG_20190206_114950IMG_20190206_114038IMG_20190206_114106IMG_20190206_114300PANO_20190206_115344

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s