Auf zu den Pumas! Oder doch nöd? #Patagonia

Auf dem Campingplatz im Parque Patagonia angekommen, bläst uns der Wind fast weg und die schwarzen Wolken sind au echli gruslig. Die eigentlich geplante Wanderung fällt ins Wasser – oder in den Wind, in den Regen, in die unberechenbaren Wetterschwankungen Patagoniens – und ich mache stattdessen etwas Yoga in den herzigen Holzhüsli, die für die Camper bereitstehen. Übrigens ist auch der Duschraum ultrastylisch ausgestattet. WIE GEIL! Dann kommt der Ranger vorbei und stellt sich vor. Thomas. Hola. Ich quatsche eine gefühlte Ewigkeit mit ihm, während Sven irgendwas deichselt. Dann bittet er mich, in seinen Wohnwagon zu kommen, um „Abfalllösungen“ abzuholen. Was gnau meinsch ez? „Die Gäste sollen Plastikabfälle sammeln und hier reinfüllen“, meint er und zeigt mir eine PET Flasche. Ich, als alte Eco-Brick-Expertin (Scherz) natürlich gad: „Baust du ein Earthship?!“ Und er „JAA! Blablablablabla“ Ich sammle natürlich herzlich gern Plastik für ihn, doch haben wir beinahe keinen Abfall, da wir wenn immer möglich pures Gemüse kaufen und manchmal sogar in Zero Waste Shops (JAAA das gits do imfall!!!Natürli nöd überall….) vorbeischauen und dann in wiederverschliessbaren Zip-Loc Bags aufbewahren!

Nun, etwas später kommt Thomas wieder und fragt, ob wir eine Runde Maté trinken wollen. Das darf man sich nie entgehen lassen! Er lädt uns zum Maté ein und wir ihn zum zNacht. Linsen mit Bohnen und einer Tonne Gemüse à la Gourmet-Sven. Ich versuche Sven allgemein seit Tagen zu überzeugen, dass er an einem Kochbuch arbeiten soll. Denn ich bleibe sprachlos, wie er mit den immergleichen, sehr beschränkten Zutaten jeden Abend etwas anderes und anders schmeckendes kochen kann. WTF! Und der Herr isst würzig, das muss man auch festhalten. Ich mittlerweile auch. Muss sagen, kulinarisch sind meine Ansprüche in diesem Asien-Jahr sowie auf Reisen mit Sven also massiv gestiegen. Eieiei, debi chani sälber no immer nöd würklich guet choche =P

Egal, wir essen und trinken Maté und man muss schon sagen, dieser Thomas ist ein spannender Vogel: Seit mehreren Jahren arbeitet er als Ranger. Eigentlich hatte er aber Kunst studiert, ist Lehrer. Doch damit finde man keinen guten Job, darum habe er noch einen Master in Biologie und ein Diplom in Biostatistik abgeschlossen. Nun ist es Ranger, zuerst im Park Torres del Paine, jetzt im Parque Patagonia. Er ist kritisch, ob die Regierung Chiles die Qualität des Parks aufrecht erhalten kann, ob so viel Herzblut wie von den Tompkins’ reingesteckt wird oder ob der Park irgendwann vielleicht doch verkauft würde. Er selbst besitzt Land an den Parkgrenzen und möchte dort ein Eco-Tourism aufbauen. Ein Earthship, ein selbstversorgendes Häuschen. Er selbst durfte aber im Museum mitarbeiten. Per Zufall, so habe er beim Lesen eines Buches über „die Menschheit“ die Aufmerksamkeit eines Herren auf sich gezogen, der, wie es sich später herausstellte, die Leitung der Museumsgestaltung übernehmen sollte. Was für ein spannendes Projekt!

Als die Sonne unterging, meinte Thomas: „Jetzt ist Puma-Zeit! Kommt!“ und wir spazierten über einen kleinen Hügel und er zeigte uns, wo er überall schon Pumas sah. Ich etwas gestresst, muss ich diesen Puma nun wirklich nicht bei einbrechender Dunkelheit sehen. WTF. Wir erreichten seinen Wohnwagen und genossen noch etwas Tee. Dann eskalierten die Diskussionen komplett. Sven, der wirklich den allergrössten Fundus an nützem und unnützem Wissen besitzt, (ja da bini immer wieder überrascht) und Thomas diskutierten die Spähren der schwarzen Löcher im All, dass dort in der Tat eine bewiesene Teleportation stattfand, die Spiritualität von XYZ und Hirnregionen, die durch das südamerikanische Kraut San Pedro aktiviert werden und Kritik zum überall gehypten Ayahuasca und durchforsteten gleichzeitig fast ein ganzes Biologiebuch mit Zeichnungen von all den Tieren und Pflanzen in Chile und Argentinien. Mir fällt fast das Hirn auf den Tisch.

Etwas haben wir wohl alle gemeinsam: So viel Zeit, uns für Mögliches und Unmögliches zu interessieren. Ein Privileg. Etwas, das ich während meinem Berufsalltag nicht hatte. Jeden Tag schnappt man irgendwo irgendwas auf, hört zahlreiche Podcasts in den endlosen Bus- oder Autofahrten zu irgendwelchen Random-Themen. Und plötzlich schliesst sich der Kreis. Plötzlich sitzt man mit einem bis vor kurzem wildfremden Ranger zusammen, trinkt Tee und hat jede Menge Gesprächsstoff.

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