Bordercrossing #1 #Patagonia

Heute ist es soweit – zum ersten Mal überfahren wir eine Grenze mit unserem Mietwagen. Im Vorfeld mussten da natürlich auch die richtigen Papiere beantragt und – oh Wunder – einen guten Batzen für die Berechtigungen bezahlt werden. So brechen wir also auf, morgens im Parque Patagonia. Eigentlich wollten wir noch etwas Wandern gehen, sind dann aber irgendwie doch zu spät dran und überhaupt bin ich etwas gestresst. Jeder sagte mir, wie SCHLECHT die Strassen in Argentinien werden. Und wir forderns natürlich wiedermal raus: Eigentlich wollten wir nämlich bei Chile Chico über die Grenze, wie jeder andere Tourist. Doch dann empfahl uns der Herr beim Camping (jap, der tanzende) im Valley Simpson, dass die Route südlich durch den Parque Patagonia wunderschön sei und viel weniger Leute als bei Chile Chico über diese Grenze fahren würden. Wir müssten also sicher nicht warten etc., aber die Landschaft, ja die Landschaft, die sei einfach die beste in Patagonien. OK. Also guet. Sold!

In einem Kafi in Cochrane habe ich dann aber per Zufall eine Map entdeckt, auf der die Strassen in verschiedenen Farben markiert waren. Und mit Schrecken stellte ich fest: Unsere Strasse, die wir eigentlich fahren wollten, war weder „Pavimento“ (Geteert (was ich schon seit TAGEN nicht mehr gesehen hatte), aber auch nicht die übliche Ripio (Kiesweg / Steinig / lose) sondern irgendwas noch Abbruchartigeres. OH MANN. Kurz bei iOverlander reingeschaut und Erfahrungsberichte von anderen Reisenden gelesen. Offenbar ist die Strasse, die wir nehmen wollten, „von einem unüberquerbaren Wasserloch“ blockiert. LOL. Not. funny. Wir lesen dann weitere Erfahrungen und entscheiden uns, dass die 39 unsere Route sei. 39. Ok. Aber diesem Moment habe ich jede mögliche Person gefragt, ob er wisse, in welchem Zustand die 39 sei. Und die Antwort war: Ach, sobald ihr über die Grenze fährt, sind alle Strasse in Argentinien schrecklich. Oh boy..

Morgens im Parque Patagonia blieb mir aber schon das Herz stehen, als wir eigentlich noch zu einem kleinen Trail Head fahren wollten und ich dann mitten im Buschland auf einem winzigen Sandwegli in einem kleinen Steilhang nicht mehr vorwärts kam. Die Rädli dreihen durch. Ich gestresst, Sven entspannt. „Nimm nomal Alauf!“ „Nei, ich chan nöd Alauf näh und dobe denn nöd um de Egge möge…“ „Mol, imfall, kes Problem“. Jap. Sven, der keinen Fahrausweis hat, sieht die Sache entspannt. ISCH JA KLAR. Je entspannter er ist, desto mehr nervts mich. ICH CHAN DA NÖD UFEFAHRE. Unser schwacher Zweiradantrieb und der tiefe Bau des Autos sind gar nicht hilfreich. Auch beim zweiten Anlauf klappts nicht, wir müssen umkehren. Nur wie? Ewiges milimeterlen später konnten wir das Auto umdrehen, ohne dass die Pflanzen und Büsche rund herum allergrössten Schaden davontragen. Scheint, dass wir nicht die ersten waren, die hier nicht mehr weiterkamen..

Ehrlichgesagt, lagen meine Nerven in Bezug aufs Autofahren schon seit gestern Abend blank. Denn die „Einfahrt“ zum Camping ist eine ultrasteile Kiesstrasse. Aber mit wirklich grossen Steinen. Und alles lose und tief. Beim Runterfahren sind wir schon flott geschliefert und ich wollte bereits losheulen, beim Gedanken daran, wie zur Hölle wir da jeeemaaaals wider hochkommen sollen. Und nun startete der Tag schon mit einer dummen Fahrsituation, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, während ich mich eigentlich schon seit Stunden sorgte, wie wir diesen Camping je wieder verlassen können…

Kurze Lagebesprechung vor dem Steilhang und wir sind uns einig: Das geht nur mit Anlauf. Ich hole also Anlauf und schiesse – ohne ein einziges mal zu bremsen – den Berg hoch. Halt oder Kontrolle haben wir längst keinen mehr, das Auto schwimmt mal rechts mal links auf den Steinen. Ich am Gegenlenken, Sven wahrscheinlich am Stossgebete senden. Wir sind beide mucksmäuschen still, bis wir am Ende des Hangs mit einem Ruck über den Grat schiessen und wieder normaleren Boden unter den Rädern haben. Ich muss kurz atmen und dann lachen wir uns etwa 5 Minuten kaputt. Wieso. hämmer. ken. 4×4. gmietet?!?!?!!??!?! 

Die anschliessende Fahrt belohnt uns aber insofern, dass wir alle 5 Minuten anhalten, um Fotos zu schiessen. Was für eine Landschaft. Sind wir auf dem Mond? Oder in den Nationalparks der USA? Yellowstone? Holy guacamole! Wir sehen mehr Guanacos, Nandus, die Vögel und auch diverse Skelette. Der Puma frisst hier, ganz klar. Dann folgt bald die erste Grenze, die Papiere werden gecheckt und keiner verschwendet einen Blick in unser Auto. Läuft. Noch kurz gefragt, welche Strasse denn besser sei und der Herr meint auch: 39. Aber in Argentinien, uuiiii diese Strassen, die sind schlecht. Ah well, das wüssemer ez au fängs… Ciao Chile!

Ein paar Kilometer weiter die argentinische Grenze. Papiere? Alles gut. Zwei Sekunden Inspektion des Autos. Primär gehts darum, dass man keine Früchte, Gemüse, Milch oder Honig einführen darf. Honig haben wir versteckt, Gemüse haben wir nur noch ein paar Knobli und Zwiebeln. Den Kollegen interessierts wenig, einen Blick in den Kofferraum (mehr fürs Alibi als für etwas anderes) später können wir schon weiterfahren. Check! Gracias ciaaaaoooooo! Schnäll wäg do.

Die Landschaft blieb dann STUN-DEN-LANG traumhaft schön und menschenleer. Und die Strassen? Naja, ganz ehrlich: Bis lang genau gleich Kacke wie in Chile. Sorry Chile! Mal ein bisschen Waschbrett, mal ein paar Löcher, aber nichts neues. Die Kieswege scheinen kein Ende zu nehmen. Es bleibt einsam, bis wir irgendwann von der crazy rasenden Holländern überholt wurden und den Abend dann im Geisterstädtchen mit holländischer Camping-Gesellschaft ausklingen liessen…

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wind wind wind

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Geisterdorf in Argentinie
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Tankstell im Geisterdorf

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Bye Chile!
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Hola Argentinia!
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