San Pedro de Atacama #Chile

Mein Trip im Norden beginnt in Calama. Eine Nacht verbringe ich im kleinen Städtchen, in einem äusserst interessanten „Hostel“. Genaugenommen ist das wohl eher ein Motel und es sieht auf den ersten Blick schon etwas zwielichtig aus, das Ganze. Kommt man rein, hat man nämlich die Wahl zwischen zwei gleich aussehenden Gängen, die mit Türen zu Einzelzimmern gesäumt sind. Die Wände und alles sind Pink. Pink. Genau. Pink. Auch im Zimmer drin ist alles Pink und die Bettdecke ist pinkes Leopardenmuster. Eieiei.

Nun. Es sah zwar aus wie ein Puff, war aber irgendwie keines. Nebst mir kamen hier zahlreiche weitere Reisende unter. Calama ist nämlich ein Durchgangsort für Reisende von oder nach San Pedro de Atacama. Ansonsten ist die Stadt eher schäbig, eher unsicher und eher traurig. Am Morgen ging ich auf die Suche nach Frühstück (alias Banane und Brot) und fand etwa 300% mehr Angebot an betrunkenen Männern (überhaup fast nur Männer hier) und sonstigen Gestalten, die für mich stark nach Drogensucht aussahen, als Panaderias. Wieso das Ganze? Calama ist eine Minenstadt. Unweit von hier liegt die grösste Kupfermine der Welt, Chuquicamata. Das könnt ihr mal googlen, um das Ausmass dieser Katastrophe dort zu sehen. Einst lebten die Minenarbeiter im Dorf Chuquicamata, doch dann wurden sie alle nach Calama umgesiedelt, weil einerseits noch mehr Kupfer unterm Dorf gefunden wurde, aber auch weil die Region „als verseucht“ gilt. Sad story. Calama hat aber noch zwei drei hübsche Bauten und sonst ein Haufen Nix.

Mein Bus verlässt das Städtli aber bald in Richtung San Pedro. Die Fahrt dauert zwar nur etwas über 1,5 Stunden, doch die Landschaft bleibt auch hier spannend. Zuerst fahren wir vorbei an einer endlosen Strecke Landfills. Güsel, soweit das Auge reicht. Dann aus dem nix kommen zig Windturbinen / Windräder. San Pedro selbst ist dann ein kleines Wüstenkaff. Ein paar Hüsli, eine Schule und eine (mehrere) Strasse(n), die ganz dem Tourismus gewidmet wurde. Hach, wie unnatürlich.

Trotzdem hat San Pedro seinen Charme. Wenn man beide Augen in Bezug auf Touranbieter, Shops mit Alpaka Pullis und gemusterten Tüchern zudrückt. Und unser Hostel war echt herzig. „Unser“ bedeutet in diesem Fall: Franzi und meins. Franzi, die liebe Deutsche, mit der ich in Pichilemu die erste Woche zusammengearbeitet und abgehängt bin. Wir haben uns verabredet, dass wir uns für den San Pedro / Uyuni Trip wieder treffen und da sind wir nun! Zuerst war natürlich mal ein laaaanges Update fällig, wer wie wo was wann geschehen ist in der Zwischenzeit. Und glaubt mir, da gabs viel zu berichten. Und wir beide haben auch irgendwie denselben Humor, sind gleich „entspannt“ und interessieren uns für die selben Themen. Also richtig schön, unterwegs Gleichgesinnte zu finden und nicht nur „Zweckbekanntschaften“ zu machen.

An einem Abend waren wir einkaufen und hatten für die staubigen Kartoffeln keinen Platz im Rucksack. So sind wir zurück zum Hostel gelaufen, Franzi (knapp 1,80m mit roten Haaren) mit den Kartoffeln in der Hand. Am Morgen hat schon mal ein Mann gerufen „Felicitaciones a tu padre“ (Gratuliere deinem Vater!). Wir beide nur am lachen.  Dann mit den Kartoffeln wurden die Typen schon offensiver und zwei fragten: Hello girls, want boyfriends? Ehhhh… wir laufen weiter und dann quatschen uns nochmals zwei Typen an. Dieses Mal auf Englisch. Sie suchen ein Kaffee mit WLAN. Mmhh da chani hälfe! So enden wir damit, dass wir eine halbe Stunde mit den Dudes labern. Sie sind maximal posh, der eine ist halb Aussie, halb Schweizer (Romandie) und ist in Südafrika aufgewachsen und lebt in London. Der zweite ist Südafrikaner, Cousin von Dude 1 und lebt auch in London. Start-Up / Tech guys. Der eine hat einen Helikopter, der andere wahrscheinlich nicht. Beide wahnsinnig zu viel Geld und wahnsinnig zu viel Ego. Lustig waren sie trotzdem. Irgendwann auch so: „Mädels, was soll das eig mit den Kartoffeln?!“ Lachnummer schlechthin.

Franzi und ich haben dann am zweiten Tag ein Fahrrad gemietet und sind ins Valley de la Luna gefahren. Fahrradfahren auf 2500m, muss schon sagen, ich habs gemerkt. War ich ja vorher wirklich monatelang auf Meereslevel, darf man hinzufügen. Trotzdem sind wir den Berg hoch geradelt wie die Wilden, teils im Sand. Wir beide hätten aber an einem Punkt wirklich fast die Lungen rausgekotzt. Mussten dann anhalten und atmen. Mensch war das heftig. Dann gab es zwei Spaziergänge / Wanderungen zu den Dünen und zu Aussichtspunkten. War echt schön! Aber die Fotos sagen hierzu mehr 😉

Ansonsten gibts in San Pedro noch tausiiiiiiig Lagunen, Geysire und alles mögliche anzuschauen. Wer aber eh nach Uyuni in Bolivien reist, der wird dort auch noch so viele Lagunen sehen, sodass wir uns das aufsparten (vor allem, weil der Spass nicht gratis bzw. günstig ist).

San Pedro ist aber nebst diesen Sehenswürdigkeiten auch einer der allerschönsten Orte Weltweit zum die Sterne betrachten. Und das mach ich ja so wahnsinnig gern. Nur der Zufall hätte wieder nicht grösser sein können: Ein alter Hostel-Bekannter von Franzi, der Yves, kam mit zwei Mitreisenden ins selbe Hostel wie wir. Der Yves, das war wirklich ein ganz spannender Typ. Brite, blutjung, aber wahnsinnig intelligent, spannend und lieb. So endeten wir damit, dass wir nachts mit dem Auto (das die drei gemietet hatten) in die Wüste rausfuhren, um dort die Milchstrasse z’fötele. Stellte sich heraus, dass Simon, der zweite Mann und Australier, Astrophysik und Astronomie studiert hatte und uns praktischerweise den ganzen Himmel erklären konnte. Zudem verstanden die Jungs auch brutal was von Fotografie und halfen mir, die ganzen Szenen auch fotografisch festzuhalten! GRACIAS CHICOS!

Der Abend endete dann damit, dass wir noch etwas am Lagerfeuer im Hostel sitzen blieben und fast davongeräuchert wurden. Der Yves war aber wirklich eine gute Seele und wird – wenig überraschend – ab September Anthropologie studieren. So coool! Das würde mich ja auch interessieren…aber nomal en Bachelor? Mhhh…. Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen ein paar Mal diverse Bachelorprogramme angeschaut, aber näähhh. Vieles kann man sich auch im Selbststudium beibringen, wenns einen interessiert. Bevor ich den Yves traf, hat mich nämlich genau dieses Feld auch interessiert. Drum gabs bei mir vor Kurzem zwei neue Bücher zu human culture und cultural anthropology / ethnology. lol.

Nebst den Jungs haben wir auch noch einen weiteren Fahrradfahrer getroffen, der wirklich auch wiedermal Waaaahnsinniges geleistet hat. Ein 29-Jähriger Typ, glaub er hiess Kyle, ist seit Ushuaia unterwegs mit dem Fahrrad und fährt am liebsten in den Anden auf knapp 4000m. Chamer da no? So hääärt!! Er ist gesponsert von einer Fahrradfirma und macht die coooolsten Fotos ever. He nei, drei Typen, drei Profifotografen. Da fragt man sich manchmal schon, wie viel Talent es eigentlich gibt. Wahnsinn!

Ansonsten wars das mit San Pedro schon und Franzi und ich machten uns ab hier auf den Weg nach Bolivien! Bleibt gespannt!

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