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Vier verrückte Tage im Torres del Paine Nationalpark #Patagonia

Warum geht man in den Torres del Paine Nationalpark? Na wegen den Torres natürlich. Zwei weitere Felsen, die das Landschaftsbild prägen. Sie scheinen das Aushängeschild Patagoniens zu sein. Da will ich hinwandern. Doch das Ganze gestaltet sich etwas schwieriger, als man denkt. Eis ums andere (Achtung, es kommt viel Text!)

Tag 1

Wir fahren von unserem Schlafplatz am abgelegenen See in den Torres del Paine National Park. Wiedermal handelt es sich um eine Strecke, die von Baustellen und Kieswegen gesäumt ist. Ansonsten hat’s hier überraschend viele gute Strassen! Und noch viel mehr Wind. Ich werd fast von der Strasse geblasen. Wir erreichen das Office und informieren uns über die Wandermöglichkeiten sowie die Wetterprognosen. Wandermöglichkeiten: Diverse. Wetterprognosen: Kacke. Aktuell sehen wir die Torres im Hintergrund, aber für die nächsten Tage sind dichte Wolken und viel Regen angesagt. Mh. Mal abwarten.

Für den heutigen Tag empfiehlt man uns eine kurze Wanderung, die hinterm Infozentrum startet. 1,5 Stunden über den Hügel zu einem Lago. Na easy, machemer! Doch dann meint die Lady: But be careful, this is Puma Territory. Pumas? What? Scho wieder? Wir müssen vor 17 Uhr loslaufen, denn ansonsten dauert es mit dem Zurückkommen zu lange. Wir sind ja ziemlich südlich und drum wirds um 22.30 – 23.00 Uhr erst richtig dunkel. So weit, so gut.

Wir laufen also los und schon nach wenigen Metern finden wir Skelette und Überreste von Guanacos. Oh hello there! Ich sag mal nix, denke mir aber, dass der Puma glücklicherweise schon gegessen habe… Dann spazieren wir weiter, bzw. wir kämpfen gegen den Wind. Von Spazieren kann nicht mehr die Rede sein. Guanaco hier, Guanaco da, Guanacos überall. Jap, die Guanacos sind das Llama Patagoniens, richtig herzig, flauschig aber nöd ganz schlau. Immer wieder frage ich, ob die Pumas uns fressen würden. Sven erklärt, dass diese nicht auf Menschen losgehen und nachtaktiv seien. Wir üben ein paar Mal die Verhaltensregeln, falls man einem Puma begegnet. Nach 1,5 Stunden sind wir gefühlt nirgendwo angekommen und haben irgendwie auch genug. Die Landschaft ist brutal schön, aber der Wind gibt mir maximale Kopfschmerzen. Ich kann kaum aufrecht stehen oder meine Augen öffnen. Brille sei dank, gehts damit einigermassen besser als ohne. Wir kehren also um, vorbei an den selben Guanacos. Dann plötzlich nimmt ein Guanaco einen riesen Satz und hetzt mit 200 km/h davon. Zwei andere hinterher. Sven und ich schauen uns alarmiert an: „Was hat dieses Ding grad gesehen, dass es so davonschiesst?“ Wir schauen uns um: Nix. Der Wind ist so f*cking laut, dass man überhaupt nix hört ausser das Pfeiffen und Blasen. Alle Gräser und Pflanzen bewegen sich wie wild, ein Puma wäre fast unmöglich zu spotten. Ich hab den Schiss schon längstens in der Hose, Sven langsam auch.

Wir legen einen Zahn zu, schauen gestresst nach links, nach rechts, nach hinten. Nix. Dann gehen wir weiter, bis uns ein Guide mit zwei Touristen entgegenkommt. Er fragt motiviert: „Habt ihr Pumas gesehen?“ Ich so: „Nöö, aber wir glauben da war etwas, das Guanaco ist wie von der Biene gestochen davon gesegelt.“ Er: „Hats geschrien?“ Ich: „Was?!“ Er: „Die Guanacos haben ein Warnsignal für die Herde und „jauchzen“, wenn sie einen Puma sehen. AHAAA! Fehlalarm! Beim Zurücklaufen amüsieren wir uns, dass wir sone Affenangst hatten. Pumas sieht man halt doch nur in der Nacht, dachten wir.

Abends parkten wir unser Auto im Parkplatz am Start des „Torres del Paine“ Tageshikes. Es war eigentlich illegal dort zu campen, aber wir fallen in unserem Auto ja nicht auf und tatens trotzdem. Wir haben sogar gekocht, was – wie wir später erfuhren – noch viel mehr verboten war. Oopsie.

Tag 2

Am Morgen sind wir zu strömendem Regen und beissendem Wind aufgewacht. Ehm yeah. Meine Motivation für einen 8-stündigen Wandertag war maximal unterirdisch. Sven ging durch den Regen zum Ranger, während ich erstmal einen Kaffee brauchte. Cool war, dass es beim Trailhead eine richtig herzige Cafeteria gab, sogar mit einem Patagonia Shop. yeah!

Sven kommt mit mässigen News: Das Wetter bleibt Scheisse. Morgen Sonntag noch schlimmer. Dann Montag soll’s auftun. Also gut, wir planen, den TDP am Montag zu erklimmen und erarbeiten einen gemütlichen Schlecht-Wetter-Notfall-Plan. Heut steht drum eine kleine Wanderung zu einem Viewpoint auf dem Programm, der „eh einen schöneren Ausblick als die TDP Tageswanderung“ bieten soll. Na gut! Wir steigen also ins Auto und machen uns auf den Weg zum Trailhead. Gemütlich kurven wir durch die engen Kieswege, entlang an den Bergseen und über die Hügel. Hier ein Guanaco, dort ein Vogel. Und dann ruft Sven: „WAS IST DAS?!“ Und ich und er gleichzeitig: „PUMAS!“

Vor uns ist ein Hügel und auf dem Hügel sind sie, am Horizont ganz klar zu erkennen, zwei Pumas. Wir sind komplett aus dem Häuschen, ich mal kurz die Warnblinker reingeschmissen – da Mitten auf der Strasse ne Vollbremse gezogen – und Sven mal wieder eines seiner 10 Objektive am Wechseln und Rumfummeln wie wild. Doch stressen mussten wir gar nicht, denn: Die Pumas blieben da. Sie chillten, wälzten sich und schnurrten und gähnten. Wir waren ziemlich weit entfernt, aber mit der Kamera konnte man die Tiere ganz gut beobachten. Vonwegen: Die sind nur nachts aktiv…

Irgendwann sind wir weitergefahren und haben uns in ein kleines Restaurant gesetzt, um uns aufzuwärmen. Und um uns wieder etwas zu beruhigen. Die Pumas haben uns komplett geflasht. Zudem war das Wetter so grausam grausig grauenhaft, dass ich keinen Meter wandern wollte. Und gesehen hätte man eh nix, da alles grau. Dann gehts weiter zu einer Touristeninfo mit einem kleinen Museum über den Park. Von den Dinosauriern, die da einst lebten, bis hin zu den Europäern (sogenannte Pioniere), die die Berge erklimmten. Jap. Genau. Dann, ich hatte immer noch Wind-Kopfschmerzen, habe ich mich mit der Rezeptionistin angefreundet. Sie hat mir einen Tee gemacht und ich habe irgendwann von den Pumas erzählt. Dann kam Sven dazu, zeigte Fotos und sie ist komplett ausgerastet: SO VIEL GLÜCK!! DAS IST SO SELTEN! EINEN PUMA! WOW! UND DANN GLEICH ZWEI AUFS MAL! WOW! Fast nicht mehr beruhigt, hat sie sich.

Aber, so lernten wir auch, es sei halt auch Puma Territory dort. Hier nicht mehr, aber dort sei der Puma zuhause. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg zum Lago Grey, wo man bei schönem Wetter den Grey Gletscher sieht. Wir tuckern also seelenruhig durch die Kieswege bis Sven laut „STOP!“ ruft. Ich so „Hä? WTF?!“ und er: „Fahr zurück!“ Und ich: „Was hast du gesehen?!“ Und er schon voll dabei, die Kamera rauszufriemeln, während ich im Schritttempo zurücktrotte. Dann schau ich nach links, direkt in die Augen eines weitern Pumas rein. HOLY SHIT!

Etwa 20 Meter von der Strasse hockt er im Gebüsch, der Kopf schaut uns direkt an. Ich war ja soooooo happy, happy über den Puma, happy über diese Erfahrung und happy, dass ich in diesem Auto hinter dieser Glasscheibe sitzen darf. Sonst hätt ich mir endgültig in die Hosen gemacht. Ein paar Minuten starrt er/sie uns einfach nur an, dann kommt ein Auto hinter uns und der Puma rennt in den Wald. Sven so: „Ich weiss wo der hin ist, fahr ganz langsam nach vorn…“ und wir fahren ein paar Schritte, vielleicht 20 Meter und dann sitzt er da. Näher als zuvor, vielleicht noch 10 Meter von uns entfernt. Wir komplett am Ausflippen. Wie der uns einfach nur anschaut. So ein schönes Tier. Wahnsinnn!!!!!! Dann kommt wieder ein Auto und der Puma verschwindet ganz…  Aber definitiv nie mehr aus meinen Erinnerungen!!!

Beim Lago Grey angekommen, ist das Wetter soooo ultrakacke, dass wir ins Lago Grey Hotel reinflüchten. Dort überrascht uns ein wahnsinniges Interior Design und ein meegaaschöner Kaffeeraum à la Wohnzimmer. Wir sind hellbegeistert und flätzen uns aufs Sofa, bestellen heisse Schocki. Man gönnt sich ja sonst nix. Die Planung geht weiter: wo schalfen wir heut Abend? Wo können wir kochen? Irgenwann ist klar: Wir können nirgendwo kochen, sind nirgends windgeschützt und ja, einfach Kacke. Drum, und weil einfach so ein spezieller Tag war, entschieden wir uns: Wir gehen uns später ins Auto (auf dem Parkplatz draussen) umziehen und kommen „halbwegs frisch“ wieder hierrein und fragen, ob wir für am Abend einen Tisch dürfen. Lecker zNacht ässe. Tatsächlich hat die Strategie geklappt: Wir durften für einen wirklich erschwinglichen Preis das wohl beste Essen seit LAN-GEM im wunderschönen Restaurant des Hotels geniessen. Zuvor haben wir im Wohnzimmer etwas gelesen und die mystische Aussicht auf den See und ein paar Eisblocks auf uns wirken lassen. Eieiei, wie gehts uns gut.

Tag 3

Noch immer ists ultraschlechtes Wetter. Aber das wussten wir ja. Drum wird, trotz allem, eine kurze Wanderung gestarte. Nach einer halben Stunde ist klar: Die Wanderung kann nicht fortgeführt werden, denn, der Wanderweg befindet sich in einem See. Jep. Der Seepegel stieg und der Wanderweg ist unter Wasser. Umkehren ist angesagt. Dann entscheiden wir uns für eine andere Wanderung. Gerade den Berg hoch. Noch immer schüttets und wir kraxeln über schlammigen Untegrund und durch nasse Büsche den Berg hoch. Nach 500 Höhenmetern (von 700) hatte ich genug, ich war pfludinass an den Beinen (wir haben ja keine Regenhosen) und ich habe so fest geschwitzt, dass sich auch unter meiner Regenjacke ein nasses Tropenklima entwickelt hat. Aussicht gabs eh keine, da grau, also alles wieder runterwandern. Unter angekommen mussten wir uns natürlich eingestehen, dass wir mit all dem nassen Zeug nicht in unser kleines Auto reinhöckeln können, sonst herrscht auch dort bald Tropenklima. Wir setzen uns also in eine Cafeteria und trinken – oh wunder – wiedermal heisse Schoggi. Ich setze mich so nah zum heissen Ofen, dass mir fast die Jacke davonschmiltzt. Jap, ich han chalt. Schlotterschlotter, während Sven einen Plan für den Rest vom Tag schmiedet.

Dann gesellt sich noch die mühsamste Deutsche Reisegruppe aller Zeiten neben uns hin. Ein Guide (der Arme) entschuldigt sich bei einem Teil der Gruppe für das Wetter. Da bin ich schon fast hinten rausgefallen. Als hätte er das Wetter absichtlich schlecht organisiert #vujo. Die eine Lady mit platinblonder Palais Extra Föhnfrisur mötzelt etwas dezenter rum, während eine andere Mutti mit WEISSEN HOSEN (hani scho gseit dass alles dräckig isch und dasses us jedere Himmelsrichtig sprützt vom Räge ufem Chieswäg?!) und violetter Föhnfrisur ganz direkt rummeckert, dass sie sich also wirklich sehr auf den Helikopterflug gefreut hätte und das halt schon versprochen wurde und überhaupt sei das halt schon ganz tragisch.

Jawohl. Ganz tragisch fand ich das Verhalten dieser Leute, kommt man nach Patagonien, wo das Wetter etwa so zuverlässig ist, wie der Busverkehr in Kambodscha. He nei!!! Der arme Guide entschuldigt sich satte 5 Minuten lang, schlägt dann vor, trotzdem eine kleine Wanderung zu unternehmen. Man könne sich ja einpacken. Der andere Teil der Wandergruppe steht schon in den Startlöchern. Alle schön mit Hosen und Jacken ausgerüstet, während die Motz-Gruppe noch immer maulend dasitzt. „Nöö, nööö das iss‘ mir jetzt doch n’bissl zu viel. Wir warten hier.“ Also guet. Tschau zäme.

Kaum war der Guide weg, steht die weisse Hose auf und holt sich zwei Gläser Wein. Natürlich muss auch hier noch drauf rumgemeckert werden, dass „die Chilenen halt echt niiiieeee versteh’n, wann der Wein denn die richtige Temperatur hat, ne?!“ Kommt sie zu mir hin, schiebt meine Klamotten vom Ofen und stellt ihr Weinglas drauf. Ohhhhhhh du liebe Geduld, da konnte ich natürlich nur freundlich schmunzeln und in mich hineinhoffen, dass ihr der Wein bald davondampft.

Nachmittags vertrieben wir uns irgendwie die Zeit, wärmten uns in verschiedenen Räumlichkeiten auf und suchten dann einen Campingplatz, wo wir kochen durften. Nur kochen, nicht schlafen. Gesucht, gefunden. Auch: Weil ich ja wiedermal duschen muss. Würkli. Der Boiler wurde regelrecht gemolken, bis ich auch alle meine 10 Zehen wieder spürte. Sven kochte lecker und wir assen. Dann plötzlich riss der Himmel auf und bot uns einen schönen Abend. Ich wollte aufbrechen und auf dem zugelassenen Parkplatz in der Nähe des Torres del Paine Trailheads übernachten. Weil: Gratis. Sven wollte hierbleiben, das Wasser und die windgeschützte Infrastruktur nutzen, damit wir gut ausgeschlafen sind für die Wanderung von morgen. Wir diskutieren so lang, bis er aufgibt und sagt: Ich bezahl für dich. Fertig.

Tag 4

Wir wachen auf, kochen Frühstück, sind ready für’s Wandern! Gemütlich tuckern wir in Richtung TDP Trailhead, wo etwas weiter unten der Parkplatz ist, auf dem ich eigentlich schlafen wollte. Danebei ist die Brücke, die über einen Fluss zum Trailhead führt (wo wir am ersten Abend geschlafen haben). Als wir um die Ecke kamen und sich die Aussicht auf das Tal eröffnete, bemerkte Sven: „Hä? Irgendwas sieht hier anders aus!“ Dann gehts so 10 Sekunden und er sagt: „Die Brücke ist weg?!“ Ich: „Ich hab schon gedacht, hier war doch nicht so viel Wasser vorher?!“ Wir fahren weiter und stellen fest: Unser (mein) Parkplatz ist verschwunden. Die ganze Fläche liegt unter dem Fluss begraben. Scheinbar ist ein Damm gebrochen. LOL. Beim Besucherzentrum fragen wir die Ranger, was denn da los sei? „Gestern Abend ist der Damm gebrochen. Auch am Berg oben ist alles nass und schlammig. Jetzt dürfen nur noch ganz gut ausgerüstete Wanderer mit guten Schuhen, Hosen und Stöcken, mit Reservationen oder Guide hochgelassen werden.“ Sven steht da in seinen Jeans und seinen „barfuss Trekkingschuhen“ und meint, das sei sein Wanderoutfit. Zu meiner Genugtuung (da wir dieses Thema gefühlt seit einem Jahr diskutierten) haben die Ranger-Lady sowie ein vorbeigehender Ranger beide nur losgelacht. „Dude, no way…!“

Wandern gabs also nicht. Also doch. Nicht zu den Torres, aber wir sind dann den anderen Wanderweg, der ja eh viel schöner sei, zu den Cuernos gelaufen und zurück. War wunderschön, entspannt und absolut empfehlenswert 😉 Torres del Paine, euch gibts dann wohl ein anders Mal…

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Los Cuernos

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Krimistimmung in Puerto Natales #Patagonia

Next Stop: Puerto Natales! Nach zig Autostunden erreichen wir das herzige Städtli. Primär zum Einkaufen, aber auch zum Tanken. Beides will in Patagonien gut geplant sein, denn: Supermärkte mit guten Preisen werden, je südlicher, desto seltener. Petrolstations findet man immer wieder, bevorzugt in Argentinien (viel günstiger!). In Chile muss etwas besser recherchiert werden. Genau, wir sind wieder in Chile! Es folgte auch ein weiterer Grenzübergang zurück nach Chile, alles lief zackig und problemlos. Lol. Es wird langsam äng do unde.

Im Supermarkt angekommen, wird mal richtig heftig eingekauft. Denn im Torres del Paine Park (unserer nächsten Destination) gibts keine Einkaufsmöglichkeiten und wir können uns die utopischen Restaurants nicht leisten, glauben wir zumindest. Und Sven braucht Erdnussbutter. Die Sucht ist gross und die Verzweiflung grösser, weil er seit Tagen auf Entzug ist und kein Laden irgendwas Schlaues im Angebot hat. Aber hey, es git no Hoffnig.

Im Supermarkt kaufen wir uns halbwegs pleite. Dann noch einen Stop bei einem „Unverpackt-Laden“ mit getrockneten Früchten und zurück zum Auto. Sven steigt ein und ich schaue so auf meine Beifahrertür und spotte eine breite weisse Spur entlang der ganzen Tür. „Hüüh?!“ Kurz etwas Spucke auf die Finger und drüberfahren. Der Schock sitzt tief. DAS IST EIN MONSTERKRATZER. Panik in meinem Gesicht. Neues Mietauto. Kratzer. WTF ich bin doch nirgends driigfahre!? Es rattert. Sven wedelt irgendwas und deutet an, dass ich einsteigen soll. Ich wedle zurück, dass er sofort aussteigen soll. Alarm Alarm. Ich so: „Jemand ist hier reingefahren?!“ Er findet „Vielleicht bist du heute Morgen an der Wand angekommen?!“ Ich finds gar nicht lustig. Ich bin sicher NIRGENDWO reingefahren. Das hätti doch gmerkt. Nei Scheisse, bini viellicht DOCH irgendwo inegfahre?! WTF!

Dann kommt ein Herr und sagt, dass es hier Kameras gäbe. Ok. Ab zum Security. Dieser hat wohl seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun gehabt, gibt gelangweilt Bescheid, dass die Kameras nicht funktionieren würden. Als ich ihm etwas panisch erkläre, dass einer in unser Mietauto reingefahren sei, blüht er auf. Leuchtende Augen. „Wo? Ich schau mir das an!“ Wie Sherlock Holmes höchstpersönlich analysiert er unser Auto. Er ist so aufgeregt wie ein Kleinkind mit neuem Spielzeug. Dann detektivt er rund ums Auto und stellt fest: Unser Nachbarwagen ist beim „Parkieren“ in uns reingefahren! Ich habs zuerst gar nicht geschnallt. Wie soll das auch möglich sein, ich mein, en normale Parkplatz wtf. Aber tatsächlich: Wie immer haben die lieben Verkehrsteilnehmer hier null Geduld und null Gefühl für Abstand und Tempo, entsprechend wunderts mich eigentlich nicht, wie der gute Herr in unser Auto reinfahren konnte. Wir haben also das Tatfahrzeug und Sherlock weiss auch noch weitere Indizien zu deuten: Im Inneren des Autos erspäht er nämlich 100 leere Sandwichbrötchen. Das Auto muss also dem Sandwich-Mann gehören! Ha! Gut erkannt!

Tatsächlich verkauft ein Herr seine Sandwichs vor dem Supermarkt und er ist der Besitzer des Autos. Sherlock alarmiert die Polizei, das müsse man hier so machen. Ich denke nachwievor mit dezent gekränktem Stolz: „Isch mir rächt, denn hämmer Bewiis, dass ich nöd irgendwo inegfahre bin….“ Die Polizisten kommen. Ein flirty Typ Mitte 40 und eine superhübsche Polizistin ca. 25 mit rotem Lippenstift. Er reisst einen dummen Witz nach dem anderen, isch aber irgendwie doch es bitzli lustig. Sie weiss nicht recht, ob sie sich schämen oder mitlachen soll. Die Arme hat das Pausenclown-Kommando wahrscheinlich 8 Stunden am Tag. Wir erklären alles, sie sagen: Wir können nix machen, gibt keine Beweise. Denn: Der Sandwichmann gibt seine Tat nicht zu. Lol. Kein Wunder. Die Spuren an seinem Auto sind ja nicht aussagekräftig genug. Eeeegal. Dann ruft der Flirtmaster noch kurz unsere Mietwagenfirma an und kann mir immerhin erklären, dass ich innert 24 Stunden einen Rapport mit Fotos und Co. senden soll. Alles bueno. Dalle, gracias. Ciao.

Etwa 10 Minuten später, wir planen grad, wo wir schlafen sollen, kommt der Sandwichmann nochmals. Ich bin etwas angesauert auf den Herr, weil er zuerst alles abgestritten hat. Doch dann entschuldigt er sich, ja er sei’s gewesen, aber er habe keine Versicherung. Dafür würde er sonst das Polieren beim Mech bezahlen. Die Beule bleibt, der Riesenkratzer könnte verbessert werden, stimmt schon. Habe ihm dann natürlich vergeben, er hats ja nicht absichtlich gemacht. Und das war eine herzige Geste, dass er uns das Polieren angeboten hat. Aber nei danke. Warum nicht? Ich glaube, bis wir in Ushuaia und wieder zurück sind, könnt’s noch den ein oder anderen Kratzer dazu geben…ähhhhh oopsie.

Wir schicken den Report und schaffens dann nicht mehr bis zum Torres del Paine Nationalpark. Stattdessen schlafen wir an einem einsamen „Bergsee“, essen Nachos mit Frischkäse und trinken Moscato. Was für ein langer Tag, da kann man abends auch mal ein Gläschen Wein aus Mendoza trinken, oder!?

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no bad place to end a crazy day…

El Calafate, der Gletscher

Wir finden auf iOverlander den Hinweis, dass es in El Calafate – unserer nächsten Station – ein Hostel gäbe, wo man für knapp 2 Franken „parkieren“ dürfe und ZUDEM die Hostelküche, -badezimmer sowie Gemeinschaftsräume nutzen dürfe. WOW! Das wär ja en MEGA Deal! Da ich seit 5 Tagen keine richtige Dusche mehr gesehen habe, gibts kein Pardon. Glatt vorbeigedüst und die Lady an der Rezeption gefragt.

Sie schaut uns zwar etwas entgeistert an, als wir ihr erklären, dass wir im Auto schlafen, aber: Kein Problem! Das Hostel ist mit allem drum und dran so herzig, dass wir insgesamt drei Nächte auf dem Parkplatz schlafen! Wahnsinn! Erstens ists es göttlich warm im Innenhof, windgeschützt und so, weisch. Zweitens müssen wir ein bisschen vorarbeiten, da wir im Torres del Paine Park (nächste Station) kein Signal oder WLAN haben werden und bei mir drum zwei Zeitungsartikel fällig sind. Drittens ists einfach HERRLICH, mal nicht jeden Abend ein neues Zuhause zu suchen 🙂 Denn selbst in El Chaltén haben wir praktisch jeden Abend woanders geschlafen und immer wieder überlegt, Pläne geändert und etc. und sowieso.

Nun aber warum kommt man eigentlich nach El Chaltén? Einerseits ist das Dörfli an einem See gelegen und mit einer Flaniermeile, Supermarkt und Co. ziemlich touristisch ausgerüstet. Keine Kriterien, die mich überzeugen. Andererseits ist es Ausgangspunkt für den Perito Moreno Gletscher. Ok, jetzt bini debi.

WAS für eine HAUSNUMMER, dieser Perito Moreno! Tatsächlich – entgegen dem Schicksal vieler anderer Gletscher – ist dieser in den letzten Jahrzehnten nämlich nicht geschrumpt. Die Gletschermasse blieb stabil. Woran das liegt? Da scheiden sich die Geister. Obwohl im Minutentakt Eis abbricht und in die Gletscherlagune fällt, kommt scheinbar immer wieder neues Eis nach. „Gletscher-Watching“ wurde ein regelrechter Sport und der Versuch, den nächsten abbrechenden Ecken zu spotten, war ein richtiger Kick. Vorallem, weil die Gletscherwand 70m hoch ist! 70m! Stell der das mal vor! Und dann fällt so ein Eisblock, teils 70m hoch oder aus einer Höhe von 70 Metern runter ins Wasser und in der Lagune gibts eine riieeesen Flutwelle. Und die Flutwelle bewegt dann die Gletschermasse und es gibt neue Risse im Gletscher und überhaupt, wow! Da läuft was.

Diverse Touristen haben wir dann auch beobachtet, wie sie „Alkohol on ice“ mit Gletschereis getrunken haben. Das geht mir dann ein wenig zu weit. Seriously guys!?

Der Perito Moreno misst sate 254 Quadratkilometer, ist aber nicht der grösste Gletscher in Südamerika. Jedoch ist er besonders gut zugänglich und zieht dadurch viele Touristen an. Apropos Touristen: Am ersten Abend in El Calafate ging ich in den Supermarkt (last second, weil Sven noch mehr Zwiebeln brauchte) und es herrschte regelrecht Rush Hour. Tausend Touris im kleinen supermercado. Doch irgendwie hatte jeder eine knallrote Birne. So es richtig grausam verbräännnts Gsicht. Zuerst dachte ich mir nicht viel dabei. Doch dann schnallte ich: Die machen alle Touren auf dem Gletscher und haben wohl nicht eingecremt! Jep, das ewige Eis reflektiert ganz schön…;-)  OHHHMYYYY…. 

Und: Auf dem Parkplatz in Calafate habe ich dann auch noch das cooooolste Auto überhaupt gefunden. Mit: Schweizer Nummernschild! Ich war für glatte 3 Stunden überzeugt, dass ich auch so einen Jeep möchte. De chan sogar s Dach ufelah! Und het en Sunnestore! Und en Schnorchel! WIE GEIL! Zurück im WLAN-Land kurz die Recherche, was das für ein Automodell ist und mit schmerzendem Herzen festgestellt, dass ich GARANTIERT NIE SO EINE SAUTEURE BENZINSCHLEUDER haben werde. Wooohoooow!!!!

happy weekend allerseits!

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Stalking Sven Nr. 1
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Stalking Sven Nr. 2
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Stalking Sven Nr. 3

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Outdoorparadies El Chaltén #Patagonia

Ein weiterer Autofahr-Tag steht an. Von Bajo Caracoles geht es über 500km nach El Chaltén. Mit einem Petrol Stop in Gobernor sowieso. Das Autofahren selbst ist aber der pure Wahnsinn, denn: Nach etwa einer Woche Ripio (Kies / Steine) hatte ich zum ersten Mal wieder eine geteerte Strasse unter den Rädern. WAS FÜR EINE FREUDE! Doch natürlich geht hier gar nichts ohne riieeesiiigeeee Schlaglöcher und das am Liebsten alle paar Meter. Das Milimeterlen geht also weiter. Ich hab teilweise echt Blick-Fokus-Probleme, wenn ich stundenlang auf den Boden starren muss und dann plötzlich an den Horizont schaue. Dann bewegt sich dieser nämlich in Wellenbewegungen auf mich zu. So fühlt man sich wohl auf einem Trip. Yeih! Scherz. Aber echt, so verrückt!

Und dann kommen sie, endlich endlich: Die berühmten, schlechten Strassen Argentiniens. Jeder hat uns gewarnt und jetzt ists wohl so weit. Es folgen zwei Stunden auf einer breiten, aber tiefen Kiesstrasse. Teilweise sind die „Mädli“ aus Kiesel und grösseren bis sehr grossen (bis zu gross zum Drüberfahren) Steinen so hoch, dass unser Auto fast darauf aufliegt. Wie fest und laut die Steine unterm Auto klappern und aufschlagen, muss ich wohl nicht erklären. Die Ohren muss man abstellen, die Augen auch. Unterm Strich verläuft aber auch hier alles gut, nur einmal muss ich einen Bus überholen und plötzlich taucht ein Pistenraser auf der Gegenfahrbahn auf. Chumi gadechli is Schwitze. Wie soll Frau denn zackizacki die Fahrbahn wechseln, wenn man dabei 3 kniehohe Kiesmädli durchqueren muss? Jap, natürlich nur schwimmend. Ich wechsle wild gegenlenkend aber recht bestimmt die Spur. Über s erste Mädli, dann über das Zweite, dann über das Dritte. Sven jubelt laut. „So viel Spass hatte ich noch nie beim Autofahren!“, ruft er. Hinten hockt uns der Bus auf und vorne kommt der Raser entgegen. Gleichzeitig immernoch nach Schlaglöchern Ausschau halten und atmen. Fffff….. Ich habe einen Puls von etwa 200 und kann mich von meinem Lachanfall auch kaum erholen. He nei, wenn das nur immer guet chunnt…

Schlussendlich kommen wir endlich, endlich in El Chaltén an. Einem kleinen, touristischen Dörfli, welches viele Wanderer, Kletterer und Reisende aus aller Welt anzieht. Warum? Wegen zwei berühmten Bergen: Dem Cerro Torre und dem Cerro Fitzroy. Nebenbei gibts auch noch andere Wanderrouten, Wasserfälle und Gletscher. Am ersten Tag ist mal wieder denkbar etwas schlecht Wetter, wodurch wir es uns in den lokalen Kafi’s gemütlich machen. Ein bisschen Video schneiden, ein bisschen Schreiben. Denn ja, so ein kleines Auto ist bei Sonnenschein wirklich schön und gut, wenns pausenlos runterseicht und stürmt aber nicht. Erstens sind wir selbst pfludinass und dadurch bildet sich im Auto ein Tropenklima, wo rein gar nix trocknet. Zweitens ists ungemütlich, wenn man immer auf den selben Sitzen hockt und es ist auch eng mit unserem ganzen Kasumpel. Und Drittens tropfts drinnen dann eh bald so fest wie draussen, weil das Kondenswasser nicht lang auf sich warten lässt. Yeih!!

Ab Tag drei gibts endlich Sonnenschein und es folgen dann die obligatorischen Wanderungen. Schön sind sie, aber touristisch. So vill Lüüt überall! Und irgendwie kommt aktuell so gar nix an den Cerro Castillo mit der stahlblauen Lagune ran. Aber hey, trotzdem: Wir geniessen jeden Moment in der Natur! Tierisch bleibts auch wieder spannend, so haben wir unterwegs sowie bei unserem Stellplatz besuch von einem Armadillo gekriegt. Ein Gürteltier! Eines war so neugierig und ist fast auf meine nackten Zehen gehockt. Das isch mer denn doch echli z’bunt, so weiss ich bis jetzt nicht recht, ob die Dinger beissen oder nicht?! Muen ma no churz go google… Witzig und herzig verdruckt sind sie aber allemals!

Bei den Wanderungen begegneten wir dann auch einem leuchtroten Specht und einer Trilliarde Raupen. Eine regelrechte Invasion! Nach der Wanderung machst du keinen Zecken-Check, sondern einen Raupencheck. Ob die alle einmal zu Schmetterlingen werden? Wir hoffens!

 

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Bordercrossing #1 #Patagonia

Heute ist es soweit – zum ersten Mal überfahren wir eine Grenze mit unserem Mietwagen. Im Vorfeld mussten da natürlich auch die richtigen Papiere beantragt und – oh Wunder – einen guten Batzen für die Berechtigungen bezahlt werden. So brechen wir also auf, morgens im Parque Patagonia. Eigentlich wollten wir noch etwas Wandern gehen, sind dann aber irgendwie doch zu spät dran und überhaupt bin ich etwas gestresst. Jeder sagte mir, wie SCHLECHT die Strassen in Argentinien werden. Und wir forderns natürlich wiedermal raus: Eigentlich wollten wir nämlich bei Chile Chico über die Grenze, wie jeder andere Tourist. Doch dann empfahl uns der Herr beim Camping (jap, der tanzende) im Valley Simpson, dass die Route südlich durch den Parque Patagonia wunderschön sei und viel weniger Leute als bei Chile Chico über diese Grenze fahren würden. Wir müssten also sicher nicht warten etc., aber die Landschaft, ja die Landschaft, die sei einfach die beste in Patagonien. OK. Also guet. Sold!

In einem Kafi in Cochrane habe ich dann aber per Zufall eine Map entdeckt, auf der die Strassen in verschiedenen Farben markiert waren. Und mit Schrecken stellte ich fest: Unsere Strasse, die wir eigentlich fahren wollten, war weder „Pavimento“ (Geteert (was ich schon seit TAGEN nicht mehr gesehen hatte), aber auch nicht die übliche Ripio (Kiesweg / Steinig / lose) sondern irgendwas noch Abbruchartigeres. OH MANN. Kurz bei iOverlander reingeschaut und Erfahrungsberichte von anderen Reisenden gelesen. Offenbar ist die Strasse, die wir nehmen wollten, „von einem unüberquerbaren Wasserloch“ blockiert. LOL. Not. funny. Wir lesen dann weitere Erfahrungen und entscheiden uns, dass die 39 unsere Route sei. 39. Ok. Aber diesem Moment habe ich jede mögliche Person gefragt, ob er wisse, in welchem Zustand die 39 sei. Und die Antwort war: Ach, sobald ihr über die Grenze fährt, sind alle Strasse in Argentinien schrecklich. Oh boy..

Morgens im Parque Patagonia blieb mir aber schon das Herz stehen, als wir eigentlich noch zu einem kleinen Trail Head fahren wollten und ich dann mitten im Buschland auf einem winzigen Sandwegli in einem kleinen Steilhang nicht mehr vorwärts kam. Die Rädli dreihen durch. Ich gestresst, Sven entspannt. „Nimm nomal Alauf!“ „Nei, ich chan nöd Alauf näh und dobe denn nöd um de Egge möge…“ „Mol, imfall, kes Problem“. Jap. Sven, der keinen Fahrausweis hat, sieht die Sache entspannt. ISCH JA KLAR. Je entspannter er ist, desto mehr nervts mich. ICH CHAN DA NÖD UFEFAHRE. Unser schwacher Zweiradantrieb und der tiefe Bau des Autos sind gar nicht hilfreich. Auch beim zweiten Anlauf klappts nicht, wir müssen umkehren. Nur wie? Ewiges milimeterlen später konnten wir das Auto umdrehen, ohne dass die Pflanzen und Büsche rund herum allergrössten Schaden davontragen. Scheint, dass wir nicht die ersten waren, die hier nicht mehr weiterkamen..

Ehrlichgesagt, lagen meine Nerven in Bezug aufs Autofahren schon seit gestern Abend blank. Denn die „Einfahrt“ zum Camping ist eine ultrasteile Kiesstrasse. Aber mit wirklich grossen Steinen. Und alles lose und tief. Beim Runterfahren sind wir schon flott geschliefert und ich wollte bereits losheulen, beim Gedanken daran, wie zur Hölle wir da jeeemaaaals wider hochkommen sollen. Und nun startete der Tag schon mit einer dummen Fahrsituation, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, während ich mich eigentlich schon seit Stunden sorgte, wie wir diesen Camping je wieder verlassen können…

Kurze Lagebesprechung vor dem Steilhang und wir sind uns einig: Das geht nur mit Anlauf. Ich hole also Anlauf und schiesse – ohne ein einziges mal zu bremsen – den Berg hoch. Halt oder Kontrolle haben wir längst keinen mehr, das Auto schwimmt mal rechts mal links auf den Steinen. Ich am Gegenlenken, Sven wahrscheinlich am Stossgebete senden. Wir sind beide mucksmäuschen still, bis wir am Ende des Hangs mit einem Ruck über den Grat schiessen und wieder normaleren Boden unter den Rädern haben. Ich muss kurz atmen und dann lachen wir uns etwa 5 Minuten kaputt. Wieso. hämmer. ken. 4×4. gmietet?!?!?!!??!?! 

Die anschliessende Fahrt belohnt uns aber insofern, dass wir alle 5 Minuten anhalten, um Fotos zu schiessen. Was für eine Landschaft. Sind wir auf dem Mond? Oder in den Nationalparks der USA? Yellowstone? Holy guacamole! Wir sehen mehr Guanacos, Nandus, die Vögel und auch diverse Skelette. Der Puma frisst hier, ganz klar. Dann folgt bald die erste Grenze, die Papiere werden gecheckt und keiner verschwendet einen Blick in unser Auto. Läuft. Noch kurz gefragt, welche Strasse denn besser sei und der Herr meint auch: 39. Aber in Argentinien, uuiiii diese Strassen, die sind schlecht. Ah well, das wüssemer ez au fängs… Ciao Chile!

Ein paar Kilometer weiter die argentinische Grenze. Papiere? Alles gut. Zwei Sekunden Inspektion des Autos. Primär gehts darum, dass man keine Früchte, Gemüse, Milch oder Honig einführen darf. Honig haben wir versteckt, Gemüse haben wir nur noch ein paar Knobli und Zwiebeln. Den Kollegen interessierts wenig, einen Blick in den Kofferraum (mehr fürs Alibi als für etwas anderes) später können wir schon weiterfahren. Check! Gracias ciaaaaoooooo! Schnäll wäg do.

Die Landschaft blieb dann STUN-DEN-LANG traumhaft schön und menschenleer. Und die Strassen? Naja, ganz ehrlich: Bis lang genau gleich Kacke wie in Chile. Sorry Chile! Mal ein bisschen Waschbrett, mal ein paar Löcher, aber nichts neues. Die Kieswege scheinen kein Ende zu nehmen. Es bleibt einsam, bis wir irgendwann von der crazy rasenden Holländern überholt wurden und den Abend dann im Geisterstädtchen mit holländischer Camping-Gesellschaft ausklingen liessen…

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wind wind wind

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Geisterdorf in Argentinie
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Tankstell im Geisterdorf

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Bye Chile!
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Hola Argentinia!

Auf zu den Pumas! Oder doch nöd? #Patagonia

Auf dem Campingplatz im Parque Patagonia angekommen, bläst uns der Wind fast weg und die schwarzen Wolken sind au echli gruslig. Die eigentlich geplante Wanderung fällt ins Wasser – oder in den Wind, in den Regen, in die unberechenbaren Wetterschwankungen Patagoniens – und ich mache stattdessen etwas Yoga in den herzigen Holzhüsli, die für die Camper bereitstehen. Übrigens ist auch der Duschraum ultrastylisch ausgestattet. WIE GEIL! Dann kommt der Ranger vorbei und stellt sich vor. Thomas. Hola. Ich quatsche eine gefühlte Ewigkeit mit ihm, während Sven irgendwas deichselt. Dann bittet er mich, in seinen Wohnwagon zu kommen, um „Abfalllösungen“ abzuholen. Was gnau meinsch ez? „Die Gäste sollen Plastikabfälle sammeln und hier reinfüllen“, meint er und zeigt mir eine PET Flasche. Ich, als alte Eco-Brick-Expertin (Scherz) natürlich gad: „Baust du ein Earthship?!“ Und er „JAA! Blablablablabla“ Ich sammle natürlich herzlich gern Plastik für ihn, doch haben wir beinahe keinen Abfall, da wir wenn immer möglich pures Gemüse kaufen und manchmal sogar in Zero Waste Shops (JAAA das gits do imfall!!!Natürli nöd überall….) vorbeischauen und dann in wiederverschliessbaren Zip-Loc Bags aufbewahren!

Nun, etwas später kommt Thomas wieder und fragt, ob wir eine Runde Maté trinken wollen. Das darf man sich nie entgehen lassen! Er lädt uns zum Maté ein und wir ihn zum zNacht. Linsen mit Bohnen und einer Tonne Gemüse à la Gourmet-Sven. Ich versuche Sven allgemein seit Tagen zu überzeugen, dass er an einem Kochbuch arbeiten soll. Denn ich bleibe sprachlos, wie er mit den immergleichen, sehr beschränkten Zutaten jeden Abend etwas anderes und anders schmeckendes kochen kann. WTF! Und der Herr isst würzig, das muss man auch festhalten. Ich mittlerweile auch. Muss sagen, kulinarisch sind meine Ansprüche in diesem Asien-Jahr sowie auf Reisen mit Sven also massiv gestiegen. Eieiei, debi chani sälber no immer nöd würklich guet choche =P

Egal, wir essen und trinken Maté und man muss schon sagen, dieser Thomas ist ein spannender Vogel: Seit mehreren Jahren arbeitet er als Ranger. Eigentlich hatte er aber Kunst studiert, ist Lehrer. Doch damit finde man keinen guten Job, darum habe er noch einen Master in Biologie und ein Diplom in Biostatistik abgeschlossen. Nun ist es Ranger, zuerst im Park Torres del Paine, jetzt im Parque Patagonia. Er ist kritisch, ob die Regierung Chiles die Qualität des Parks aufrecht erhalten kann, ob so viel Herzblut wie von den Tompkins’ reingesteckt wird oder ob der Park irgendwann vielleicht doch verkauft würde. Er selbst besitzt Land an den Parkgrenzen und möchte dort ein Eco-Tourism aufbauen. Ein Earthship, ein selbstversorgendes Häuschen. Er selbst durfte aber im Museum mitarbeiten. Per Zufall, so habe er beim Lesen eines Buches über „die Menschheit“ die Aufmerksamkeit eines Herren auf sich gezogen, der, wie es sich später herausstellte, die Leitung der Museumsgestaltung übernehmen sollte. Was für ein spannendes Projekt!

Als die Sonne unterging, meinte Thomas: „Jetzt ist Puma-Zeit! Kommt!“ und wir spazierten über einen kleinen Hügel und er zeigte uns, wo er überall schon Pumas sah. Ich etwas gestresst, muss ich diesen Puma nun wirklich nicht bei einbrechender Dunkelheit sehen. WTF. Wir erreichten seinen Wohnwagen und genossen noch etwas Tee. Dann eskalierten die Diskussionen komplett. Sven, der wirklich den allergrössten Fundus an nützem und unnützem Wissen besitzt, (ja da bini immer wieder überrascht) und Thomas diskutierten die Spähren der schwarzen Löcher im All, dass dort in der Tat eine bewiesene Teleportation stattfand, die Spiritualität von XYZ und Hirnregionen, die durch das südamerikanische Kraut San Pedro aktiviert werden und Kritik zum überall gehypten Ayahuasca und durchforsteten gleichzeitig fast ein ganzes Biologiebuch mit Zeichnungen von all den Tieren und Pflanzen in Chile und Argentinien. Mir fällt fast das Hirn auf den Tisch.

Etwas haben wir wohl alle gemeinsam: So viel Zeit, uns für Mögliches und Unmögliches zu interessieren. Ein Privileg. Etwas, das ich während meinem Berufsalltag nicht hatte. Jeden Tag schnappt man irgendwo irgendwas auf, hört zahlreiche Podcasts in den endlosen Bus- oder Autofahrten zu irgendwelchen Random-Themen. Und plötzlich schliesst sich der Kreis. Plötzlich sitzt man mit einem bis vor kurzem wildfremden Ranger zusammen, trinkt Tee und hat jede Menge Gesprächsstoff.

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„Parque Patagonia“ & Doug who?

Morgens in Cochrane habe ich meinen letzten Kaffee für ein Weilchen aufgeladen – denn es ging auf in den nächsten Nationalpark und anschliessend über die Grenze nach Argentinien! Aber eis ums andere. Der herzige, uralte Kaffeemacher-Herr nahm sich glücklicherweise so lange Zeit, meinen Kaffee perfekt aufzuschäumen und zu dekorieren, dass ich mich auf der Toilette sogar stundenlang frischmachen konnte, ohne dass es irgendwem auffiel JSpäter fragte er – Standardfrage Nr 1. – woher wir denn kommen und – Standardfrage Nr. 2 – wohin wir gehen. Als wir erklärten, dass wir zum Parque Patagonia aufbrechen, beginnt der Herr zu strahlen.

Ich verstehe (wie so oft) nur die Hälfte, aber es gibt da wohl ein Museum, dass so gut sei, wie Museen in Europa. „Modernsti Technologie und s beste, viellicht s beste in ganz Chile!“ Mhhh, hani das ächt richtig verstande?! Es Museum im Nationalpark? Sust hend die Nationalpärk ja amel gnau nüt – wenns höch chunnt es öffentlichs WC ohni Papier. Well, wir fahren also los in Richtung Nationalpark mit dem Ziel, eine Nacht auf einem Campingplatz mit (Achtung, Achtung) HEISSEN DUSCHEN zu verbringen. Die letzte Dusche ist nämlich 4 Nächte her, auf dem Camping vom Maté-Spanier! Und inzwischen wanderten wir ja und badeten im Fluss. Yes! Die Freude und Notwendigkeit sind also – ihr könnts euch vorstellen – riesig. Ich halte die Seife beim Losfahren schon mal griffbereit.

Unterwegs wird die Landschaft, nach wie vor trocken, immer spektakulärer. Plötzlich befinden wir uns mitten in einer Guanaco-Kolonie! Die Tiere, die zu den Lamas gehören, sind hier in Patagonien ultra-einheimisch. Der erste Fotostopp folgt bestimmt und so auch Stopp Nr. 2 und Nr 3. Bis wir dann plötzlich einige Gebäude sehen. Dies sei das Besucherzentrum und dort befindet sich auch das Museum. Also los, vamos! An zig Guanacos vorbei gehe ich null vorbereitet ins Museum rein und was dann passiert, ja, das wird wohl in die Geschichte eingehen. Zumindest in meine.

Douglas Tompkins

Doug who? Känneter? Schonmal gehört? Nun, ich weiss gar nicht, wo ich hier wieder anfangen soll. Mir war Tompkins ein entfernter Begriff, da wir uns über Patagonien informierten und dort kürzlich die Ruta de los Parques mit 17 Nationalparks „veröffentlich“ wurde – und dabei sei er wohl aktiver Mitgestalter gewesen. Aber dazu ein anderesmal mehr. Dieser Douglas Tompkins, alias Doug, war ein wahnsinniger Outdoorliebhaber. Klettern stand hoch im Programm, so war er ein Pionier in Patagoniens Klettergeschichte. Gemeinsam mit seinem guten Freund Yvon Choiunard reiste er in den 1960er Jahren in einem kleinen VW Bus von den Staaten nach Patagonien, um zu surfen und zu klettern. Doch das ist nicht alles. Doug war ursprünglich auch der Gründer der Marken North Face und Esprit. Nachdem er sich von seiner ersten Frau hat scheidenlassen, verkaufte er auch seine Anteile an den Riesenkonzernen. Mit seiner zweiten Frau, Kris, widmete er sich ganz der Natur. Patagonien war und blieb sein wohl liebster Teil der Erde, doch dort haben sich in den letzten Jahren und auch Jahrhunderten tragische Entwicklungen abgezeichnet. Die Gauchokultur hat mit den Kühen und Pferden viel Land für eine wahnsinnige Artenvielfalt an Pflanzen abgegrast und somit auch Lebensraum für eine Vielzahl an wilden Tieren reduziert. Diverse Tierbestände reduzierten sich und auch die wirtschaftlichen Interessen von Konzernen im Bereich Staudämme & Co. wollten immer wieder in die Natur eingreifen. Was dann eine wohl absolute Pionieridee war und was mich ab der ersten Sekunde faszinierte ist, – jetzt haltet euch fest – dass Doug und Kris beschlossen haben, riesige Teile Patagoniens zu kaufen. Ja, eine Privatperson kauft mit dem eigenen Vermögen das Land. Klingt nach modernstem Kolonialismus der Superreichen. Jap das tuets. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.

Über die letzten Jahrzehnte hinweg widmeten die beiden ihren Lebensinhalt „Patagonien“. Gemeinsam mit hunderten von Freiwilligen und Experten und der Lokalbevölkerung, nahmen sie sich das Ziel, die Nationalparks zurück auf ihren natürlichen Standard zu bringen. Dadurch brauchte es vor allem die Mitarbeit der Gauchos, welche nun alle als Parkranger eingespannt werden und nicht mehr herdenweise Pferde über die Felder jagen. Keine Einzäunungen von Land, keine Eingriff durch den Mensch, pure Rehabilitation. Gezielte Wanderwege und einige Campingplatz, als „Opfergabe“ an die Menschen, der Rest gehört den Tieren und den Pflanzen. Das Ganze begann mit einem Park im Norden und der letzte, „fertiggestellte“ Park war der Parque Patagonia. Natürlich wird bereits an anderen Projekten weitergearbeitet, doch das ist nur die halbe Geschichte.

Der Knaller ist nämlich:Nach Fertigstellung von jedem Nationalpark, wurde das Resultat der chilenischen Regierung geschenkt. Mit der Verpflichtung, dass die Parks aufrechterhalten werden und dass es öffentlich, für jedermann zugänglich bleibt. Keine Hotels, keine Resorts und keine Art von Rohstoffgewinnung, Wirtschaft etc.

Da chasch nümm. Oder!? Ein Millionär kauft Land, rehabilitiert es und schenkt es der Regierung des Landes. Da fliesst bei mir schon fast ein Tränchen. Doch darum ging es im Museum eigentlich gar nicht, diese Facts haben wir uns eher durch anschliessende und vorausgehende Recherchen und Dokumentationen zusammengeholt. Das Museum selbst war nochmals eine andere Hausnummer. Nämlich zeigt es einerseits die Geschichte Patagoniens auf. Die indigenen Völker, die hier einst lebten, und wie Thomas Bridges Ushuaia gründete und das Missionieren aufgab. Ultraspannende Facts. Auch, dass in Patagonien einst Dinosaurier lebten und so weiter und so fort. Die Gestaltung des Museums ist wirklich eindrücklich, selbst ich verlor mein Interesse nicht, was sonst oft der Fall ist.

Komplett fasziniert war ich dann in der letzten Abteilung: Die Menschheit heute und Patagonien / die Welt. Natürlich waren Themen wie Konsumgesellschaft, Abfall, Klimawandel, Kapitalismus und die Explosion der Bevölkerungszahl und der entsprechende Ressourcenbedarf /-verbrauch essentielle Themen. Es gab eine Grafik, die mir dann den absoluten Rest gab. Nämlich konnte man einen Hebel von 1900 bis 2100 schieben. Pro Jahr leuchteten hell auf, welche Arten an Tieren leben. Stirbt eine Tierart aus, erlöscht das Licht. Wenn wir so weitermachen wie bis anhin, konnte man pro Jahr sehen, welche Tiere na dis na aussterben werden. Bis es irgendwann einfach schwarz war. Der Schock und Schmerz sitzt noch immer tief.

Der Rest war alles wirklich wahnsinnig spannend und zugleich herzzerbrechend. Die Informationen waren sehr, sehr umfangreich und auch für mich nochmals ein Stich ins Herz, obwohl mir vieles schon bekannt war. Ich kam aus dem Museum raus, sah die Guanacos rumhüpfen, die dank dem Nationalpark wieder viel mehr geworden sind, und sägemers so: Han mal e Rundi richtig, heftig losglätschet. WaszurHöllmachetmireigentlich!? Auch Sven kam raus, zutiefst erschüttert und auch halbwegs geröteten Augen. Dann noch zwei andere Typen mit Tränen in den Augen. Ich glaub überhaupt kein Auge blieb hier trocken.

PS. Auch Dougs Freund, Yvon Chouinard, unterstützte die Arbeiten. Er ist der Gründer der Outdoor-Marke Patagonia 😉 Doug verstarb vor wenigen Jahren bei einem Kayak-Unfall in den kalten Wassern Patagoniens an Unterkühlung. Seine Frau Kris ist bis heute aktiv, verschiedene Parks zu rehabilitieren. Sie war im Park, als wir da waren, aber wir haben sie leider nicht getroffen.

PS2. Da es paar Fotis, woni aber meh usem „Notizgrund“ für mini Artikel gmacht han, als dass si d Usmass vom Museum würdet repräsentiere 😉 S Musem isch es MUSS! UND DE WAHNSINN!

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Flüsse, Sehen und der Weltuntergang #Patagonia

Wir erreichen also nach ewiger Fahrt und dem Hike auf den Cerro Castillo endlich endlich den „Stellplatz“ am Fluss. Neben uns ein paar Velofahrer, die unterwegs garantiert eine Tonne Sand essen mussten. Ihr Armä! Kurz geparkt und dann gibts nur eins: Duschen! Und mit Duschen meine ich: Sich Hals über Kopf in den Gletscherfluss zu stürzen. Scherz. Aber fast! Es gab keine Ausrede, denn wir sind beinahe schwarz, sooo viele verschiedene Dreckschichten kleben uns im Gesicht, an den Armen und an den Beinen.

Zwei Velofahrerherren sind bereits mit vollstem Einsatz daran, im Fluss zu baden. Sieh so einfach aus! Ich muss hier auch mal sagen: Allgemeine Hemmungen haben wir längst hinter uns gelassen – ich wohl letztes Jahr in Myanmar, als ich auf der Dreitageswanderung mit einem Plastikbecher aus dem Brunnen duschen musste und mein Kopf und Schultern dabei aus dem Brunnenrand rausschauten und ich mit ganzem Herzen hoffte, dass kein streng religiöser Nachbar um die Ecke kommt. Hier in Patagonien ist es regelrecht üblich, dass man jegliche Art von Outdoorreisendem dabei erwischt, sich in den klaren Wassern zu reinigen. Wenn einer mit Seife, Sandalden, Tüechli um die Hüfte aber mit dickem Wollpulli gegen die Kälte eingepackt ankommt, schaut keiner mehr schräg. Überhaupt schaut keiner, es sitzen alle im gleichen Boot. Ich munitioniere also meine Dr. Bronner Seife (absolute Empfehlung!!), die Teva-Sandalen – in denen ich eh lebe (oft mit Socken, schlimm gäll! Aber hey: No fcks given!) – damit man auf den schlieferigen Steinen nicht ausrutscht und dem Tüechli um den Körper und breche auf in die Eisfluten. Sven neben mir hat die Outdoorduschen bisher vermieden und auf Babyreinigungstücher vertraut. Schon als sein Zeh das Wasser berührt, ruft er laut lachend: „I AM TOO MUCH OF A PRINCESS FOR THIS!!!!“ Wir lachen uns einen ab, bis mir halbwegs die Organe einfrieren. Ohhhh shiiiit, mach schnell schnell schnell! Wo isch d Seife? Omg verlür si nöd! Fuuuu es isch chalt! Aahh ich gspür mini Füss nümm! Es wird fleissig geseift, geschaut, dass das Tüechli nicht nass wird und dass primär ich nicht all den Velo- und Autofahrern (plötzlich hocken die Typen gefühlt überall!!!) an der Strasse oben einen Show darbiete. Isch imfall schwieriger, als mer denkt. Soweit so sauber, doch eines müssen wir beide zugeben: Die Haare hier zu waschen, dass ist dann doch eine Nummer zu viel. Das Wasser ist so kalt, man hätte einen instant-brainfreeze. Nei merci. Andersmal!

Anschliessend gibts leckeres Chili sin Carne à la Sven (mein neues Lieblingsessen) und mehr oder weniger entspannten Schlaf. Am nächsten Tag heissts auf ein Neues: Auf in den Fluss, dieses Mal zum Wäschewaschen! Dank dem Sea to Summit biodegradable detergent geht das auch ganz ohne ökologische Sorgen. Ein bisschen Yoga und ein bisschen lesen später, gehts weiter auf dem Roadtrippli: Next Stop Puerto Rio Tranquillo!

Das Dorf liegt am rieesigen Lago General Carrera und ist wirklich ein reiner Touripunkt. Nix wahnsinniges, aber wir kamen hierher aufgrund der Marble Caves und dem Gletscher San Rafael. Und der Tankstelle! Ha! Die Fahrt nach Chile Chico war wie immer wunderschön aber mühsam, da stets Kieswege, mal tief, mal oberflächlich.  Schlussendlich haben wir den Gletscher nicht besucht, da 150 Stutz. Ehm nei thanks. Die Marble Caves auch nicht, da wir überall so viele Fotos davon sahen, dass wir sagen mussten: Ist jetzt auch keine Überraschung mehr lol. Und tanken konnten wir auch nicht, da sie hier seit Wochen offenbar nur Diesel hatten. Na bravo. Wir campen stattdessen direkt am Strand und treffen per Zufall noch auf den deutschen Hitchhiker Daniel, den wir damals mit den zwei Argentiniern über den Pass gefahren haben. Ein Weinchen später (Sven und ich trinken aus unserer Dopper-Flasche, drum muss der Daniel aus einem leeren Honigglas trinken, welches wir aufbewart haben!) noch den rosa Sonnenuntergang geniessen und dann schön schlafen, bevors am anderen Morgen einen Ausflug zum Lago Tranquillo und einen Kafi in meinem neuen „reusable Coffemug“ gibt. Richtig guter Kaffee ist manchmal schwierig, deshalb ist das Freudentänzli umso grösser, wenn ich eine gute Roastery finde! Und umso happier, wenn ich den Kafi aufgrund meines Cups sogar etwas günstiger bekomme! Yeih!

Die Fahrt führt dann ewigewig vorbei an blauen Seen, Flüssen und noch mehr Flüssen. Sogar eine Confluenzia, wo zwei verschiedenfarbene Flüsse zusammenfliessen. Einst wären hier beinahe Staudämme gebaut worden, die an erster Stelle die wahnsinnige Natur und das Leben der Lokalbevölkerung aber wohl auch den Tourismus als Einnahmequelle gekillt hätten. Thanks god, können wir diese Pracht heute ohne Staudamm bewundern.

Doch dann erspähen wir am Himmel eine brandschwarze Wolke. Sven so: „Da bricht en Vulkan us!!!“ Ich: „häts denn do überhaupt no Vulkän?!“ Wir kurz am Map studieren. Kein Vulkan weit und breit. Mhhh. WTF?! Die Fahrt Richtung Cochrane führt uns immer näher zu der schwarzen Wolke, die mittlerweile auch einen teuflischen Rotorange-Stich aufweist. Was zur Höll?! Kurz vor Cochrane ist das Spektakel am Himmel dann endgültig crazy!!! Wältuntergang oder was?!

In Cochrane angekommen sichten wir die Armee und die Feuerwehr und hüpfen ins nächste Café um uns zu informieren. Des Räsels Lösung: Waldbrände. Sehr nah, Alarmstufe Rot. Sei aber üblich hier, da die Sommer sehr heiss und trocken sein können. Wir seien in Sicherheit, aber die Rauchwolke war doch irgendwie gruslig. Geschlafen haben wir im Stadtpark. Also, wir parkieren am Randstein des Stadtpärklis und können darum nicht outdoor-kochen. Stattdessen gibts eine mehr oder weniger öffentliche (gemäss Sven halbwegs peinliche) Yogastunde und zum ersten Mal externen zNacht: Vegi-Sushi mit Avocadofrischkäse für mich (jap, wennschon dennschon) und einen Burger (10%-Fleischtag) für Sven. War sensationell! Dazu eine 50 Rappen Weintüte aus dem Supermarkt. Fancy hüt!

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isch imfall besser, alses usgseht.

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Wältuntergang im Hintergrund.

Cerro Castillo – THE HIKE! #Patagonia

Sodeli. Was für ein Tag für die Geschichtsbücher. Wirklich. Sage und schreibe 36 Grad meint das Thermometer, der heisseste Tag des Sommers meint ein Herr beim Parkplatz und endlos geschwitzt meinen ich und mein Wasserhaushalt. Der Cerro Castillo Hike ist ein „halber Geheimtipp“, so ist der Berg noch nicht so überlaufen wie andere Wanderrouten (Fitzroy, Cerro Torres, Torres del Paine). 3 Stunden hoch, 3 Stunden runter. Jap, es ist teils so steil und lose, dass man beim Runterlaufen fast gleichlang hat, wie beim hochkraxeln. Aber eis ums andere.

Unser Gastgeber im Camping (der Herr, mit dem ich schlussendlich wirklich tanzen musste) hat uns einen Tipp gegeben, dass wir eine alternative Route hochwandern sollen. Diese gehe etwas länger, sei aber weniger steil. Was er uns nicht gesagt hatte, war, dass man den Ausgangspunkt der Route nur mit 4×4 erreichen könne. Entsprechend sind wir auf halbem Weg nicht mehr weitergekommen und konnten grad noch umkehren, bevor die Strasse so richtig schitter wurde. Dann kurz parken und losgehts. Beim Eintrittsticket gibt’s gratis Sonnencreme. In Patagonien, wo fast nix gratis ist. Das muss was heissen. Ebenso gibt’s einen dicken Ast alias Wanderstock. Auch das muss was heissen…

Wir wandern also hoch auf den Cerro. Ich muss sagen, das ist wirklich eine sensationelle Route. Wenig Leute, viel Natur und noch mehr Aussicht. Der Wasserbedarf ist definitiv hoch und die twei natürlichen Wasserquellen unterwegs werden innig geliebt. irgendwann ist bei Sven wirklich die Luft raus. „Wie wiit gahts no?!“ „Die Gipfel hani vo dunde jo auscho gseh!!“ scherzt er halbwegs witzig, halbwegs todernst und gar nümme luschtig. Der Flachländer kann nicht mehr weiter hochlaufen und der „ironische Frust“, dass man diese Gipfel halt schon vom Tal sah, wächst. Da ich die Wanderführerin bin und meist plane, welchen Hike wir wo an welchem Tag machen, bin ich natürlich Schuld an der ganzen Misere. Gut, habe ich ein Ass im Ärmel. Angekommen gibts nämlich nicht nur einen Gipfel, sondern auch eine eisblaue Gletscherlagune. Mittlerweile kann ich euch sagen, kackt auf Fitzroy, Cerro Castillo und womöglich gar Torres del Paine. Keine Lagune ist so wahnsinnig schön wie jene von Cerro Castillo!

Oben brennt uns dafür die Sonne fast weg. Und der Wind bläst mit vollster Kraft. Wie immer. Trotzdem nehmen wir uns einen Moment des Ausschnaufens, knabbern Peanutbutter, Avocado und Brot und machen uns nach kurzem Kleiderwechsel, da pfludinass geschwitzt und in der Sonne bzw. im Wind wieder getrocknet, auf den Heimweg. Alles wieder runter.  Die Knie wollen irgendwann nicht mehr und ich auch nicht. Will nur noch duschen. Die Sonnencreme hat sich nämlich als maximalen Staub- und Dreckfänger entpuppt und Sven und ich sind beide eingepflastert. Hallo Fake-tan Unfall! Im Tal angekommen, (runtergewandert sind wir mit zwei jungen, netten – oh Wunder – Holländern. Invasion! Die sind echt einfach überall! Scherz.) gönnen wir uns ein Bier von einer lokalen Microbrewery (oberyum) und dann muss ich tatsächlich nochmals endlos Autofahren. (okay, nur ca. 1,5h) Die Motivation ist aber gleich null, doch Sven fand natürlich einen „megatollen Spot, wo wir unbedingt schlafen müssen…!!!“ Also guet. DÄNNHALT!!!!

Die Fahrt zu diesem „Spot“ entpuppt sich als eine reine Odysee. Die Sonne im „Sinkzustand“, leuchtet einem Schräg ins Gesicht und die ausgetrockneten Kiesstrassen lösen sich beim Fahren in riesige Staubwolken auf. Die Auto- und Lastwagenfahrer hier stets auf Kamikazetour, überholen wie die Gestörten und ich verbleibe teils minutenlang in einer undurchblickbaren Staubwolke. Merci gäll. Da nützen auch die Warnblinker nichts mehr, wenn man die Autos vor und hinter sich bis auf 1m Abstand nicht sieht. mähhhh!!! Aber: Wir werden belohnt!! Irgendwann erreichen wir tatsächlich unser Nachtlager und es ist ein Paradies. Mehr dazu bald!

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Cerro Castillo, die Nachbarn und los Manos #Patagonia

Auf nach Cerro Castillo! Zuerst in Cohaiyque, einer für patagonische Verhältnisse richtig grossen Stadt, noch etwas vegane Falafel essen und Gemüse einkaufen, bevor wir nach Cerro Castillo fahren. Dort schlafen wir ausserhalb vom Dorf, neben einem alten Schulmuseum und essen bei Sonnenuntergang mit Blick auf die Cerros unseren zNacht. Dahin werden wir am nächsten Morgen hinwandern. Doch zuvor noch zwei lustige Geschichten: Geschichte Nr. 1:  Wer campt mal wieder neben uns? Die Franzosen! Aber irgendwie sinds jetzt plötzlich drei Kids. Da sind nämlich wieder die Kids vom Strand und noch ein Baby! Ha! Wir werweisen wie die Wilden, ob die wirklich im Supermarkt vor uns an der Kasse waren und ich bin mir todsicher, dass die Tocher älter und grösser als ich war… stundenspäter des Rätsels Lösung: Ein viertes Kind kommt aus dem Höllencamper raus. Okay. Jetzt bini aber echt gwunderig, wie zur Höll das do funktioniert mit vier Chind uf Reise im Weltallmobil. Die Mutter ist am Unterwäsche waschen (im Scrubba!) und irgendwie bin ich so gar nicht neidisch. Ich seh ja nur schon, wie ultradreckig meine Klamotten die ganze Zeit sind und möchte mir nicht vorstellen, wie oft diese Mami die Handwäscheprozedur auf dieser Reise wohl schon durchgemacht hat. Lol.

Geschichte Nr. 2: Dann, als wir knapp fertig gegessen haben, taucht plötzlich ein Herr auf. Entpuppt sich, dass der gute Domingo unser Nachbar bzw. womöglich gar Besitzer des Parkplatzes ist. Er erzählt, dass wohl sein Grossvater das Dorf Cerro Castillo gegründet habe und bladibla. Er ist maximal angetrunken und möchte uns laufend motivieren, mit ihm ins Dorf zu kommen, weil dort eine grosse Fiesta stattfindet. Notiz am Rande: Das Dorf ist 10 Fahrminuten entfernt, wobei diese Fahrminuten ziemlich offroad sind, an einem steilen Hang entlang und auf engem Kieswegli, wo kreuzen fast nicht möglich ist. Es ist 23 Uhr, die Sonne ist fast nicht mehr da und Beleuchtung gibt’s abgesehen vom Auto nirgends. Nach dem dritten Nachfragen wird klar: Der gute Mann braucht einfach ein Taxi ins Dorf. Der nette Sven gibt nach und ich müffle ganz leicht vor mich hin. Nei ernsthaft etz. Ein Freudentänzli mache ich nicht wirklich, im dunkeln diese Gruselstrasse zu fahren und hinten einen besoffenen Fremden im Auto sitzen zu haben. Aber es könnte schlimmer sein, also los gehts. Wir laden den guten Herren ab und fahren zurück zu unserem Nachtlager. Sven pumpt die Matraze auf und ich versuche, mich auf dem Vordersitz umzuziehen. Dann kommt plötzlich ein Auto angedüst und ein andere besoffner Nachbar steigt aus. Ohje was isch denn do los?! Es ist schon dunkel, und ich mache schnell das Licht im Auto aus, damit wir weniger ausgestellt sind. Der Typ nähert sich uns in gefährlich betrunkenen Stürchel-Schritten und ich möchte unauffällig die Autotüren von innen schliessen. In meiner kleinen Stresssituation drücke ich den Schliesskonpf auf dem Schlüssel und vergass natürlich komplett, dass dann die ganze Karre nochmals in allen Regenbogenfarben aufleuchtet. Scherz. Aber Front- und Rücklicht sowie Innenraum (weil wir diesen manuell angemacht hatten) erstrahlten in vollster Pracht . Top. Läuft. Einmal kurz die ganze Aufmerksamkeit auf uns gezogen: Hallo Nachbar! Gut war der Herr so besoffen, dass ihm nicht mal das aufgefallen ist 😉

Ansonsten verlief die Nacht gemütlich und wir brachen am anderen Morgen nach sensationellem Frühstück mit Blick auf die Bergkette auf zum Wandern! Am Abend kamen wir dann kurz zurück, um die Los Manus zu begutachten. Neben unserem Stellplatz startete nämlich ein kurzer Trail zu den „Los Manos“. So entdeckte man in Cerro Castillo Handabdrücke von Ureinwohnern, die hier vor ca. 3000 Jahren lebten und damals mit roter und grüner Farbe (aus Guanacofett und Eisenoxid) negative (rund um die Hand herum „gesprayt“, indem durch einen Guanacoknochen geblasen wurde) und positive (farbige Hände an die Wand gepresst) Handabdrücke hinterliessen. Dies war ein Teil eines kulturellen Rituals. Spannend!

Zurück auf dem Parkplatz treffen wir eine chilenische Grossfamilie und ein Herr – wohl der Vater – beginnt uns stolz zu erzählen, dass dies sein Land sei und sein Grossvater das Dorf gegründet habe. Mhhh… kommt uns irgendwie bekannt vor?!

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