Cartagena #Colombia

Hola!

Die Kolumbienreise beginnt in Cartagena. Der wohl feucht-heissesten Stadt, die ich meinem ganzen Leben je besucht habe. Falls ich vor meiner Ankunft noch über mein Erscheinungsbild besorgt war (war ich, btw.), dann war das spätestens beim Verlassen des Flughafens nicht mehr nötig, denn: Ich schwitzte innert zwei Minuten gefühlte 5 Liter, Haare nass, Gesicht tropft, Klamotten kleben. „Oh, hoi!“

Noch nie habe ich eine solche erdrückende Hitze erlebt. Und es wurde einfach nicht besser. Keine Tageszeit war besser auszuhalten und kein Ort ausser das klimatisierte AirBnb schienen für Überlebens-Chancen zu sorgen. Aber hey, mir händs gschafft!

An Tag Eins sind wir noch etwas planlos umher geirrt, haben uns dann aber schnell zurechtgefunden in der geschäftigen Altstadt, wo dir jeder irgendwas – allem voran aber Wasser – verkaufen will! Mein Highlight in Cartagena war nebst der kolonialen Architektur, den vielen farbigen und mit Blumen geschmückten Häusern und den käsigen Arepas aber ganz klar der Sonnenuntergang auf der Festungsmauer. Mit ein paar Bier und Bananenchips (gibt’s hier überall) im Gepäck, haben wir auf den alten Mauern den Sonnenuntergang über dem rosaroten Meer genossen. Einfach wahnsinn. Der Besuch in einem Museum (klimatisiert) hat uns etwas die Geschichte Cartagenas mit dem Hafen, den Sklaven und dem Handel per Schiff nähergebracht. Vor allem hat es aber gezeigt, wie Stark die Kirche hier regiert hat. Wer irgendwelchen katholischen Regeln wiedersprochen hat, wurde gleich geköpft. Und zwar genau hier, im Vorgarten des Museums. Yeih. Nice!

Ansonsten haben wir in Cartagena ein meegaa herziges AirBnb gehabt und dort die ersten Pläne geschmiedet, wie wir diesen Monat gestalten wollen. Wir haben viel und gut gegessen (hier muss ich nochmals die käsigen Arepas erwähnen!), uns den ein oder anderen Drink gegönnt (Mojitos um 12 Uhr Mittags, wäge überhitzt), sind stundenlang durch die Gässli geschlendert und haben vor allem nach wie vor eins: geschwitzt!

So haben wir nämlich nicht mal an der free walking tour teilgenommen, weils dafür schlichtweg auch zu heiss war. Upsi! War aber auch egal. Stattdessen sind wir im Park gesessen und haben versucht, unsere Ice-Cream zu essen, bevor sie davonschmiltzt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Werbeanzeigen

Ein Lebenszeichen #zurückinPeru

Liebe Freunde und Familie,

Ich bin unverbesserlich, scheints. Schon wieder ewig nichts geschrieben hier! Macht euch aber keine Sorgen, alles gut bei mir in Südamerika. Es ist nur SO viel passiert, dass ich mit dem Schreiben nicht mehr hinterher komme. Genaugenommen bin ich nämlich am 6. September nach Kolumbien geflogen und am 6. Oktober erst zurück nach Huanchaco gekommen.

Unterwegs hat mich die spontane und unerfreuliche Nachricht empfangen, dass die Zeitung mich nicht weiter anstellen kann, weil sie die Meinungsseite – auf der ich präsent war – absetzen müssen. Schade! Nur hatte ich leider keinen Laptop dabei und konnte spontan nicht viel machen, ausser diese wenig schmackhafte Kost zu schlucken. Einerseits macht mich das Ganze sehr traurig, weil ich unglaublich gern für die Linthzeitung geschrieben habe, andererseits hatte ich aber sowieso den Plan, mich im 2020 wieder etwas niederzulassen und so kam das eine womöglich zum andere. Kei ahnig. Den Batzen von der Zeitung könnte ich natürlich nach wie vor gut gebrauchen *hust*, ergo musste Frau sich sponti eine Idee einfallen lassen. Drum habe ich kurzer Hand (ok, so schnell hanis denn doch nöd binenand gha) eine „professionellere“ Website erstellt, auf der ich in Zukunft meine „richtigen Artikel“ (also nicht diese filterfreien, fehlerhaften und direkt vom Herz geschriebenen Blogposts von hier) veröffentliche. Hier wird es nach wie vor viel mehr persönliche Details geben, wohingegen es auf der „professionellen“ Website doch eher sachlich bleibt 😉 Wen’s trotzdem interessiert (ist noch nicht ganz fertig, aber besser als nix): www.corinagerster.com

Nun, ich bin aktuell zurück in Peru und arbeite wieder für OCN und zwar am nächsten Geschäftsbericht für 2019. Ebenso werde ich wieder in derselben Primarschule Englisch unterrichten. Ich habe bereits sechs supererfolgreiche Surfsessions hintermir, nachdem ich genau seit 8 Tagen zurück bin – ihr könnt euch also vorstellen, dass die Tage nur so vorbeifliegen. Aufstehn – Gym – Office – Markt – Snack – Surf – Private Arbeit – Schlafen – Repeat. Die Wellen haben mich wirklich perfekt zurückbegrüsst, nicht zu gross, nicht zu klein, ewig lang und kaum eine Nase im Wasser! Herrlich.

Nebst der privaten Arbeit habe ich mir aber selbst noch eine RIESENAUFGABE für’s 2020 gestellt, von der ich euch an einem späteren Zeitpunkt berichten will. Ich kann nur sagen: Ich bin echt wahnsinnig busy, arbeite an 15 Sachen gleichzeitig und bin froh, wenn hier in Huanchaco bloss keiner mit mir quatschen, Kaffeetrinken oder ausgeh’n will! Scherz 😉 Ich versuche aber trotzdem, euch in den nächsten Tagen eine ausführliche Kolumbien-Reiseberichterstattung zu geben :)!

Ach ja, während ich in Kolumbien war, hat uns unser Vermieter auch noch aus der Wohnung geschmissen. War aber nicht schlimm, die „alternative, neue Wohnung“ ist nämlich zehn mal cooler als die Alte! haha! So kam ich zurück nach Hco in ein neues Zimmer, wo meine Mitbewohner glücklicherweise bereits meinen ganzen Kasumpel (isch nöd mega vill, het i eim Abfallsack Platz gha (exkl. Surfboards)) gezügelt haben. Yeih! Neuerdings habe ich von meinem Zimmer Zugang zu einem herzigen Balkon mit Hängematte und Sesseln, wo ich wahnsinnig gerne etwas lese und den Abend ausklingen lasse! James, mein Mitbewohner, bevorzugt den Balkon für die Morgenstunden, um den frischen Kaffee zu trinken. Genau, ich habe einen Mitbewohner, der morgens früh Kaffee braut! Wenn ich also aus dem Fitness zurückkomme, kann ich mir gleich eine erste Tasse reinkippen. Besser könnt’s nicht sein!

Ansonsten ist meine andere Mitbewohnerin Giulia nun leider abgereist. Somit ist die letzte Person der Crew, die wir von Juni bis Ende August zusammen hatten, auch weitergezogen. Huanchaco ist immernoch toll, aber mit neuen Menschen doch wieder ein ganz anderer Ort. Ein anderer Vibe halt. Und wieder fühle ich mich bestätigt in meinem Vorhaben, dass ich langsam es bitzli gnueg han vom „Reise“ oder vom Leben an „unbeständigen Orten“. Wisst ihr was ich meine? Ich habe zwar eine Routine hier, die mir Spass macht und die mir jeden Tag gefällt. Aber alle Menschen, die ich hier ins Herz geschlossen habe, denen musste ich jetzt halt doch auch wieder „Tschüss“ sagen! Und davon habe ich langsam genug. Und in Ehren an meine Huanchaco-Freundinnen gibt’s heute ein Foto, dass wir vor unserer grossen Trennung geschossen haben – haha!

Ok, bis bald, Tschüss 😉

 

bd49e3e9-0b0f-4ca0-9f14-330fb18dd34e.jpg3fefcbd3-ec85-4e61-b6e7-9593d19d7fec.jpg

 

 

 

 

Work & English Teaching #Huanchaco

Sodeli, mal ein kleiner Einblick in meine Arbeitswelt hier!

Marketing Coordinator

Ich arbeite vier Tage die Woche im Büro – als Marketing Coordinator. Immer Montags, Mittwoch – Freitags sitze ich von 9.30 Uhr bis 14.30 Uhr an meinem Laptop und schreibe Blogposts für Otra Cosa, helfe mit Video- und Bildmaterial und – was mein Hauptprojekt von Ende Juni bis Mitte August war – schrieb den kompletten Geschäftsbericht für das Vorjahr 2018. Der alte Geschäftsbericht war etwas chaotisch, lieblos und hart zu lesen. Mein Ziel war es, einen Einblick ins 2018 zu geben, der aber auch visuell ansprechend ist 😉 Hat mir gut gefallen, hatte ich ja immer ein gewisses Interesse für Investor Relations. Und – so vill chani säge – ich werde ab Oktober dann ebenfalls den diesjährigen Annual Report verfassen.

Die Stimmung im Büro ist meist gut, manchmal etwas hektisch und manchmal ist’s etwas eng – da das Büro genaugenommen eine Küche im Volunteer House ist, wo jeder seinen Laptop bringt und an zwei langen Tischen gemeinsam arbeitet. Manchmal herrscht Gelächter und manchmal schreien alle auf Spanisch am Telefon rum und manchmal sind alle in ihren Kopfhörern versunken. Ich arbeite hier mit den drei Festangestellten Irene, Rhiannon und Sophia sowie meist mit Giulia, meiner Mitbewohnerin und manchmal auch Fiona.

English Teaching

Immer Dienstags arbeite ich als English Lehrerin in einer lokalen Primarschule. Das Unterrichten von English an lokalen Primarschulen ist einer der HELP Projekte von Otra Cosa und bedeutet: Huanchaco Education and Learning Programmes. Die Projekte fokussieren auf unterschiedliche Bereiche wie Female Empowerment, Kids, English Teaching, Environment oder Literacy und dienen durchaus dem Empowerment der Lokalbevölkerung und des Nachwuchses.

Ich will kurz etwas ausholen, warum wir diese Englisch-Klassen anbieten. Und zwar gehört Englisch-Unterricht zum offiziellen Lehrplan in Peru, kann aber oftmals nicht umgesetzt werden, weil die Lehrkräfte (die meist alle Fächer unterrichten) selbst kein Englisch sprechen. Natürlich ist das in etwas „besseren“ Regionen oder in den Städten anders, aber in Dörfli oder auf dem Land ist es doch nocht oftmals der Fall, dass die Schulbildung sehr stark leidet. Peru hat in der Pisa Studie bspw. auf eine der letzten Plätze abgeschnitten. Die Lehrpersonen kämpfen mit kleinen Budgets, vielen Kids und zu wenigen Resourcen. Dasselben findet in und um Huanchaco statt. Deshalb sind wir hier in den Schulen als Englisch-Lehrer tätig.

Mehr Details,…

Die Primarschule, an der ich unterrichte, ist winzig klein. Eine Klasse besteht aus jeweils zwei Stufen (bspw. Grade 1 & 2; Grade 3&4) und das sind dann total zwischen 24 und 30 Kids (wenn dann mal alle anwesend sind). Die Schule liegt etwas ausserhalb von Huanchaco, sodass ich einen Bus in diese Nachbarschaft nehmen muss. Es ist eine sehr, sehr arme Ecke. Praktisch kein Gebäude ist fertig, praktisch keines ist gepflegt oder Instand gehalten. Die Strassen sind schotterig und diverse Familien haben kein fliessendes Trinkwasser. Die Lehrer haben hier auch einen ganz eigenen Spirit – chumi hüt nöd, chumi morn. Alles echli anders, echli gwöhnigsbedürftig.

Die Kids und überhaupt das Klassenzimmer waren für mich am Anfang etwas zu laut und zu chaotisch. Ich dachte: WTF, muss ich schreien damit mir einer zuhört?! Und die Antwortet lautet: Jap, das muesch. SILENCIO! Zumindest am Anfang. Mittlerweile kennen mich die Kids und ich brauche mich nicht mehr wie eine Verrückte zu verhalten, damit mir einer zuhört. Manchmal reicht ein: „Wer will etwas lernen?!“ (Jegliche Kommunikation immer auf Spanisch, da das Englischlevel viel zu niedrig ist, um Anweisungen zu geben). Und dann sind dann alle schon: „Ich! Ich! Ich!“ Wir unterrichten nach einem Lehrplan, den ich persönlich aber etwas anpassungsbedürftig finde. Gut wohne ich mit der „Englisch-Chefin“ zusammen, so kann Feedback zu Unterrichtsthemen direkt diskutiert und für die Zukunft in einem neuen Lehrplan umgesetzt werden. Auch sonst gibt es wöchentliche Meetings mit Feedbacks, mit Tipps & Co., wie man so eine Rasselbande denn auch im Zaum hält. Die für mich grösste Herausforderung ist nämlich nicht das Beibringen von Grammatik oder Vokabular (& das mache ich am liebsten), sondern das Behalten der Aufmerksamkeit. Die Kids sitzen keine fünf Minuten still. Immer will einer aufs Klo, fängt an Stifte rumzuwerfen oder rennt ganz einfach grundlos etwas durchs Zimmer.

Damit die Kids motiviert bleiben und etwas lernen, machen wir viele Spiele mit ihnen. Molly, meine Teachingpartnerin, und ich singen dann halt mal ein Lied mit Farm Animals (jap, grausame Ohrwurm, mir all chönden in- und uswendig singe) oder den „Hello, how are you?-Song“ (de hassi, e furchtbari Melodie!), oder Head-Shoulders-Knees-&-Toes oder wir bereiten ein Wordsearch Spiel, ein Hangman oder Bingo vor. Was me nöd alles macht!

Das „Hello, how are you“ Thema ist sowieso so eine Sache für sich. Nämlich kennen alle Kids die Frage, doch anstatt mit „I am good!“ zu antworten, wiederholen sie einfach die Frage. Und ich sag’s euch, wenn eines Morgens jedes Kind auf „Hello, how are you?“ mit „I am good / tired/whatever“ antworten wird, dann lasse ich mir einen Doktortitel schreiben.

In der Pause essen wir alle draussen, während die Kids rumrennen und spielen. Oft werden wir mit ins Geschehen reingezogen und werden wie wild umarmt. Die Kids suchen brutal viel Liebe. Mir war das am Anfang beinahe unangenehm, da ich mir „schlecht“ vorkam, wildfremde Kinder zu umarmen. Irgendwann realisierte ich aber, dass diese Kids aus teils sehr, sehr schwierigen Verhältnissen kommen. Häusliche Gewalt ist ein sehr, sehr grosses Thema hier. Und wenn ein Kind „Liebe sucht“, und dich umarmen will, dann gib diese Liebe. Für mich irgendwie neu, war ich ja nicht so mega die Kinderknuddlerin und bins noch immer nicht. Aber jetzt, wo ich die Kinder beim Namen kenne und sie mich auch immer mit lautem „Professora Corina!!!“ begrüssen, kann ich nicht anders, als sie ehrlich in den Arm zu nehmen.

Ansonsten ist es ziemlich happig, wenn man eine Klasse mit fast 30 Kids hat, von denen jedes einzelne einen komplett anderen „Bildungsstand“ hat. Pro Klasse gibts etwa 3-6 Kids, die – wie soll man es anders sagen? – allergrösste Lernschwierigkeiten haben. Die einen können nicht mal Spanisch sprechen, wie sollen sie auch Englisch lernen? Es gibt ein paar Mädchen, die können auch nicht wirklich „konzentriert / fokussiert zuhören“, malen irgendwas, komplett neben dem Bild. Themen wie Feinmotorik und so sind hier relevant, denn das Halten und Beherrschen des Farbstifts funktioniert noch / gar nicht.

Am Anfang hätte ich echt heulen können, denn die Realität ist halt echt so, dass man weder auf die ganz „bedürftigen“ noch auf die ganz begabten Kids fokussieren kann, weil einem schlichtweg die Zeit fehlt. Jedes dieser Kinder verdient unsere volle Aufmerksamkeit und es ist absolut unmöglich, dem gerecht zu werden. Die einen sind gelangweilt, während dich die anderen nur mit grossen, verwirrten Augen anschauen. Entsprechend wünschen wir uns manchmal eine dritte Lehrperson, die einfach nur mit diesen Kids dasitzt, beim Malen und Sprechen hilft. Ich bin ja beim besten Willen nicht geschult für sowas, habe aber ziemlich viel Freude daran, mit diesen Mädchen zu arbeiten. Immer wenn ich frage: „Willst du meine Hilfe beim Schreiben?“ nicken die einen wie verrückt und dann nehme ich ihre Hand und wir schreiben gemeinsam die Buchstaben.

Ja, man kommt sich hier immer sehr nahe, entsprechend war es wenig überraschend, dass ich nach zwei Wochen Kopfläuse hatte. hahaha! Die bini aber schnell wieder losworde. Unterm Strich habe ich eine Hassliebe mit dem Unterrichten, weil die erste Klasse (8 Uhr) immer der absolute Alptraum ist und am Ende (13 Uhr) die lustigsten Kids kommen, endet mein Dienstag irgendwie doch immer happy.

Wie weiter?

Nun, heute um 17.30 Uhr fliege ich nach Lima. Morgen treffe ich dort Tanner und Tim (der wird 35! kleine Nachmittagsfiesta) bevor abends mein Weiterflug nach Kolumbien geht! Ich werde einen Monat in Kolumbien verbringen und rumreisen – freue mich wahn-sin-nig!

Am 6. Oktober fliege ich dann wieder zurück, Bogota-Trujillo. Komme zurück nach Huanchaco, wo ich meinen Kram in der Wohnung lassen kann. Ich freue mich über die Auszeit im heissen Norden, freue mich aber auch, am 7. Oktober wieder im Büro zu sitzen und am 8. Oktober wieder in der Schule zu stehen 😉

Ich werde meinen Laptop nicht nach Kolumbien mitnehmen, da wir einerseits viel im feuchten Djungel unterwegs sein werden, andererseits aber auch weil ich keine Zeit mit Schreiben verbringen möchte 🙂 Anderi Prio’s und so. Scherz 😉

Chaooooo!

IMG_6162OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAIMG_6164EC046003-89C2-4986-9FAC-317C51912CAA4B9C0A36-DEFB-4281-B7DE-FD7D62E500527e0031ab-478b-4e4e-afaf-958704997a97

fbe36841-e29b-484f-ba03-7c9e9f865819
Hier gaben wir während den Winterferien Klassen für Kids, die freiwillig noch etwas mehr lernen wollten, in der Bibliothek in Huanchaco 🙂

 

Home for a while #Peru

Soooo.. ENDLICH ist es soweit, dass ich euch vollumfänglich über die letzten drei Monate informiere. Eieie, wie die Zeit geflogen ist! Seit letztem Jahr hat sich bei mir ja langsam aber sicher der Wunsch nach Freiwiligenarbeit entfacht. Nach verschiedenen workaway-Erfahrungen (eine Platform für Volunteering) und dem Volunteering in einem Hostel, musste ich aber sagen: Ich will für eine NGO arbeiten. Ich will nicht einfach eine billige Arbeitskraft in einem Hostel sein und damit gar einem Local die Chance auf einen bezahlten Job wegnehmen. Ich will meine Ausbildung oder Berufserfahrung einsetzen können, um an einem guten Zweck zu arbeiten. Ich wollte für eine seriöse Organisation arbeiten, kein Schischi, sondern „öppis rächts“.

Als ich in Pichilemu war, habe ich mich zudem stark mit Masterstudiengängen im Bereich Humanities, Anthropology / Ethnology und International Development auseinandergesetzt. Per Zufall habe ich dann auf einer Website einer Uni den Verweis zu einer NGO in Peru gesehen. Und gedacht: „Ach, Peru ist ja nah, da will ich sowieso hin.. die schau ich mir mal an.“ Auf die Website gegangen und gesehen, dass die NGO tatsächlich an exakt dem Ort sitzt, wo ich dem Surfen wegen hin will. Kurz auf Jobopportunities gegangen und gesehen, dass ein Marketing Coordinator gesucht wird.

Ja du heilige Bimbam.

Mal schnell den Lebenslauf auf English abgetöggelt und geschickt. Am anderen Morgen die Rückmeldung: „Hey Corina, du scheinst perfekt zu passen. Wir würden uns freuen, wenn du kommen könntest!“ Ich mal richtig aus dem Häuschen. Doch ganz so einfach war’s nicht: Es folgten ein 6-seitiger Vertrag, ein Strafregisterauszug, den mir Mami auf der Post in der Schweiz beschaffen musste (es leben die Schweizer Bürokratie und Vollmachten) und ein Geldtransfer für ein Zimmer in einer WG, das ich für drei Monate mieten wollte (händer würkli heiss Wasser?!). Und zack, war ich gesettelt: Vom 1. Juni bis 31. August werde ich in Peru „arbeiten und leben“! Also noch kurz in Lima zwischengestoppt, bis es dann mit dem nächsten Nachtbus in den Norden nach HUANCHACO ging!


Jetzt sind die drei Monate schon fast vorüber und meine Zeit in Hco war SOOOOO guuut, dass ich gar zurückkehren werde. Ich geh jetzt im September mal ein bisschen nach Kolumbien und komme dann am 6. Oktober zurück – für nochmals 1,5-2 Monate. Je nach Visum… Warum Hco so toll ist, was ich im Details so getrieben habe und alles, was man sonst noch so erzählen könnte, werde ich in den nächsten Blogposts erzählen!

Anfangen tue ich aber kurz mit meinem ersten Eindruck und meinen Menschen hier.

An einem verschlafenen Sonntag hat mich Almu, eine andere, ältere Volunteer nämlich abgeholt und in meine Wohnung geführt. Schlüsselübergabe und so. In der Wohnung selbst habe ich zuerst mal 30 leere Bierflaschen (schön arrangiert, perfekt für Bowling) gesehen und laut gelacht. „Mit wem wohn ich gnau?!“ Almu versicherte mir, dass Tanner ein guter Typ sei und der Lorenz auch ganz entspannt. Aha, zwei Typen, sehr guet. Und sonst so? Ja sonst ist hier in Hco alles in ein paar wenigern Gehminuten zu erreichen. Zum Markt, der jeden Tag bis 13 Uhr geöffnet hat, ists 10 Minuten. Zum Surfen – je nach Strandabschnitt – zwischen 3 und 10 Minuten. Zum Büro gehts da nach links, ca. 3 Minuten und den besten Kaffee gibts hier rechts die „Haupstrasse“ runter in 3 Minuten. Gym gibts auch, 2 Minuten entfernt. Wow, läuft! Huere geil!

Ich verbrachte den Tag mit spazieren in Hco und einer guten Dusche. Heiss Wasser hämmer! Abends kam dann mein Mitbewohner nach Hause: Tanner, 23, Kanadier, ehemaliger Free Ski Profi Team Canada und ein Charakter sondergleichen. Tanner ist daueraktiv, kann nie allein sein und ist seit 3 Wochen hier. Wir haben schnell gemerkt, was für eine Art Beziehung wir haben: Endlich Surfbuddies! In der Tat haben wir beide ein Board gekauft und sind dauerhaft gemeinsam im Wasser. Es wird gemeinsam gejubelt, wenns gute Wellen gibt und gemeinsam gestresst, wenn ein grosses Set kommt. Tanner, der absolut keine Angst vor nix hat, pusht mich wahnsinnig. Und er ist ein harter Kritiker. Aber wenn er mir ein Kompliment gibt, dann ists 100x mehr Wert als von irgendwem, weil ich mir das gute 2 Monate verdienen musste. Mittlerweile hilft er mir fest beim Duckdiven, sodass das irgendwann rund und ohne grobes Wegspülen läuft.

Lorenz kam erst etwas später zurück aus Ecuador, wo er für seinen Visa-Run war. Er ist seit 4 Monaten hier und 26, Deutscher. Ein absolut lieber Typ. Sehr entspannt und durchaus etwas verschlafen, hat er absolutes Gespür für Menschen und einen guten, trockenen Humor. Im Gegensatz zu Tanner kann Lorenz brutal gut allein sein 😉 Er ist zudem DJ und hat in unserer Wohnung immer für dezente Tunes gesorgt. Er ist der wohl verliebteste Mensch, den ich je getroffen habe und es war mir eine RIESEN Freude, dass ich im August dann endlich sogar auch noch seine Freundin Jo, die aus Deutschland herkam und ebenfalls liebe ist, kennenlernen durfte.

Fiona wurde mir als allererste, andere Volunteer vorgestellt und ich habe die ultrasympathische, liebe und herzige Britin sofort ins Herz geschlossen. Fiona ist mein Fitness-Buddy und kommt ab und zu auch surfen. Sie ist der absolute Master of Desaster in Sachen „Fussverletzungen“ vom Surfen. Jedesmal blutet irgendwas. Oder das Board verliert eine Finne, hat eine Beule oder die Fiona selbst hat eine Beule. Oder ich habe eine Beule wegen ihr. hahahaha! In der zweiten Woche hat sie mich gebeten, zu schauen,  ob sie Läuse von den Kids der Ramp habe. Jap, hatte sie. Und ich dann später auch. Nicht sicher, ob von ihre oder von meinen Kids in der Schule. Ohhhmannno!

Und dann, 1-2 Wochen später, kamen noch die junge Molly und die noch jüngere Giulia dazu. Giulia zog bei uns ein, Tanner zog dafür aus – ins Eigenheim. Lol, scherz. Giulia ist aus Frankreich, kann brutal gut zeichnen, ist ebenso ein Excelfanatiker wie ich (Jungfrau!) und ich schwör, isch mängisch eifach sooo französisch!!!! Letztens haben wir gefrühstückt und es gab weniger Brot als sonst. Ich so: „Chum mir fröget, öbs eus no bitz chönd bringe“ und sie so „Ja, ich gahn gad schnell“ und dann höre ich sie an der Theke in einer Lautstärke: „Also wir kommen jede Woche hier hin und sonst gibts immer mehr Brot, also für den selben Preis möchten wir auch den selben Service. Bladibladibla.“ Ich in Bode am Versinke. OMG DUDE!!! Sie kommt zurück und ich nur so: „Altiiiiiii, gahts no französischer?!“ hhahahaha eifach mal umemotze und beschwere, so lauft das döt. Und sie nur so: „OMG, debii isch das no di fründlich Version gsi!!!“ LOL. Wir gehen nach wie vor jede Woche ins Choc Cafe und ich fürchte mich bis heute, dass die uns seither ins Essen spucken.

Molly hingegen ist aus England und hat einen le-gen-dären Humor. Ich kann nicht mehr, wirklich. Auf den ersten Blick ist sie ultratough, doch wenn man sie besser kennt, ist sie durchaus noch sehr jung und die allerliebste. Sie liebt Hunde über alles und hilft drum auch spontan noch im Dogshelter – einem Zuhause für kranke, verletzte Strassenhunde aus. Zudem ist sie meine English-Teaching-Partnerin! Wenn wir rumhängen, reisst sie immer die besten Sprüche und hat Karten-Tricks auf Lager, die wir alles bis heute nicht verstehen. Aber wenn in der Schule keiner zuhört und alle 30 Kids rumschreien und rumrennen, dann kam von Molly stets nur ein stilles: „Silencio, por favor???“. So herzig. Und letztens meinte sie dann stolz: „Heute hab ich imfall „SILENCIO“ geschrien! Du wärst stolz gewesen, hahaha!!!“ That’s my guurl.

So, das war eine kurze Vorstellung meiner Buddies hier. Mit diesen Menschen habe ich die letzten drei Monate nahezu 24/7 verbracht. Manchmal sehnte ich mich nach einem Moment für mich allein, aber ich muss sagen: Die Momente mit solchen Menschen muss man geniessen. Die vielen Biere abends zu Sonnenuntergang, die gemeinsamen Gelächter, die wilden Nächte im Frogs (oder ausserhalb Frogs…), die verkaterten Geschichten, der Klatsch und Tratsch vom Dorfleben hier und all die Brownies und Shawarmas und Crepes die wir gemeinsam vernichtet haben, machen Huanchaco für immer zu einem speziellen Ort. Egal wo ich hinlaufe, es kommt mir irgend eine gute Story in den Sinn.

8C276071-FCF2-49B6-A647-142B2C5EC5A1
las chicas (Giulsi, Molly, Fiona, y yo)
eabcb03b-f851-4cf6-9b36-127673ff9677
Tanner, yo, Lorenz(o), Fiona & Moles

ba566a80-44f6-45f6-beea-2306364ecdeb

IMG_6263
Lorenzo Swagger
70147DB1-06F2-4068-9B6C-3DB63FE27609
brkfst after frogs inkl. Coralie (Quebec)
82a047b7-edf0-4cbf-a34b-6b6cb1bfdc48
chao quebec
C21FBE93-9315-41C0-98F8-3B8DAFDDB2F0
surfer burger yenga
0AA74322-9F62-4BA0-AE80-DCD61122F621
tanner on saturday mornings
170ae514-7bfe-4ed7-b51a-d60e5cc0ef89
fidog y yo
bacb5248-a156-4e7e-8caa-bfb763f1644a.jpg
fooood
7e4d1f31-42b3-40c0-86b9-46bf34a69afa.jpg
bromance

Arequipa #Peru

Mein erster Stopp in Peru ist Arequipa. Eine wirklich wunderschöne Stadt. Doch am meisten gefällt mir, dass ich hier meine Freundin Kathi aus Potosi per Zufall wieder treffe! Wir haben etwas gechattet und gemerkt, dass wir gleichzeitig in Arequipa sein werden – entsprechend mussten wir uns natürlich gleich zum Kaffee und Sightseeing verabreden!

Gekäfelet wurde ausserordentlich gut und bei der Stadtbesichtigung das natürlich das meegaa eindrückliche Kloster Santa Catalina nicht fehlen. Eine farbenfrohe Kombination mit interessanter Architektur und einem spannenden Einblick in das Leben der Schwestern hier. Vorallem, nachdem ich Einblick ins Missionsleben in Bolivien erhalten hatte. Gadechli religiös do, hm?! Das Kloster ist so schön, schaut euch die Fotos unten selbst an!

Ansonsten bin ich in Arequipa nochmals krank geworden. Und zwar genau in der Nacht, als das Wasser in der Region auch nicht verfügbar war. Ich bin nachts aufgewacht und merkte: Ich muss kotzen. NÖD SCHO WIEDER. Der Gedanke schiesst aber grad zu: Ich muss raus aus dem Schlafsaal, denn das kann ich meinen Mitbewohnern im geteilten Badezimmer nicht antun…

Ich renne also schlaftrunken runter in den Garten, wo es nochmals Toiletten gibt. Ich öffne den Deckel und yeih, da hat einer schon sein Geschäft hinterlassen. Ich möchte nach draussen rennen und in die Blumenbeete kötzeln, doch schaffe es nicht mehr: Es landet alles im Brünneli… Ich überlege eine Ewigkeit, ob es eine Möglichkeit gibt, das Schlamassel zu putzen und scheitere kläglich. Ultraschämig gehe ich zur Rezeption und erkläre dem jungen Mann von meinem Missgeschick. Ich entschuldige mich knallrot und frage, ob er etwas Flüssigkeit zum Putzen habe. Er lacht nur, fragt, ob es mir denn jetzt immerhin besser gehe und dass er sich drum kümmern werde… ohhhh maaaaannnnn

Ein weiteres Mal werde ich daran erinnert, meine Wasserflasche wenn immer möglich zu füllen und nie leer zu lassen. Trinkwasser und überhaupt Zugang zu Wasser scheint ein Lektion zu sein, die ich immer wieder lernen muss. Vielleicht ist das ein Zeichen ;-)?!

Ansonsten wandern Katharina und ich zu einem kleinen Aussichtspunkt in der Stadt und geniessen das milde Klima. Denn ja, zum ersten Mal seit MONATEN kann ich hier mit blutten Beinen im Sommerkleid rumlaufen! Habe ich das gute Stück Stoff doch nicht umsonst mitgeschleppt! Ansonsten war’s entweder zu kalt oder zu windig. Ha! Wer sonst noch wandern will, findet um Arequipa herum den Colca Canyon – eine beliebte Wanderoase. Doch ich hab keine Zeit, muss ja immernoch ein Datum einhalten… Drum gehts im nächsten Nachtbus nach Lima – 18 Stunden!! Da habe ich mich nach meinem kleinen Kotzmoment auf kein Risiko eingelassen und first class gebucht. Die Busflotte heisst „Exclusiva“. Mal schauen, wie exklusiv die sind? Ich säg eu: UHUERE GEIL!

Besser als First Class im Flugzeug. Ein riesen Sitz, den man 180 Grad runterklappen kann zu einem kompletten Bett. Und der Sitz ist so breit, dass man sogar in Fötusposition schlafen kann. Eiiiii perfekt! Rund um sich herum kann man einen Vorhang für Privatsphäre ziehen und zur allgemeinen Unterhaltung gibts einen Videoscreen wie im Flieger. Ich habe mir tatsächlich vier Filme in Spanisch reingezogen und dann über 10 Stunden gepennt! YES!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Titicaca #Bolivia

Endstation in Bolivien ist der Titicacasee. In der Altiplano-Hochebene gelegen, ist die Luft hier nach wie vor dünn, nachts ist es eiskalt und tagsüber brennt die Sonne gnadenlos runter. Der See gehört teils zu Peru, teils zu Bolivien. Ich komme direkt von La Paz nach Copacabana – so heisst das touristische Dörfchen, von wo die Boote zur Isla del Sol gehen. Hat mit Brasilien nix zu tun.

Ich schlafe eine Nacht in einem Hostel in Copacabana, wo ich gleich zwei sehr nette, offene Schwedinnen treffe und wir vereinbaren, dass wir gemeinsam zur Isla del Sol aufbrechen werden. Die Isla del Sol ist ein beliebtes Highlight auf dem Titicacasee, weil sich hier nach wie vor Ruinen der Inkas befinden. Zudem liegt der höchste Punkt auf der Insel auf über 4000 Metern! Crazy, für Inseln, die man ja sonst vielmehr mit dem Meeresspiegel verbindet… Doch die Aussicht auf die Anden im Hintergrund, die noch viel höher sind, lässt einen ein Palmenparadies schnell vergessen. Dieser Ort ist atemberaubend schön! Keine Autos und nur 2000 Menschen leben hier. Die meisten leben vom Fischfang und Tourismus. Das Leben ist humble und hart, die Infrastruktur basic. Wir übernachten auf der Insel, das Wasser funktioniert nicht, wir frieren brutal und nachts werden wir alle krank. Eine der Schwedinnen muss sich pausenlos übergeben, aber erinnert euch: Kein Wasser. Yeih. Morgens beim Frühstück kämpfe auch ich mit Übelkeit und Durchfall. Immernoch kein Wasser. Ja, in solchen Momenten wird mir der wahnsinnige Wert von fliessendem Wasser, von einem Wasserhahn, einer Toilettenspühlung und einer warmen Decke immer wieder sehr fest bewusst.

Am Titicaca See sind auch die „schwimmenden Inseln“ der Urus (ein anderes Volk als die Inkas) ein beliebtes Touristenziel. Ich hörte viel negatives, sodass ich mich gegen den Besuch dieser Inseln entschieden habe. Die Inseln „schwimmen“, da sie aus Totora-Schilf gebastelt sind und so „floaten“. Dass ich später in Peru mit dem Totora-Schilf noch wahnsinnig eng in Kontakt kommen werde, wusste ich damals aber noch nicht 😉 Zufälle gibts…

Ansonsten ist die Isla einfach schön zum Wandern, sich sonnen oder – für ganz Mutige – im kalten Wasser zu baden. Für uns nach de gings halbwegs krank wieder zurück nach Copacabana und dort wurde in einem veganen Hostel „auskuriert“. Ich schnappte mir am nächsten Morgen den Bus (beziehungsweise zwei Busse) nach Arequipa, war ich irgendwie etwas fertig mit Bolivien. Ich war nun wieder etwas mehr als einen Monat auf Achse, seit ich Pichilemu verliess. Und wohl etwas müde, weil ich wusste, dass ich einen fixen Termin in Peru einzuhalten habe 😉 Bald mehr dazu!

Ansonsten war die Busfahrt ab Copacabana via Puno wieder ziemlich intensiv. Vorbei an den ärmsten Regionen, vorbei an Fischerdörfern, die aus dem verseuchten Abwassertümpel die Fische fangen. Vorbei an Minen und anderen riesigen Produktionsstätten von wasweissich. Vorbei an kilometertonnenweise Abfallbergen. GINORMOUS! Immer beim Busfahren kriege ich ein riesen Tief. Einerseits, weil so viel Shit an mir vorbeizieht. Aber auch, weil ich weiss, dass ich mich davon wegbewege. Ich bin flexibel, habe jeden Tag die Möglichkeit, das zu tun, was mir grad einfällt. Ich kann mich hier zwar über das fehlende Wasser beklagen, weil nach dem Kotzen so ein bisschen den Mund spülen und Zähneputzen halt schon ideal wäre. Aber wegen einem Mal, da geht die Welt nicht unter. Morgen bin ich wieder in meinem schönen Hostel mit heisser Dusche. Und die Leute hier? Nada. Nix. Es verändert sich nix. Ein Jahr ist es her, dass ich in Asien war. Zigfache Armut in jeglicher Form gesehen. Zu 99,9% hat sich für diese Menschen bislang genau gar nichts verändert. Genauso wird sich hier in nächster Zukunft nichts für die Menschen ändern, die kein Zugang zu Hygieneprodukten, zu Trinkwasser, zu heissem Wasser, zu Elektrizität, zu Gesundheitsversorgung oder zu Schulbildung haben. It sucks.

Immer im Bus drin wird es mir am meisten klar, wie ich mich weiterbewege, wie die Farben und Gebäude und Gesichter beim Beschleunigen verschwimmen und irgendwann alles nur noch eine Erinnerung ist. Doch für die Menschen hier bleibt es Realität. Jeden Tag.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

La Paz #Bolivia

La Paz ist eine grosse, von der Armut geprägte Stadt. Und im Gegensatz zu allem, was ich in Bolivien bislang gesehen habe, komplett eigen. Sucre beispielsweise wurde stark von der Kolonialzeit beeinflusst, La Paz hingegen ist bis heute sehr „indigen“. Von der Kolonialzeit gibt es nur wenige Spuren. Entsprechend auch wenige Spuren von Reichtum oder von Diversität. Dafür gibt es hier authentische Nachfahren der Aymara, dem hier und in den umliegenden Regionen ansässigen, indigenen Volk.

Wo Sucre sehr „kosmopolitisch“ oder zumindest international wirkt, tragen in La Paz viele bolivianische Frauen die traditionelle Aymara Kleidung / Tracht, den Melonen-Hut (vrgl. Charlie Chaplin) und dicke Strümpfe. Spannender Fact? Der Rock geht meist über die Waden, weil die Wade als das „heisseste“ Körperteil der Frau betrachtet wird. Und das Schönheitsideal sieht so aus: Je dicker die Wade, desto besser. Die Frauen tragen nämlich Unmengen an Sachen in Körben oder Wickeltüchern die steilen Strassen von La Paz hoch. Und nicht zu vergessen: Wir sind hier wieder in der dünnen Luft unterwegs, so ist La Paz mit 3.640 Metern über Meer die höchstgelegene Verwaltungsstadt der Welt! Apropos Höhe gibt ich noch einen spannenden Fact Nr. 2: Der Flughafen in La Paz/El Alto ist so hoch gelegen, dass nur kurze Distanzen bis maximal Lima geflogen werden können. Denn das Flugzeug kann nicht allzu viel Sprit tanken, weil es sonst in der dünnen Luft zu schwer ist, um abzuheben! AHA!

Doch zurück zu den Waden: Dicke Waden und überhaupt eine „dickere“ (nach den gängigen Schönheitsstandards in unseren Breitengraden) Körperform steht für Stärke, für’s Überleben. Entsprechend versucht man auch gezielt den Rock so zu schnüren, dass es aussieht, als dass die Hüften noch etwas extremer ausgeprägt wären.

In La Paz bin ich in einem wirklich schönen Hostel untergekommen und habe gleich zwei meegaa liebe, junge Schweizerinnen aus Zug kennengelernt und mich für die nächsten drei Tage mit den Mädels verbündet. Zusammen haben wir an der Stadttour teilgenommen und wiedermal verrücktes gelernt:

Pachamama und Hexenmärkte
In La Paz ist es keine Seltenheit, dass man am Strassenrand tote Llamababies kaufen kann. Auch andere Überbleibsel, Skelette und Tinkturen stehen in grusligen Gläsern bereit. Doch in den Untiefen der Stadt sogar regelrechte Hexenmärkte, wo man sich besser nicht mit den Ladies anlegt. Wer will schon verhext werden?! Ja, die Bolivianer glauben fest an ihre Mythen, Sagen und die Magie. Und natürlich glaubt man hier auch fest an die Göttin Pachamama und ihren Einfluss. ABER: Was hat das ganze nun mit Llama-Babies zu tun?

Nun, einst hat man gesagt, dass man, bevor man ein Haus baut, ein totes Baby/Kind unter dem Fundament vergraben muss. In der Tat werden bis heute ähnliche Zeremonien verfolgt, nur nimmt man halt ein totes Llamababy, das „aus natürlichen Gründen“ verstorben ist. Jawohl, ja.. mhhmhh.. Ab und zu habe man auch betrunkene Obdachlose in ein dunkles Eck gelockt und ermordet, weil diese dann quasi eh „von keinem vermisst werden und von ihrem Elend erlöst werden“. OOKAAY. Spannender Fact zum Dritten: Es wird aktuell ein neues Regierungsgebäude gebaut. Bei dessen Bau wurde nichts geopfert und keine Zeremonie für Pachamama gehalten. Und dann, für viele ganz unüberraschend, stürtzte ein Arbeiter vom Hochhaus und verstarb. Die einen sagen: Kein Wunder, dass Pachamama hier ein Menschenleben gefordert hatte! Ich dachte mir eher: Kein Wunder, bei den stets fehlenden Sicherheitsstandards bei den hiesigen Bauprojekten… Aber hey, ich wills mer au nöd verscherze mit de Pachamama, also psssst.

San Pedro Gefängnis / Marching Powder

In der Mitte von La Paz liegt zudem das Gefängnis San Pedro. Es scheint von aussen einfach eine Steinfestung zu sein. Doch was hinter diesen Wänden abgeht, mag man sich nicht vorstellen. Oder doch?

Es war einmal der britischer Drogenschmuggler Thomas, der im San Pedro Prison inhaftiert wurde und gemeinsam mit einem jungen Autor ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben hat. Nicht nur das: Anno dazumals, hat er es auch geschafft, „Gefängnistouren“ anzubieten. Man konnte damals ins Gefängnis rein und sogar dort übernachten! Abgefuckt, denkst du? Bhu, lies mal das Buch (Marching Powder) und dann kommen da noch ganz andere abgefuckte Tatsachen ans Licht…

Spannende Facts zum Vierten: Im Gefängnis drin herrscht eine kleine Parallel-Stadt. Es gibt verschiedene „Nachbarschaften“. Die Luxuriösen und die Slums, wenn man so will. Das Ungewöhnliche: Man muss sich in den Nachbarschaften eine Wohnung / Quadratmeter kaufen! KAUFEN! Es gibt Shops, Restaurants etc. wo man arbeiten und Geld verdienen kann. Wenn man so will, hat das Gefängnis seine kleine eigene Welt und Wirtschaft, wo man beinahe alltäglich funktionieren kann. Viele inhaftierte Männer leben dort „soweit so normal mit Familien und Kindern“.

Das Buch heisst jedoch Marching Powder, weil, oh Wunder, das Gefängnis auch das beste Kokain Boliviens (oder Latinamerikas? Das hören die Narcos sicher nicht gern!) herstellt. Mit Coke machte und macht man natürlich jede Menge Cash, was die Wirtschaft des Gefängnisses schön ankurbelt(e). In verschissenen Windeln sei das Kokain nachts über die Gefängnismauern geworfen worden und dort vom Abnehmer am Strassenrand aufgepickt und weitergedealt worden. Ich habe die Augen beim Vorbeilaufen jedes Mal offen behalten, doch keine Windel rumliegen sehen 😉

Das Buch ist wirklich kein Kunstwerk der Literatur, aber auf JEDENFALL spannend zu lesen – ob man jetzt an den Mauern von San Pedro steht, oder nicht 😉

El Alto / Market

El Alto ist der „noch höhergelegene Stadtteil“ von La Paz. Am besten gelangt man mit dem ansässigen Gondelsystem in die höheren Gefilde der Stadt. El Alto ist berühmt für den lokalen Hexenmarkt und für die „Feria 16 Julio“ am Donnerstag und Sonntag (glaubs). Mir wurde der Markt für Secondhand Klamotten empfohlen. Davon gibts in der Tat tausende, ich hab jedoch nichts gefunden, dass mich überzeugt hatte. Ansonsten kann man dort an diesem Markt wirkliche ALLES kaufen. Von uralten Dingen, von Schwarzmarktprodukten bis zu Körperteilen von Schaufensterpuppen, Schweinen (lebend wie tot), essbares, weniger essbares, Milliarden Ramsch und jedes Utensil, dass man in einem Haushalt irgendwie brauchen kann. Meist gebraucht oder auch viele Fehlproduktionen / alte Produkte aus China etc. Der Markt ist super lokal, riiieeesiiiiig und an gewissen Stellen wirklich eine Völkerwanderung, die seinesgleichen sucht.

Die Gondeln hier sind übrigens dem umstrittenen Präsidenten Morales zu verdanken. Immerhin ist das ein wirklich geglücktes Projekt, um den öffentlichen Personenverkehr in den sonst sooooo verstopften Strassen von La Paz zu verbessern!

5AC5F597-F6EA-4EDD-A2A1-B5B3D066FD9FE2A35E2A-A4AA-405C-854D-0816D720D3F80E01132E-B22E-4F41-B5CA-37AF42182FA98079DC49-1056-4657-A420-E6BAAA0577E7OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Santa Cruz / Forestal #Bolivia

Abschliessend kann ich zur Region Forestal und Santa Cruz nur sagen: Was für Gegensätze. In Forestal leben die armen Bauern. Die meisten von ihnen bauen Mandarinen an. Der Marktpreis für 100 Mandarinen liegt bei ein paar Dollar. Lächerlich. Dann werden sie in die Städte wie Sucre oder La Paz gebracht und dort teu(r)er verkauft.

In Santa Cruz selbst wiederum wucherts vom Drogenhandel. Es gibt viel versteckte Armut und genauso eine gute Menge an wohlhabenden Einwohnern. An einem Samstag bin ich an ein Street Food Festival gegangen, wo die absolute Mittelklasse, wenn nicht Oberschicht vertreten war. Europäische Preise und europäische Styles, von den Skatern mit Vans und Narcos-Schnauz bis hin zu den Selfie-Mamis mit blondierten Haaren und schönen Handtaschen. Ein schräger Kontrast, wenn man aus Forestal kommt, wo Menschen kein richtiges Dach über dem Kopf haben, sich gemeinsam auf einen Roller quetschen und durch den Fluss fahren müssen, um irgendwie an die Hauptstrasse zu gelangen. Nasse Hosenbeine und fehlende Schuhe sind keine Seltenheit hier.

Ich fragte mich, warum denn alle Mandarinen anbauen, obwohl das Land grundsätzlich so fruchbar sei? Es sei halt einfacher, das Gleiche zu machen, wie alle anderen. Sicherheit und so. Man weiss, die Mandarinen gelingen. Ein Risiko einzugehen und plötzlich anderes anzupflanzen? Das kann sich hier nicht jeder leisten. Fast keiner, um ehrlich zu sein. Das erklärt mir Adalberto, der Sohn der Nachbarn. Er hat studiert, ist Ingenieur, aber kam zurück nach Forestal, um den Hof seiner Familie auszubauen. Seine Idee sind Avocados, andere Früchte und mehr Milchwirtschaft. Sein Vater hat lange in Deutschland gelebt und das Käsen erlernt. Abends haben wir Tilsiter gegessen und der Papa hat mir seine Lederhosen gezeigt 😉 Ja, er habe in München Agronomie studiert! Wow, was für eine Überraschung, so ganz mitten im Nirgendwo! Adalberto und ich fischen im „eigenen Fischreservat“. Dort probieren sie, verschiedene Fische zu züchten. Zum Glück haben wir nix gefangen. Er selbst tut mir irgendwie leid, so erzählt er mir, dass es schön war, mal wieder über andere Themen zu quatschen als nur Mandarinen. Mein Spanisch gibt zwar nicht all zu viel her, aber offenbar mehr, als ein Gespräch über Früchte. Und das war dann schon bald mein Abschied aus Santa Cruz / Forestal und ich setze mich in den Bus nach Samaipata, nochmals eine ganz andere Story… Doch hier zuerst noch all die geschuldeten Fotos (in denkbar schlechter Qualität, sorry!)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Das Fischreservat

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA62ECD6E1-769D-4298-92CA-D94A6DE53F9F

DBAB2421-F8FF-4E0E-9876-5107C0D41EC4
Der unüberquebare Fluss
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Das Team der Krankenstation
2BE6787C-E57B-4452-B2A0-2E1CB5D3A73B
die Nachbarsfarmen
3C07B2EC-66FF-4843-AF1E-8CCDDE8190B7
Büsis
59879670-2C92-4CC6-8E45-CE24600C3BE9
weitere Flüsse
00DF0D44-2BED-4443-BF60-75FAF9F65623
Mandarinen
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Lucy im Medikamentenlager
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Das Sprechstunden Zimmer
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Strassen…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Aussicht
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Verstecktes Highlight
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Djungel
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Garten
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Sonnenuntergang bei Stromausfall
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
der Garten
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Min Lieblingsbaum 🙂

Gedanken zu Schwester Lucy #Bolivia

In meinem Notizbuch schrieb ich „It’s hard to believe how things unfolded and I ended up here. Like whatthefuck, I am sitting in a guestroom of a catholic missionary station.“ Ja manchmal wundere ich mich schon, wie das eine zum anderen führt. War sicher eine Lektion, die ich auf meinem Weg mitnehmen musste, hier mal hinter die Kulissen sehen zu dürfen. Einerseits um Vorurteile abzubauen, aber auch um wiedermal zum kritischen Nachdenken angeregt zu werden. Chönnt eim ja sust no z’langwiilig werde, nöd?!

Klar ist, Lucy ist eine wahnsinnige Inspiration. Eine wirklich eindrückliche Frau. Ein Leben als Nonne, jeden Tag zu beten, keine Männer, kein Kontakt zur Familie und Heimatbesuch alle vier Jahre. Hier wird richtig krass fokussiert, und zwar nicht auf das eigene Wohl, sondern das, der Einwohner von Forestal. Ebenfalls schrieb ich, wie wahnsinnig selbstlos das Leben der Schwester Lucy ist. Wie die Frau gibt und gibt und gibt. Unermüdlich. Zuerst 7 Jahre in Südafrika während der Apardheid und jetzt 44 Jahre in Bolivien. Sie pflegt alles mit solcher Sorgfalt, denn „es basiert ja alles auf Spendengeldern.“ Lucy traut sich kaum, etwas für sich zu nehmen. Etwas für die eigene Infrastruktur zu tun. Sie lebt mit dem notwendigen Minimum. Sie lebt hygienisch und sicher, mit einem Mass an Komfort wie Strom, fliessendem Wasser, einer elektrischen Dusche und seit wenigen Jahren 4G Signal. Eine Waschmaschine für die Kleidung haben sie auch, und das wars dann. Materiellen Luxus sucht man vergeben, betritt man die Missionsgebäude, ist das wie eine Zeitreise in die 1960er. Oder so stelle ich mir das zumindest vor. Diese Frau scheint echt in jeder ihrer Handlungen „etwas Gutes“ zu tun. Selbst wenn sie zum Wohl von Büchern, Tellern oder anderen Utensilien schaut.

Ich selbst habe in den letzten Monaten immer mehr das Gefühl entwickelt, dass ich „mehr Gutes tun will“. Manchmal wäre es ja so einfach, etwas Gutes zu tun. Hier einen Franken spenden, wenn im Bus ein Flüchtling aus Venezuela Sugus verkauft. Tut keinem weh, hilft den jungen Menschen ungemein. Und manchmal ist es etwas schwieriger, eine grössere Herausforderung. Zum Beispiel für 44 Jahre in den fucking Dschungel zu ziehen. Ich frage mich oft, ob es denn notwendig ist, dass man seine eigenen Träume aufgibt, um mit vollstem Herzen etwas Gutes zu tun? Kann ich denn nicht mein lockerflockiges Leben behalten und gleichzeitig etwas bewegen? Oder braucht es 100% commitment, radical as fuck?

Manchmal denke ich, dass ich zu egoistisch bin, um ein „guter Mensch“ zu sein. Um Gutes für Andere zu tun. Ich sehe Jobs in der Entwicklungshilfe, erfülle das Anforderungsprofil. Aber es sind 3 Jahres-Stellen mit 100% commitment Mitten in Bolivien oder in Lima, einer chaotischen Grossstadt. Ich bin zu egoistisch, als dass ich meine besten Jahre von 26-29 an einem Ort verbringen möchte, wo ich nachts nicht allein durch die Strassen laufen kann, wo ich so weit weg vom Meer bin und wo ich nicht sponti etwas Wandern gehen kann. Ich möchte nicht immer nur die Ausländerin, die Gringa, der spazierende Geldbeutel sein. Ich möchte auf der Strasse nicht immer fast über den Haufen gehupt und gefahren werden. Und trotzdem ist genau an solchen Orten die „Entwicklungshilfe fällig“. Ob und in welchem Rahmen sie notwendig ist, sei dahingestellt. Wo hier eine Art von Entwicklungshilfe-Kolonialismus (oder gar eine Religionsverbreitung) stattfindet und wo aufrichtig aus Selbstlosigkeit und Nächstenliebe geholfen wird, das kann ich nicht beurteilen.

Ich frage mich, wie ich in meinem Leben das „Gute“ tun kann und trotzdem all meine Träume weiterverfolgen kann. Und unterm Strich muss ich ja zugeben, dass man „Gutes“ auch in einem First-World-Country tun kann. Auch dort gibt es Organisationen und Probleme, Menschen mit weniger guter Ausgangslage etc. etc. Gedanken über Gedanken, mal schauen, was die Zukunft bringt. Man (Frau) muss nicht immer in den Dschungel ziehen, oder?!

Die Schule in Forestal #Bolivia

Natürlich durfte ich auch die Schule in Forestal besuchen. Sie gehört ebenfalls zur „Missionarsstelle“ und wird von den Spenden aus der Schweiz, vom Fastenopfer, finanziert. Der Direktor Juan führte mich stolz herum und alle Lehrer und Kinder waren superinteressiert an einem Austausch. Es war gerade „Tag der Krankenschwester“ so wurde Lucy mit einer richtig herzigen Aktion überrascht: Kinder trugen kleine Reden vor und der Einsatz der Krankenschwestern zum Wohl der Gemeinschaft wurde honoriert.

Dann ging der normale Schulalltag weiter. Die verschiedenen Klassenstufen sind in die Klassenzimmer aufgeteilt, von Kindergarten / Pre-Kinder bis 6. Klasse. Eine normale Primarschule. Die Infrastruktur ist einfach, aber die Kinder sind aufmerksam. English wird nicht unterrichtet, wäre aber gewünscht. Gar die Lehrer beten mich, ihnen English beizubringen. Eine Sprache, die ihnen den Austausch mit aller Welt eröffnen würde. Ja, es wäre doch so einfach, denkt man…

In der Pause spielen die Kinder und es gibt „zNüni“ sowie Frühstück. Viele Kinder kommen aus ärmsten Verhältnissen und die Schule sorgt für eine ausreichende Stärkung, damit die Kids Energie zum Lernen haben. Es gibt „Guetzli und gesüsste Milch“. Calcium und so,… Nun, ich muss hier wieder sagen: Es steht das Überleben auf dem Spiel, nicht die Bikinifigur. Klar ists nicht gut für die Gesundheit, so viel Zucker zu essen, aber es ist auch nicht gut für die Gesundheit, nix zu essen.

Viele der Kids wollen mal Polizist werden, oder Lehrerin und Arzt oder Ärztin. Unter ihnen ist praktisch kein Einzelkind vorhanden, alle haben Geschwister. Als ich mit der Kamera in den Unterricht komme, gibt es einen Jungen, der auch eine Kamera zuhause hat. Der Rest weiss nicht wie man eine Kamera benutzt. Alle sind super vorsichtig und engagiert, machen Fotos und probieren das Filmen aus. Sie zeigen mir, wie sie Nummern und die Uhrzeit lernen, wie sie Mathematik lernen und was sie mit dem Zirkel machen können.

Der Direktor äussert sich brutal oft dankbar gegenüber Schwester Andrea, einer anderen Nonne, die die Schule hier aufbaute, so wie Lucy die Krankenstation aufbaute. Sie ist leider verstorben, man denkt hier aber tagtäglich an sie. Die Dankbarkeit gegenüber den Schwestern kann man sich gar nicht vorstellen. So oft fällt ein Satz wie „Ohne die Hermanas wäre das alles nie möglich gewesen…Bildung hier im Dschungel? Unvorstellbar! Eine Zukunft für diese Kinder? Unmöglich.“

Spannend ist auch, dass auf alten Schulfotos Kinder aus der Nachbarschaft abgebildet sind, die heute über 40 Jahre alt sind und damals als einer der ersten die Schule besuchen durften. Theodora ist eine davon, sie ist Nachbarin und kocht jeden Tag für Lucy und Hermana Margarita. Theodora ist wahnsinnig lieb und lustig, und ihre Schwester wohnt ebenfalls nebenan. Eine witzige Familie!

Leider habe ich das Fotoupload Problem mit dieser Website noch nicht gelöst und werde bald einen einzelnen Posts mit allen Fotos aus Forestal machen 😉