Oh my video! #Patagonia

Heiiiiiiiiieieiei. Etwas über zwei Monate habe ich gebraucht, um dieses Video endlich, endlich zusammen zu suchen, zu schneiden und auch noch bei anständiger Internetverbindung hochzuladen. Sorry, es isch ziitlich echli es durenand do ufm Blog. Aber, besser spät als nie. Heute, 17. Mai, ist übrigends Tag 500 meiner Reise! Huere geil, nöd?!

Kaum zu glauben, was ich in diesen 500 Tagen erlebt, gesehen, gedacht, getan und gefühlt habe. So viel! Und so viele tolle Menschen kennengelernt, ich weiss gar nicht wo anfangen. Die letzte Woche hatte ich schlechten bis gar keinen Handyempfang. Und jedesmal, wenn ich wieder Empfang hatte, surrten diverse Voicemessages rein. Menschen aus 2018, gar 2017, mit denen ich immernoch eng verbunden bin und die ich zwischenzeitlich wieder getroffen habe, Menschen aus der Schweiz, Familie, Freunde, Menschen aus Pichilemu und Chile, neugewonnene Freunde in Bolivien, dich in Peru wiedertreffen werde, Nachrichten von Freunden, die immernoch in Asien sind. Alle möglichen melden sich, erzählen, fragen nach. Wahnsinnig toll, wie vernetzt man sein kann, dank der Whatsapptechnologie. Und es macht mir so eine riesen Freude, dass ich so oft Voicemessages bekommen, mich mit Leuten „unterhalten“ kann, wenn auch etwas zeitverschoben. Auch lustig ist zum Beispiel, dass Rodrigo, mein ex Spanischlehrer, immer wieder Nachrichten schickt und mich auffordert, spanische Voicemems zu schicken und Nachrichten zu schreiben, damit ich mein Spanish weiterhin verbessern kann. Wie herzig isch das denn!!!

Ich bin ganz aktuell in diesem Moment zwar wieder alleine unterwegs, bin aber doch nie allein. Entweder treffe ich nette Leute auf der Strasse, wie gestern beim Wandern ein britisches Pärchen. Oder ich treffe Leute im Hostel, mit denen ich plötzlich eine Woche verbringe. Und wenn ich doch mal allein oder ewige Stunden im Bus gefangen bin, kann ich all die zig Sprachnachrichten anhören und mich wahnsinnig daran erfreuen. So toll!

Danke dafür und auf weitere 500 Tage oder so. haha!

Nun viel Freude mit dem Video und ich schaue, dass ich in den nächsten Tagen fleissig weiterschreibe, damit ich hier irgendwann wieder ohne Zeitdifferenz berichten kann 😉

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Last days in Argentina #Patagonia

Weiter gehts, stundenlang durchs Flachland. Stun-den-lang. Podcasts sei dank überlebten wir die ewigen Fahrtage irgendwie. Den Tag 37 verbrachten wir komplett auf der Ruta 3 und Sven taufte das Album mit den Videos von diesem Tag „Long drive“. Nicht ohne Grund. Ist zwar nicht der einzige Long-Drive-Tag, aber der einzige, der gefühlt kein einziges Highlight hatte. Stattdessen ein Tief nach dem anderen. In Esquel haben wir zwar eines der besten Sandwichs der Reise gegessen, aber ich hatte echt den ganzen Tag unterirdisch schlechte Laune. Sorry Sven! Nämlich meinte Mutter Natur es an diesem Tag gar nicht lustig mit mir. Jetzt weiterlesen auf eigene Gefahr 😉 Ich musste ständig auf die Toilette, denn ich hatte waaaahnsinnig fest meine Tage. Und der sch**ss Cup (sorry Jungs) war den ganzen Tag nicht zuverlässig und rünnte – sorry allg., für too much Info! Aber als Frau ist das auf Reisen manchmal echt nicht lustig. Da will man nur im Bett liegen und sich in eine übergrosse Wärmeflasche einmummeln. Stattdessen ist man irgendwo (bspw. im Djungel in Myanmar, auf den Annapurna oder auf dem Autositz) und muss sich mit den Umständen zufrieden geben. Ich hatte krass fest Schmerzen und einfach wirklich durchs Band „Schissluune“. Und dann war die Frau in der Bäckerei auch noch sooo unfreundlich! Achhhh! Und wenn man nur mit Handgepäck reist und genau 2 Leggins, eine Wanderhose und eine Jeans hat, geht einem die Geduld echt aus, wenn der Cup zum fuc**** dritten Mal rünnt und auch die zweitletzte Hose versaut werden. Da bin ich wirklich feuerspeiend in die 3.Toilette verdüst und hab halbverzweifelt meine letzte saubere Hose angezogen. Die alte Wäsche auswaschen, und dann, jaaap ihr könnt es euch vorstellen: Im Auto aufgehängt. Wo denn sust? Ich mein, isch ja nöd so als hättemer en Wöschständer für nassi Wösch debi. Oder als chönnti „verschmutzti Wösch“ frischfröhlich ufm Rücksitz deponiere und uf besseri Ziite warte. Jap, ich schwankte zwischen Lachanfall und Verzweiflung. Aber am Ende hingen am Rücksitz bzw. an diesem Handgriff / Kleiderhaken Teil halt drei paar Unterhosen und drei paar Hosen. Der Tankstellenjunge, der uns den Benzin tankte, schaute etwas verwirrt, als er mein Unterhöschen dort bambeln sah aber das war mir dann auch nicht mehr peinlich. Shit happens.

Der dezent überforderte und hilflose Sven hat mir dann im Tankstellenshop eine SojaSchoggimilch gekauft, in der Hoffnung, dass noch irgendwas zu retten sei. War es aber nicht. Die Soja-Schoggimilch hier ist oberhässlich und viel zu süss. Er hat sie dann selbst getrunken. hahahaha nei ez im Nachhinein muessi würkli lache, wenni a de Tag denke. Aber im Moment damals bini eifach 24h lang soo aapiiiiisst gsi 😉 Stattdessen fuhr ich weiter bis nach El Bolson und erhoffte mir dort ein happy end dieses Tages. Ich brauchte nämlich wiiiirklich eine heisse Dusche. Wir haben auf iOverlander verschiedene Optionen angeschaut und uns entschieden, ein Hostel anzufahren und dort zu fragen, ob wir draussen im Auto schlafen können. Das Hostel war dann echt die Rettung des Tages. Wunderschönes british cottage, mitten im Wald. Riesiger Garten, eine Yogaplattform, eine schöne Küche, ein schönes Bad. HEISSES WASSER. Ich konnte mich einigermassen revitalisieren.

El Bolson selbst gefiel mir aber nicht wahnsinnig. Die Stadt lebt von Zirkusleuten, ist wahnsinnig hippy und mir trotz dem laid-back vibe etwas zuuu touristisch. Halt so ein typisches Dörfli, das von Touristen überrennt wird, weil es Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen ist. Wir hatten aber irgendwie nicht mehr so viel Motivation in El Bolson, weil alles ultrateuer war, ultra touristisch (Touristen-Busse!!) und die Hippies dort mit all möglichem Quatsch Geld verdienen wollen. An kaum einer Ecke tanzt nicht einer mit seinen Jonglierbällen und fragt nach Geld. Ach, ich weiss nicht… nach der friedlichen Natur ist mir das irgendwie zu viel und bekanntlich habe ich ja immer noch nicht die oberburner Laune am Start, gell 😉 Drum gehts einen Tag später weiter nach Bariloche!

Lustigerweise enttäuscht auch Bariloche mit exorbitanten Preisen, durchzogenem Wetter und schlechtem Image: Überall auf iOverlander lesen wir, dass hier in Autos eingebrochen wird. An helllichtem Tag, auf normalen Parkplätzen. Wir trauen uns nicht, unser Auto über Nacht zu parken und auf eine längere Wanderung zu gehen. Es scheint, dass die Luft raus ist und uns diese gehypten Orte schlichtweg nicht gefallen. Wir verbringen eine Nacht auf einem Parkplatz einer Bierhalle, wo wir natürlich auch verschiedene Biere probieren und wo ich Sven beim Töggelen fertig mache. Jap, meine Laune ist wieder im grünen Bereich und die Energie zurück. Dass ich einigermassen gut töggelen kann, hab ich ganz klar der Geberit (Töggelikaste im 4. Stock) zu verdanken und Sven konnte fast nicht glauben, dass er verloren hat. Er hatte nämlich auch einen Töggelikasten im Büro anno dazumals und meinte, er sei eh besser. LOL!

Wir nutzten aber die Zeit um viel zu arbeiten und die nächsten Nächte vorzubereiten. Dann besuchten wir die Colonia Suiza, eine „Schweizer Kolonie“, die aber auch zu 100% „touristifiziert“ wurde und null Charme mehr hatte. Meiner Meinung nach… Wir erkundeten die Region, entschieden uns aber, die nächste Nacht ausserhalb von Bariloche an einem abgelegenen See zu schlafen. Es regnete wie aus Strömen, windete uns fast weg und das Auto wurde die ganze Nacht maximal durchgeschüttelt. Ich hoffte ständig, dass kein Ast oder Baum auf uns runterkracht, so fest hats gestürmt. Am nächsten Tag nahmen wir die Grenze zurück nach Chile und hach, wie schön es ist, zurück zu sein! Me encantaaaaaa Chile!

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Rada Tilly alias Miami #Patagonia

Die Reise führte uns weiter nach Comodoro Rivadavia, beziehungsweise ein Vorort, das Rada Tilly heisst. Zuvor waren wir ja in Santa Cruz, einem sehr armen, einfachen und runtergekommenen, trostlosen Dorf. Jetzt fahren wir in Rada Tilly ein und uns trifft der Schlag: Sind wir in Miami, oder wassss?! Eine Villa nach der anderen, Autos so teuer, ich wusste gar nicht, dass es sowas ausserhalb der amerikanischen Protz-Desperate-Housewives-Szenen gibt. Holy. Fuck. Was lauft?! Die Gegensätze von Santa Cruz und Rada Tilly könnten nicht grösser sein. Wir checken ins Hostel ein und werden nochmals von einer ganz anderen Welt eingenommen: Der Besitzer Lau, ein junger Mann mit stahlblauen und tiefgründigen Augen, empfängt uns mit so einer Ruhe, mit einer Präsenz und einer Art und Weise, dass ich sofort gefangen bin. Was ist da für ein Mensch?

Stellt sich heraus, dass Lau schon ziemlich viel gereist ist, viel Yoga und Meditation praktiziert und garantiert etwas gelernt hat: Zuzuhören, ohne zu urteilen. Ich weiss nicht wie ich ihn beschreiben soll, aber er hat uns mit ganzem Herzen Willkommen geheissen. Er war (ist) die Seele des Hostels und wenn wir nicht den Mietwagen gehabt hätten, wären wir wohl heute noch da. Was mir besonders aufgefallen ist: Er war zuverlässig. Eine Eigenschaft, die heute eine immer seltenere Qualität zu sein scheint. Als er nämlich sagte „Ihr wollt surfen? Ihr könnt mit uns mitkommen oder auch unsere Wetsuits und die Bretter nehmen!“, dann meinter er das auch so. Am anderen Tag lagen tatsächlich Bretter und Wetsuits für uns bereit, ohne dass wir nochmals nachgefragt haben. Was Mein ist, ist Dein. Solche Kleinigkeiten sind vor allem unter „oberflächlichen Bekanntschaften“ beim Reisen rar und ich schätze es ungemein, da ich selbst nach wie vor eine sehr „zuverlässige und irgendwie auch ernsthafte Person“ bin. Ich sage nicht A und mache dann B. Mein Wort gilt. Sonst sage ich nix. Und wenn ich mein Wort nicht halten kann, kommuniziere ich und fühle mich auch verantwortlich dafür.

Nach und nach musste ich aber in den letzten Jahren und vor allem Monaten lernen, dass das wohl Teil meines Sternzeichens, meiner Kultur als Schweizerin und mir selbst als Person ist. Und nicht jeder weiss das zu schätzen oder teilt diese Ansichten, diese Werte oder was auch immer. Oftmals sagen Leute irgendetwas und tun dann was ganz anderes oder gar nix. Und das hat mich nicht selten enttäuscht. Ich konnte nie und kann bis heute nur schwer verstehen, wie Leute leere Versprechen rausballern können und dann nachher so tun, als wäre nix gewesen, nichts gesagt und als hätte das alles nichts bedeutet. Mittlerweile arbeite ich aber daran, andere nicht daran zu messen. Sondern das so hinzunehmen. Und zu akzeptieren, dass solche Menschen für mich dann einfach nicht die Richtigen sind. Sei es als Reisepartner, als Freunde, als kurzfristiger Flirt und Co. (sorry, zu viel Info hahahaha) oder als Partner. Ich arbeite daran, dass ich meine Werte wählen kann und dass sich dann von alleine zeigt, wer die Werte teilt und wer nicht. Ich arbeite daran, das Verhalten anderer nicht zu verurteilen, sondern hinzunehmen. Akzeptieren. Leben und leben lassen.

Und nicht nur mir fiel auf, wie wahnsinnig „ZEN“ Lau war. Auch Sven war in der Tat sehr beeindruckt von seiner Ausgeglichenheit, Aufrichtigkeit und dem urteilsfreien Kommunizieren und Diskutieren. Daran können wir nämlich beide noch arbeiten 😉

Die Frage, warum zur Hölle in Rada Tilly so viel Cash rumliegt, konnten wir nicht lange für uns behalten. Die Antwort: Erdöl bzw. Erdgas. Santa Cruz war ebenso eine Stadt, die ihr Geld mit dem Ausschlachten von natürlichen Resourcen verdient. Aber dort leben die armen Arbeiter. Hier leben jene, die sich eine goldene Nase damit verdienen. Und das kann man sich wirklich vorstellen mit einem riesigen Strand, einer Sportpromenade wo operierte Muttis (fake lips, titties & co.) mit kleine kläzfger Hunden joggen gehen und die Männer mit 20l/100km Jeeps rumfahren und protzen. Die Villen sind alle konsequent dreistöckig und nigelnagel neu. Lau sagt, er sei hier aufgewachsen, bevor der Boom mit dem Öl bzw. Gas alles verändert habe. In der Tat wird in der Region sowie auch in der Tierra del Fuego vor Ushuaia sooo vieeel Fracking (Hydraulic Fracturing) betrieben, dass es mir im Herzen schmerzt.

Habe euch ja schon erzählt, wie ich mich fühlte, als ich im benzinbetriebenen Auto nach Ushuaia einfuhr…sucks. Fracking ist nämlich an sich eine besonders umwelt-schädliche Art, Gas zu „pumpen“. Fracking verbraucht einerseits waaahnsinnige Mengen an Wasser und kontaminiert als Resultat auch noch das Grundwasser. Ebenfalls ist nicht klar, ob die unterirdisch entstehenden Risse in der Erde langfristig für mehr Erdbeben sorgen oder andere Gefahren hegen… Es ist definitiv ein massiver Eingriff in die Natur und könnte uns noch massiv um die Ohren fliegen. Just FYI.

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Nebst dieser bitteren Pille hatten wir in Rada Tilly aber echt eine schöne und kurze Zeit. Wir haben einmal all unsere Wäsche gewaschen sowie das Auto bei einer Tankstelle gesaugt und geputzt (innen). Wir hatten nämlich so viel Staub, Kieselsteine und Stroh im Auto, man hätte unser Gütschi bald als Heustock bezeichnen können. Würkli schlimm.

Aber zurück zu Rada Tilly. Es hat uns echt gut gefallen bei Lau und falls ihr mal entlang der sonst wirlich eher unspektakulären argentinischen Ostküste düsen müsst, dann ist Rada Tilly ganz klar ein Muss zum Stoppen und ein paar Tage „eifach echli sii…“

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seht ihr die Hammer am Horizont? Im Sekundentakt schlagen sei gegen den Boden und pumpen das Wasser-Gemisch runter in die Erde, wo immer wieder Explosionen stattfinden.

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Argentiniens Ostküste #Patagonia

Guets Mörgeli. Die Berichterstattung geht weiter – soohooorrryyyy, so viel zu tun hier =P . Zuerst aber vielen Dank für die vielen Nachrichten, in der Tat fühle ich mich mit jedem Tag besser und mein Gesicht nimmt auch wieder etwas Farbe an 😉 Ein gutes Zeichen, dass sich alles wieder normalisieren wird…

Nun erzähle ich euch aber noch mehr von der Reise entlang der argentinischen Ostküste. Diese ist nämlich landschaftlich ziemlich einseitig. Tausende Kilometer gehts über die flache Pampa. Beim vorläufig letzten Grenzposten von Chile nach Argentinien werden wir beim Einfahren schon vom Zollheini angeböllnet. Genau heute haben wir zum allerersten Mal noch meegaa viel Gemüse und Früchte im Kofferraum, die man eigentlich nicht über die Grenze nehmen darf. Sven so: „Dieser Typ wird uns so krass kontrollieren und dabei nie lachen…“ Wir stellen uns darauf ein, dass wir womöglich ziemlich vieles abgeben müssen. Wir gehen ins Zollamt rein, kurz die Papiere zeigen und prompt hab ich die Hälfte im Auto liegenlassen. Kurz zurückrennen zum Auto und unterwegs den Zollheini (in knackiger Polizeiuniform) abchecken. Er schaut mich ganz genau an. Mhhh, mol, ich glaub bei dem kann man als Frau was rausholen. Chunnt scho guet. Ich renne zurück, gebe ihm nochmals einen Blick und bin mir sicher, der lässt uns schon irgendwie durch.

Wir stempeln die Papiere, hüpfen zurück ins Auto und fahren zum Zollheini. Er, gross, schlank, blond, blaue Augen gibt uns einen eisigen Blick. Ich lasse die Scheibe runter und er fragt mit kältestem Gesicht: „Donde vas?“ Ich: „Puerto Santa Cruz“ Er ultrascharf: „Wo genau?“ und ich voll verwirrt: „Zum Municipal Campingplatz???! Kei ahnig?!“ und er: „jajajaja super, ich komme aus Puerto Santa Cruz! Kennt ihr die Pinguine?“ Er strahlt im ganzen Gesicht und erklärt mir weit und breit, wo ich die Pinguine finden werde. Sven wird ignoriert. Dann sagt er einfach: „Also gut, dann wünsche ich gute Fahrt! Chao!“ und ich denke mir: OK SCHNELL WEG HIER! Wir düsen über die Grenze und trauen uns etwa 5 Minuten lang nicht zurückzuschauen, falls wir doch noch kontrolliert werdne. LOL. Wir fahren also noch Santa Cruz und schlafen dort auf einem ziemlich schäbigen, leeren Campingplatz. Aber Hauptsache warmes Wasser und ein WC. Am anderen Morgen machen wir uns auf zum besagten Pinguinspot. Genaugenommen ist es einfach ein langer Strand, wo irgendwo Pinguine seien. Angepriesen oder beschriftet ists nirgends. Auch die Zufahrt wird uns versperrt, so hats hier einen kleinen Hafen mit bewaffnetem Security. Wir erklären ihm, dass wir zu den Pinguinen wollen und er meint, wir dürfen hier parkieren und müssen dann halt irgendwie 5 Kilometer lang über den Strand watscheln, bevor man ins Pingu-Gebiet komme. Gesagt, getan. Wir sind so lange gelaufen und teils im Schlamm versunken, dass ich dachte, es gibt hier keine Pinguine mehr. Doch, wir fanden sie!

Irgendwann hats nämlich maximal zu stinken begonnen. Und im Sand sahen wir Fussspuren von Guanacos, Pferden und Vögeln. Und plötzlich ganz lustige, enge Fussabdrücke. Ich so: „Das müssen Pinguine sein, denn die watscheln ja so.“ Wir folgen den Fussspuren weg vom Strand auf eine Anhöhe und plötzlich merken wir, dass neben uns in den Büschen hunderte Pinguine höckeln! So coooool! Bei den kleinen Dingern handelt es sich um Magellan Pinguine. In Patagonien gibts sonst auch noch Königspinguine.

Ewiges Fotografieren und Angucken später gehts zurück und weiter in den Norden. In dieser Nacht schlafen wir an einem abgelegenen Strand mit Feuerstelle. Sven kocht, ich mache nix. Ich friere. Im Schlafsack eingewickelt sitze ich im Auto und warte auf bessere Zeiten. Dann essen wir und schlafen. Mitten in der Nacht weckt mich Sven auf. „Draussen ist jemand!! Wir müssen die Türe öffnen!“ Und ich so voll verpennt: „Hä was? Mir machet sicher nöd d Türe uf für Fremdi z mitzt ide Nacht?!“ Dann Sven:“Es ist die Polizei! Schau! Blaulicht!“ und ich so „Fuck! WHAT?!“

Sven öffnet die Türe (stellt euch vor: Wir wie zwei Raupen im Schlafsack eingemummelt weil minus 100 Grad) und eine Taschenlampe scheint uns mitten ins Gesicht rein. Dann sagt der Typ, wenn wir das richtig verstanden haben: „Seid ihr ein weisses Auto?“ und ich so: „Nein! GRAU!“ und er: „Seid ihr Chilenen?“ „Nein, Mietwagen. Gringos!“ Und dann will er unseren Pass sehen. Die Passports sind irgendwo im Handschuhfach, dass nicht geöffnet werden kann, weil die Kochutensilien auf dem Sitz sind und der Sitz halb runtergeklappt ist, damit die Matratze Platz hat. Sven muss also aufstehen, raus gehen und das Zeug umkrempeln, um die Pässe rauszuholen. Ich verbleibe mumifiziert. Isch mer z chalt. Dann steht Sven draussen und die beiden Polizisten schauen unsere Pässe an und ich denke mir: WTF wenn das gar keine Polizisten sind? Er allein da draussen und unsere Pässe bei den Typen? Shit! Ich labere irgendwas zu Sven und er meint: „Keine Angst, habe nur einen Pass nach dem anderen geben. OK. Bhu…“ Aber wir haben wohl genau dasselbe gedacht. Dann macht der Polizist ein paar Witzli und verabschiedet sich. Wir sind etwas verwirrt und schlafen weiter. Am anderen Morgen sehen wir: Überall hats Polizisten mit Feldstecher, mit Polizeibooten und Co. Irgendwer wird gesucht, irgendwer im weissen Auto. Na bravo, schnell wäg do!

Auf dem Weg Richtung Norden finden wir tatsächlich auch noch hunderte wilde Seelöwen an einer Klippe. Kurz verweilen und dann weiter nach Comodoro Rivadiva. Genaugenommen haben wir hier sponti ein Hostel gefunden, wo wir waschen können. Und das Auto muss auch in die Wäsche. Ergo übernachten wir ein weiteres Mal in einem Hostelbett. Yeih! Doch zuerst müssen wir da mal hinfahren… Brummdibrumm gehts wiedermal eine gefühlte Ewigkeit.

Weil mir die Musikplaylisten langsam zum Hals raushängen, haben wir angefangen, Podcasts zu hören. Und Audiobooks. Diverse Wissenspodcasts und Politikpodcasts, aber auch das ganze Buch „21 Lessons for the 21 Century“ von Harari haben wir sage und schreibe 12 Stunden lang angehört. Das Buch kann ich jedem nur empfehlen. Wirklich relevante Themen, die hier angeschnitten und betrachtet werden. Wow! Respekt. Aber natürlich auch immer Diskussionspotential dabei, so waren uns Sven und ich nicht immer einig mit den Ansichten… Wer also eher Unterhaltung will, dem empfehle ich die Wissenspodcasts von Stuff you should know auf Spotify 😉

Bald gehts weiter…

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Wandern in Ushuaia #Patagonia

Hola! Ushuaia überraschte uns also mit Bergen und viel Natur, entsprechend durften ein paar Wandertüürli nicht fehlen. Auf dem Programm stand primär der nahegelegene Nationalpark. Einerseits wegen der schönen Lage direkt am Wasser des Beagle Channels, andererseits aufgrund seiner Erschwinglichkeit. Touren um Ushuaia sind nämlich ausserirdisch teuer und gar nix für’s Budget. Wer nach Puerto Williams (Chile), ein Dörfli noch südlicher, aber eigentlich genau nur gegenüber von Ushuaia gehen will, bezahlt für die Fähre schon CHF 120.-. Ja nei aso würkli, das isch denn scho bitz zvill.

Auch mit den Antartiks-Schiffen liebäugelte ich wie eine Verrückte, aber CHF 5’000.- für’s Last Second Schnäppli? Ehm yeah, das machi denn villicht, wenni mit 85gi no parat bin und s’Gäld richtig vörig han, zum eifach so durelah…eieiei

Drum gabs bei uns weder eine überteuerte Pinguintour, noch sonst irgendwas geführtes, sondern wie immer: Freies, entspanntes Wandern. Und wir wurden nicht enttäuscht. Zwar hats zwischen durch geregnet, geschneit, gehagelt und morgens sind wir tatsächlich mit Eis im Auto aufgewacht. Jap. Trotzdem war es wunderschön, wild, und einfach nur eine herrliche frische Luft. Wir haben den südlichsten Briefkasten der Welt gefunden und ich habe dort tatsächlich eine Karte aufgegeben. Für das wohl teuerste Porto der Welt, muss man hier auch erwähnen. Der glückliche Empfänger war ein netter Herr, der mir in der Zeitung einen herzigen Leserbrief geschrieben hat 🙂 Das muss man natürlich entlohnen, und die Dame, die damals zu Abfall-Artikel einen Brief geschrieben hat, hatte immerhin auch eine Karte aus Nepal erhalten 😉

Im Nationalpark gabs dann auch noch ein Museum, dass geschichtliches zu den Ureinwohnern – den Yámana/Yagan – von Ushuaia zu berichten hatte. Das interessiert mich immer am allermeisten, vorallem, weil die Stämme hier einfach alle so verschieden waren. Spannend fand ich ja mal wieder zwei Dinge: Einerseits sind die Ureinwohner auf vielen Fotos nackt. Nicht, dass mich die nackte Haut stört. Ich frage mich einfach, wiä die do bitte nöd verfrohre sind?! Im Hochsommer haben wir Hagel und Schnee – wie zur Höll gaht das Füdliblutt im Winter?! He nei… Wir diskutierten dann verschiedene Theorien vonwegen „Technik zur Körperwärme-Nutzung“ bis hin zu „sie posierten nur fürs Foto nackt“ oder „sie mussten sich ausziehen, für die Europäischen Fotografen“. Irgendwo las ich dann, dass sie sich mit Wal- oder Robbenfett einrieben und drum warm hatten. Wää! Andererseits war es spannend, dass die Yamana nicht auf einem Schlag ausgestorben sind (ermordet wurden). Sondern es gibt wohl heute noch Menschen, die von den Yamana abstammen. Die im traditionellen Sti lebenden Völker wurden aber allerends trotzdem von den Einwanderern getötet, nämlich durch Krankheiten, die sie eingeschleppt haben… Na bravo.

Auch die Selk’nam sind immer wieder ein Thema, ein anderes indigenes Volk. Diese litten, wenn ich das richtig verstanden haben, etwas mehr unter den Europäern, da sie auch kriegerischer drauf waren. Sie waren grossgewachsen und eher europäischer Statur und wirkten entsprechend auch – banal gesagt – etwas gefährlicher / stärker. Aber ja, verlässliche Quellen aus dieser Zeit scheinen wohl schwierig zu finden, so wiedersprechen sich auch manche Geschichten von (häufig besoffnen) Seefahrern… Aber ich muss wohl mal etwas von Darwins Geschichten nachlesen gehen, der war natürlich auch hier!

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Ich will nöd weg vo do!!!

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Das südlichste Postbüro! 

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WE MADE IT!! #Patagonia #Ushuaia

Am nächsten Morgen gehts weiter, Richtung Ushuaia. Der südlichsten Stadt der Welt. Nicht dem südlichsten Dorf und genaugenommen auch nicht dem Ende der Welt, wie es so oft beschrieben wird. Was uns dort erwarten wird? Ich hab so gar keine Vorstellungen. Seit Tagen fahren wir hier über die Steppen, keine Berge und nix in Sicht. Es ist trocken und flach. Hunderte, teils tausende Kilometer ist hier einfach alles Flach. Der Wind fegt entsprechend ganz ohne Wiederstand mit einem WAHNSINNS ZAHN über die Felder, das muss man sich mal vorstellen. Grausig. Ich möchte hier nich wohnen.

Wir fahren also durch die Tierra del Fuego, überqueren den Zoll von Chile zurück nach Argenitinien. Ja genau, scho wieder. Dann gehts vorbei an diversen Fracking Bauten. Wir ärgern uns im Auto, dass hier die Natur so gnadenlos ausgebautet wird, so hat das Fracking mit den unterirdischen Explosionen wirklich nix gutes für die Natur übrig. Dann fühle ich mich natürlich auch schuldig, dass ich hier in einem Auto durch Patagonien reise, das mit diesem (oder allgemein mit) Petrol gefüttert werden muss und ärgere mich über die Situation. Wenns doch nur überall Alternativen gäbe? Ja, es ist schon schön, wenn man selbst mit Bambuszahnbürste, Reusable Coffe Mug, Metallstrohhalm & weiss der Teufel was lebt. Aber der Fisch stinkt halt vom Kopf und mit solchen kleinen Taten kann man die Wirtschaft auf nicht umpolen. Kann man das Angebot nicht ändern, den Kapitalismus nicht auf den Boden zurückholen. Als ich diese ENDLOS VIELEN Fracking-Hammer in der Natur stehen sah, musste ich echt sagen: Ja, ich würde jetzt auch auf die Strasse gehen und dafür einstehen, dass damit aufgehört wird. Anders kriegt man von Unternehmungen und der Politik ja kaum die Aufmerksamkeit, die notwendig ist, damit mal irgendwas verändert wird. Peace.

Dann, wie aus dem Nichts, sehen wir sie: Berge! So viele Berg! Schneebedeckt und mit grünen, saftigen Bäumen überwachsen. Das isch etzt scho es bitzli unerwartet. So kommts, dass ich noch eine halbe Passfahrt hinlegen muss und wir eine craaazy Aussicht geniessen können, bevor es passiert: Nach genau 4’000 Kilometern steht das grosse Schild vor uns: Willkommen in Ushuaia, dem Ende der Welt! Der Moment der Einfahrt war lustigerweise super emotional, wir haben uns mega gefreut, so ist das schon ein rechter Meilenstein. Zwischendurch war ich mir nicht sicher, ob wir’s bis hier unten schaffen, auch wegen der Kälte und dem Zweiradantrieb. Hät ja keine gseit dasses do wieder teerti Strasse git!!

In Ushuaia mussten wir uns aber – ganz ehrlich – für unsere erste Nacht ein AirBnb gönnen. Wir hatten keinen Plan, wie eiskalt es nachts wird, denn der Beagle Channel ist auch so ein Wind-Durchzugs-Kanal. Der Schnee auf den Bergen liegt tief und ich wollte einfach nicht schon am ersten Abend in Ushuaia erfrieren. Deshalb wurde zum ersten Mal seit ca. 3,5 Wochen in einem richtigen Bett geschlafen und es hätte besser nicht sein können. Wie zwei Seesterne haben wir uns ausgebreitet, die bequeme Matratze und die geheizte Wohnung so richtig ausgenutzt. Am nächsten Tag stand das Erkunden von Ushuaia, der Stadt auf dem Programm. Ich hatte in Sachen „Ushuaia“ einen absoluten Foto-Durchbruch. Bislang war ich eher eine demotivierte Fotografin in Patagonien. Ab und zu zückte ich schon die Kamera, aber so engagiert wie Sven mit seinen 10 Objektiven war ich nie. Und in Ushuaia gings einfach so leicht, alles gefiel mir, alles erschien fotogen und ich konnte richtig drauflos schiessen. Und obwohl die Fotos der Wahrheit meist nicht annähernd gerecht werden, bin ich ziemlich zufrieden mit meinen Ushuaia Fötelis 😉

Später gings dann noch in den National Park, davon berichte ich bald! Ciaoii

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El Calafate, der Gletscher

Wir finden auf iOverlander den Hinweis, dass es in El Calafate – unserer nächsten Station – ein Hostel gäbe, wo man für knapp 2 Franken „parkieren“ dürfe und ZUDEM die Hostelküche, -badezimmer sowie Gemeinschaftsräume nutzen dürfe. WOW! Das wär ja en MEGA Deal! Da ich seit 5 Tagen keine richtige Dusche mehr gesehen habe, gibts kein Pardon. Glatt vorbeigedüst und die Lady an der Rezeption gefragt.

Sie schaut uns zwar etwas entgeistert an, als wir ihr erklären, dass wir im Auto schlafen, aber: Kein Problem! Das Hostel ist mit allem drum und dran so herzig, dass wir insgesamt drei Nächte auf dem Parkplatz schlafen! Wahnsinn! Erstens ists es göttlich warm im Innenhof, windgeschützt und so, weisch. Zweitens müssen wir ein bisschen vorarbeiten, da wir im Torres del Paine Park (nächste Station) kein Signal oder WLAN haben werden und bei mir drum zwei Zeitungsartikel fällig sind. Drittens ists einfach HERRLICH, mal nicht jeden Abend ein neues Zuhause zu suchen 🙂 Denn selbst in El Chaltén haben wir praktisch jeden Abend woanders geschlafen und immer wieder überlegt, Pläne geändert und etc. und sowieso.

Nun aber warum kommt man eigentlich nach El Chaltén? Einerseits ist das Dörfli an einem See gelegen und mit einer Flaniermeile, Supermarkt und Co. ziemlich touristisch ausgerüstet. Keine Kriterien, die mich überzeugen. Andererseits ist es Ausgangspunkt für den Perito Moreno Gletscher. Ok, jetzt bini debi.

WAS für eine HAUSNUMMER, dieser Perito Moreno! Tatsächlich – entgegen dem Schicksal vieler anderer Gletscher – ist dieser in den letzten Jahrzehnten nämlich nicht geschrumpt. Die Gletschermasse blieb stabil. Woran das liegt? Da scheiden sich die Geister. Obwohl im Minutentakt Eis abbricht und in die Gletscherlagune fällt, kommt scheinbar immer wieder neues Eis nach. „Gletscher-Watching“ wurde ein regelrechter Sport und der Versuch, den nächsten abbrechenden Ecken zu spotten, war ein richtiger Kick. Vorallem, weil die Gletscherwand 70m hoch ist! 70m! Stell der das mal vor! Und dann fällt so ein Eisblock, teils 70m hoch oder aus einer Höhe von 70 Metern runter ins Wasser und in der Lagune gibts eine riieeesen Flutwelle. Und die Flutwelle bewegt dann die Gletschermasse und es gibt neue Risse im Gletscher und überhaupt, wow! Da läuft was.

Diverse Touristen haben wir dann auch beobachtet, wie sie „Alkohol on ice“ mit Gletschereis getrunken haben. Das geht mir dann ein wenig zu weit. Seriously guys!?

Der Perito Moreno misst sate 254 Quadratkilometer, ist aber nicht der grösste Gletscher in Südamerika. Jedoch ist er besonders gut zugänglich und zieht dadurch viele Touristen an. Apropos Touristen: Am ersten Abend in El Calafate ging ich in den Supermarkt (last second, weil Sven noch mehr Zwiebeln brauchte) und es herrschte regelrecht Rush Hour. Tausend Touris im kleinen supermercado. Doch irgendwie hatte jeder eine knallrote Birne. So es richtig grausam verbräännnts Gsicht. Zuerst dachte ich mir nicht viel dabei. Doch dann schnallte ich: Die machen alle Touren auf dem Gletscher und haben wohl nicht eingecremt! Jep, das ewige Eis reflektiert ganz schön…;-)  OHHHMYYYY…. 

Und: Auf dem Parkplatz in Calafate habe ich dann auch noch das cooooolste Auto überhaupt gefunden. Mit: Schweizer Nummernschild! Ich war für glatte 3 Stunden überzeugt, dass ich auch so einen Jeep möchte. De chan sogar s Dach ufelah! Und het en Sunnestore! Und en Schnorchel! WIE GEIL! Zurück im WLAN-Land kurz die Recherche, was das für ein Automodell ist und mit schmerzendem Herzen festgestellt, dass ich GARANTIERT NIE SO EINE SAUTEURE BENZINSCHLEUDER haben werde. Wooohoooow!!!!

happy weekend allerseits!

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Stalking Sven Nr. 1
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Stalking Sven Nr. 2
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Stalking Sven Nr. 3

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Outdoorparadies El Chaltén #Patagonia

Ein weiterer Autofahr-Tag steht an. Von Bajo Caracoles geht es über 500km nach El Chaltén. Mit einem Petrol Stop in Gobernor sowieso. Das Autofahren selbst ist aber der pure Wahnsinn, denn: Nach etwa einer Woche Ripio (Kies / Steine) hatte ich zum ersten Mal wieder eine geteerte Strasse unter den Rädern. WAS FÜR EINE FREUDE! Doch natürlich geht hier gar nichts ohne riieeesiiigeeee Schlaglöcher und das am Liebsten alle paar Meter. Das Milimeterlen geht also weiter. Ich hab teilweise echt Blick-Fokus-Probleme, wenn ich stundenlang auf den Boden starren muss und dann plötzlich an den Horizont schaue. Dann bewegt sich dieser nämlich in Wellenbewegungen auf mich zu. So fühlt man sich wohl auf einem Trip. Yeih! Scherz. Aber echt, so verrückt!

Und dann kommen sie, endlich endlich: Die berühmten, schlechten Strassen Argentiniens. Jeder hat uns gewarnt und jetzt ists wohl so weit. Es folgen zwei Stunden auf einer breiten, aber tiefen Kiesstrasse. Teilweise sind die „Mädli“ aus Kiesel und grösseren bis sehr grossen (bis zu gross zum Drüberfahren) Steinen so hoch, dass unser Auto fast darauf aufliegt. Wie fest und laut die Steine unterm Auto klappern und aufschlagen, muss ich wohl nicht erklären. Die Ohren muss man abstellen, die Augen auch. Unterm Strich verläuft aber auch hier alles gut, nur einmal muss ich einen Bus überholen und plötzlich taucht ein Pistenraser auf der Gegenfahrbahn auf. Chumi gadechli is Schwitze. Wie soll Frau denn zackizacki die Fahrbahn wechseln, wenn man dabei 3 kniehohe Kiesmädli durchqueren muss? Jap, natürlich nur schwimmend. Ich wechsle wild gegenlenkend aber recht bestimmt die Spur. Über s erste Mädli, dann über das Zweite, dann über das Dritte. Sven jubelt laut. „So viel Spass hatte ich noch nie beim Autofahren!“, ruft er. Hinten hockt uns der Bus auf und vorne kommt der Raser entgegen. Gleichzeitig immernoch nach Schlaglöchern Ausschau halten und atmen. Fffff….. Ich habe einen Puls von etwa 200 und kann mich von meinem Lachanfall auch kaum erholen. He nei, wenn das nur immer guet chunnt…

Schlussendlich kommen wir endlich, endlich in El Chaltén an. Einem kleinen, touristischen Dörfli, welches viele Wanderer, Kletterer und Reisende aus aller Welt anzieht. Warum? Wegen zwei berühmten Bergen: Dem Cerro Torre und dem Cerro Fitzroy. Nebenbei gibts auch noch andere Wanderrouten, Wasserfälle und Gletscher. Am ersten Tag ist mal wieder denkbar etwas schlecht Wetter, wodurch wir es uns in den lokalen Kafi’s gemütlich machen. Ein bisschen Video schneiden, ein bisschen Schreiben. Denn ja, so ein kleines Auto ist bei Sonnenschein wirklich schön und gut, wenns pausenlos runterseicht und stürmt aber nicht. Erstens sind wir selbst pfludinass und dadurch bildet sich im Auto ein Tropenklima, wo rein gar nix trocknet. Zweitens ists ungemütlich, wenn man immer auf den selben Sitzen hockt und es ist auch eng mit unserem ganzen Kasumpel. Und Drittens tropfts drinnen dann eh bald so fest wie draussen, weil das Kondenswasser nicht lang auf sich warten lässt. Yeih!!

Ab Tag drei gibts endlich Sonnenschein und es folgen dann die obligatorischen Wanderungen. Schön sind sie, aber touristisch. So vill Lüüt überall! Und irgendwie kommt aktuell so gar nix an den Cerro Castillo mit der stahlblauen Lagune ran. Aber hey, trotzdem: Wir geniessen jeden Moment in der Natur! Tierisch bleibts auch wieder spannend, so haben wir unterwegs sowie bei unserem Stellplatz besuch von einem Armadillo gekriegt. Ein Gürteltier! Eines war so neugierig und ist fast auf meine nackten Zehen gehockt. Das isch mer denn doch echli z’bunt, so weiss ich bis jetzt nicht recht, ob die Dinger beissen oder nicht?! Muen ma no churz go google… Witzig und herzig verdruckt sind sie aber allemals!

Bei den Wanderungen begegneten wir dann auch einem leuchtroten Specht und einer Trilliarde Raupen. Eine regelrechte Invasion! Nach der Wanderung machst du keinen Zecken-Check, sondern einen Raupencheck. Ob die alle einmal zu Schmetterlingen werden? Wir hoffens!

 

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Bordercrossing #1 #Patagonia

Heute ist es soweit – zum ersten Mal überfahren wir eine Grenze mit unserem Mietwagen. Im Vorfeld mussten da natürlich auch die richtigen Papiere beantragt und – oh Wunder – einen guten Batzen für die Berechtigungen bezahlt werden. So brechen wir also auf, morgens im Parque Patagonia. Eigentlich wollten wir noch etwas Wandern gehen, sind dann aber irgendwie doch zu spät dran und überhaupt bin ich etwas gestresst. Jeder sagte mir, wie SCHLECHT die Strassen in Argentinien werden. Und wir forderns natürlich wiedermal raus: Eigentlich wollten wir nämlich bei Chile Chico über die Grenze, wie jeder andere Tourist. Doch dann empfahl uns der Herr beim Camping (jap, der tanzende) im Valley Simpson, dass die Route südlich durch den Parque Patagonia wunderschön sei und viel weniger Leute als bei Chile Chico über diese Grenze fahren würden. Wir müssten also sicher nicht warten etc., aber die Landschaft, ja die Landschaft, die sei einfach die beste in Patagonien. OK. Also guet. Sold!

In einem Kafi in Cochrane habe ich dann aber per Zufall eine Map entdeckt, auf der die Strassen in verschiedenen Farben markiert waren. Und mit Schrecken stellte ich fest: Unsere Strasse, die wir eigentlich fahren wollten, war weder „Pavimento“ (Geteert (was ich schon seit TAGEN nicht mehr gesehen hatte), aber auch nicht die übliche Ripio (Kiesweg / Steinig / lose) sondern irgendwas noch Abbruchartigeres. OH MANN. Kurz bei iOverlander reingeschaut und Erfahrungsberichte von anderen Reisenden gelesen. Offenbar ist die Strasse, die wir nehmen wollten, „von einem unüberquerbaren Wasserloch“ blockiert. LOL. Not. funny. Wir lesen dann weitere Erfahrungen und entscheiden uns, dass die 39 unsere Route sei. 39. Ok. Aber diesem Moment habe ich jede mögliche Person gefragt, ob er wisse, in welchem Zustand die 39 sei. Und die Antwort war: Ach, sobald ihr über die Grenze fährt, sind alle Strasse in Argentinien schrecklich. Oh boy..

Morgens im Parque Patagonia blieb mir aber schon das Herz stehen, als wir eigentlich noch zu einem kleinen Trail Head fahren wollten und ich dann mitten im Buschland auf einem winzigen Sandwegli in einem kleinen Steilhang nicht mehr vorwärts kam. Die Rädli dreihen durch. Ich gestresst, Sven entspannt. „Nimm nomal Alauf!“ „Nei, ich chan nöd Alauf näh und dobe denn nöd um de Egge möge…“ „Mol, imfall, kes Problem“. Jap. Sven, der keinen Fahrausweis hat, sieht die Sache entspannt. ISCH JA KLAR. Je entspannter er ist, desto mehr nervts mich. ICH CHAN DA NÖD UFEFAHRE. Unser schwacher Zweiradantrieb und der tiefe Bau des Autos sind gar nicht hilfreich. Auch beim zweiten Anlauf klappts nicht, wir müssen umkehren. Nur wie? Ewiges milimeterlen später konnten wir das Auto umdrehen, ohne dass die Pflanzen und Büsche rund herum allergrössten Schaden davontragen. Scheint, dass wir nicht die ersten waren, die hier nicht mehr weiterkamen..

Ehrlichgesagt, lagen meine Nerven in Bezug aufs Autofahren schon seit gestern Abend blank. Denn die „Einfahrt“ zum Camping ist eine ultrasteile Kiesstrasse. Aber mit wirklich grossen Steinen. Und alles lose und tief. Beim Runterfahren sind wir schon flott geschliefert und ich wollte bereits losheulen, beim Gedanken daran, wie zur Hölle wir da jeeemaaaals wider hochkommen sollen. Und nun startete der Tag schon mit einer dummen Fahrsituation, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, während ich mich eigentlich schon seit Stunden sorgte, wie wir diesen Camping je wieder verlassen können…

Kurze Lagebesprechung vor dem Steilhang und wir sind uns einig: Das geht nur mit Anlauf. Ich hole also Anlauf und schiesse – ohne ein einziges mal zu bremsen – den Berg hoch. Halt oder Kontrolle haben wir längst keinen mehr, das Auto schwimmt mal rechts mal links auf den Steinen. Ich am Gegenlenken, Sven wahrscheinlich am Stossgebete senden. Wir sind beide mucksmäuschen still, bis wir am Ende des Hangs mit einem Ruck über den Grat schiessen und wieder normaleren Boden unter den Rädern haben. Ich muss kurz atmen und dann lachen wir uns etwa 5 Minuten kaputt. Wieso. hämmer. ken. 4×4. gmietet?!?!?!!??!?! 

Die anschliessende Fahrt belohnt uns aber insofern, dass wir alle 5 Minuten anhalten, um Fotos zu schiessen. Was für eine Landschaft. Sind wir auf dem Mond? Oder in den Nationalparks der USA? Yellowstone? Holy guacamole! Wir sehen mehr Guanacos, Nandus, die Vögel und auch diverse Skelette. Der Puma frisst hier, ganz klar. Dann folgt bald die erste Grenze, die Papiere werden gecheckt und keiner verschwendet einen Blick in unser Auto. Läuft. Noch kurz gefragt, welche Strasse denn besser sei und der Herr meint auch: 39. Aber in Argentinien, uuiiii diese Strassen, die sind schlecht. Ah well, das wüssemer ez au fängs… Ciao Chile!

Ein paar Kilometer weiter die argentinische Grenze. Papiere? Alles gut. Zwei Sekunden Inspektion des Autos. Primär gehts darum, dass man keine Früchte, Gemüse, Milch oder Honig einführen darf. Honig haben wir versteckt, Gemüse haben wir nur noch ein paar Knobli und Zwiebeln. Den Kollegen interessierts wenig, einen Blick in den Kofferraum (mehr fürs Alibi als für etwas anderes) später können wir schon weiterfahren. Check! Gracias ciaaaaoooooo! Schnäll wäg do.

Die Landschaft blieb dann STUN-DEN-LANG traumhaft schön und menschenleer. Und die Strassen? Naja, ganz ehrlich: Bis lang genau gleich Kacke wie in Chile. Sorry Chile! Mal ein bisschen Waschbrett, mal ein paar Löcher, aber nichts neues. Die Kieswege scheinen kein Ende zu nehmen. Es bleibt einsam, bis wir irgendwann von der crazy rasenden Holländern überholt wurden und den Abend dann im Geisterstädtchen mit holländischer Camping-Gesellschaft ausklingen liessen…

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wind wind wind

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Geisterdorf in Argentinie
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Tankstell im Geisterdorf

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Bye Chile!
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Hola Argentinia!

Begegnungen #Patagonia

Hola amigos! Heute gibts viel Text! Ein Thema, das Sven und mich immer wieder beschäftigt, ist: Wenn man zu zweit reist, lernt man einfach weniger Menschen kennen. Und dann kam die Sache mit dem „im Auto reisen“ dazu und ich (oder wir) waren uns nicht so sicher, wie toll wir das finden. Irgendwann wird die Luft halt echli eng und wir zwei sind sowieso mehr oder weniger bekannt dafür, uns immer mal wieder auf die Nerven zu gehen.

Trotzdem schafften wir es immer wieder, spannende Menschen kennenzulernen. Beispielsweise in Cordoba einen mega speziellen Italiener, dessen Ziel es war: Alle Länder der Welt gemäss UN Liste zu bereisen. Sven natürlich gleich: „Oh what? blablablabla…“ Der Typ war echt schon in über 150 Ländern. Das muss man sich mal vorstellen. Ich wusste gar nicht, in wie vielen ich schon war und wir alle mussten kurz zählen und tata: Bei mir sinds 34 Länder, die ich bereist hab. Stopover am Flughafen zählt natürlich nicht. Das sind tatsächlich brutal wenige im Verhältnis zu was es da alles noch zu sehen gibt! Aber ich muss sagen, diese Nummer bedeutet mir auch herzlich wenig. Es geht nicht um die Anzahl, sondern um die Begegnungen. Und der Italiener, der war mir wirklich gar nicht sympathisch, muss ich ehrlich zugeben. Ich hab ihn dann auch gefragt, ob er sich überhaupt noch freue und ob er es stets geniesse und er meinte: Nein, gewisse Länder geniesse er gar nicht. Er möchte einfach da hin, damit er das Land abhacken kann und irgendwann alle Länder im Pass stehen hat. Da kann ich nur ein bisschen die Augen verdrehen, könnte man sein privilegiertes Leben (er war Anwalt in London, Hongkong und New York) ja auch ein bisschen sinnvoller nutzen, als Länder abzustempeln, auf die man gar keinen Bock hat. Und stur um die Welt zu fliegen, um teilweise nur 4 Tage in einem Land zu verbringen. Wie viel man da von der Kultur, der Vielfalt und dem Charakter von Land und Leute mitkriegen kann, mag ich zu hinterfragen. Ich schrieb mir jedenfalls hinter die Ohren, dass ich mir meinem privilegierten Leben zur Zeit sehr sehr fest bewusst bin und jeden Moment schätze und geniesse. Etwas wie emotionsloses Abstempeln von Ländern kommt mir definitiv nicht in den Sinn und wenn, dann erinnert mich daran und ich suche mir schnellst möglich irgendwo Job und Wohnung und Alltag, um diese Freiheit wieder schätzen zu können.

Nun, jetzt sind wir ja im Auto unterwegs und wie schaffen wir es jetzt, Leute kennenzulernen und gute Gespräche zu führen? Indem man Hitchhiker auflädt! Genau, Leute, die am Strassenrand den Daumen hochheben und eine Mitfahrgelegenheit suchen. Unsere ersten waren zwei Ladies aus Santiago de Chile, superherzig und quasslig. Dann eine Deutsche Backpackerin und dann für einen kurzen Shuttle nochmals zwei Chilenen. Und dann für etwa drei Stunden hatten wir einen Deutschen und zwei Jungs aus Argentinien inkl. deren ganzen Krempel auf dem Rücksitz. Ich habe genau gar nicht mehr aus dem Rückfenster rausgesehen, aber diesen Nachmittag hätte ich auf keinen Fall missen wollen. Interessante Gespräche, spannende Leben und definitiv dankbare Reisende. In Villa Manihuales angekommen gabs, traditionell argentinisch, eine Runde Maté (den trinkt man, indem man den Tee Becher mit Metall-Strohhalm in der Runde herumreicht) und wir quatschten noch ein gutes Stündchen weiter. Richtig herzig!

Später haben wir auch noch zwei Irländer kennengelernt, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Ehemalige bzw. nach wie vor Banker, teils in Zürich und Kopenhagen gelebt, waren sie einst Arbeitskollegen und verreisen immer mal wieder zusammen in die Fahrradferien. Natürlich gabs wieder spannende Gespräche, auch über verschiedene Lebensstile und inspirierende Referentner und redner. Fahrradurlauber sehen wir hier besonders viele. Respekt, bei geschätzt 200 kmh Wind reissts mir manchmal schon fast das Steuerrad aus der Hand. Diese armen Velofahrer dann zu sehen, wie sie ihr Velo und eine Tonne Gepäck im Gegenwind stossen müssen, ohje. Tut mir so leid! Aber hey, irgenwie au selber Schuld, wer sich freiwillig auf eine solche Tortur einlässt…;-) Nein Scherz, Respekt!!!

Im Parque Patagonia gesellte sich dann der Ranger Thomas zu uns, auch mit ihm teilten wir einen Maté, unseren ZNacht und später auch noch etwas Tee. Einst studierte er Kunst, dann Geschichte und später Biologie & Statistik. Jetzt arbeitete er seit zwei Jahren als Ranger, teils im Torres del Paine Park, teils im Parque Patagonia. Manchmal sei’s einsam, manchmal ist viel los. Mal musste er mit ultraschwerem Wassertank auf dem Rücken einen Waldbrand löschen und mal verbrachte er eine Nacht mucksmäuschen still mit Feldstecher und Maté auf dem Dach unseres Unterstands, um die Pumas zu beobachten. Jap, Geschichten gibts viele zu erzählen, von all den Menschen, die man unterwegs so trifft. Eines kann ich euch sagen: Die meisten haben etwas tolles zu erzählen 😉

So beispielsweise auch ein holländisches Päärchen mittleren Alters. Sven und ich fuhren mit Ach und Krach von Chile nach Argentinien, über das absolute Niemandsland. Irgendwann sehe ich im Rückspiegel ein Auto. Weit weg. Geschätzt 15 Sekunden später hockt mir die Karre fast auf dem Rücksitz. WTF sind denn das fürig?! Dann sehe ich das Nummernschild: Gelb, Europäisch. Holländer! Sven schaut nach hinten und zack ist der Truck schon vorbeigeschossen. Ehhhh nei, wie schnäll fahret die!? Ich war schon mit über 75 auf der schottrigen Landstrasse unterwegs und die Guten sind nur so geflogen. Ich so: „Waren das junge Leute!?“ Sven: „Nope, eher 50+ und so bisschen spiessig mit Hemd und Markenjäggli. Sahen ziemlich langweilig aus.“

Dann iiiiirgendwann schaffen wirs zum „Highway“, mit genau einer Tankstelle und einem Kiosk und 5 Geisterhäuschen. Dort steht das Auto: Ein umgebauter Toyota 4Runner mit aufklappbarer Kabine hintendrauf. uuuuhuueeeere geil!!!!! Die Lady davor: Etwa 58, hübsch geschminkt und hübsch gekleidet. Sven auf Mission: „Ich geh jetzt mit der Holländerin quatschen, mal schauen was das für welche sind…“ Als ich wieder aus dem Kiosk rauskomme, herrscht schon ein riesen Gelächter. Das Ehepaar ist definitiv aus gutem Haus, säb isch klar. Die Lieben besitzen diesen Van seit 4,5 Jahren, fuhren durch halb Afrika und besitzen zuhause noch ein Haus und einen zweiten Wohnwagen. Den Toyota haben sie umgebaut gekauft und es ist echt ein kleines Hüsli auf Rädern. EN TRAUM! Dass der elegante, charmante Herr mit etwa 120 kmh auf der katastrophalen Strasse an mir vorbeigeschossen ist, kann ich mir fast nicht vorstellen. Sie sind oberherzig, mega lustig und sind natürlich mit allen Camper-Wassern gewaschen. Ein paar Minuten später gesellt sich noch ein zweites holländisches Päärchen dazu. Auch sie kannten das Ehepaar bereits, mussten sie von ihnen nämlich „beinahe“ aus einem Wasserloch rausgezogen werden. LOL. Schlussendlich gesellten wir uns alle zusammen und verbrachten die Nacht beim selben Stellplatz von Juan Carlos, einem lokalen Notfallsanitäter. Jep, just in case. hahaha. Das Ehepaar hatte sogar richtig bequeme Garten-Stühle dabei und uns diese angeboten, da Sven und ich meist auf unserem Picknick-Deckeli kochen und essen müssen 😉 Iiiiirgendjemand hat beim Möbelkauf nämlich rebelliert: Nei, das isch ztüür, mir hend ke Platz und Stüehl und en Tisch bruchemer sowieso nöd, das isch too much…. Jap, falsch gedacht, Corina. Nach bald drei Wochen muss ich zugeben: Ich beneide jeden mit Stühlen und Tischli. Damn it!

(und ja, ich verstehe Holländisch lustigerweise recht gut und es reicht meistens, wenn alle Holländisch quatschen und ich in English mitrede 🙂 )

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the dutchies united.
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hitchhiker inklusive 3x Campingusrüschtig-Invasion i eusem Auto =)