Sunday Cinema, gefällig? #Cambodia

Während es in der Schweiz schneit und der treue Leser womöglich bereits verfroren ist, habe ich mich auf dem Sofa mit fünf Liter brühendem Tee eingemummelt und ENDLICH, ENDLICH das Video zu Kambodscha geschnitten. Die meisten Szenen sind gar aus dem August. Es kommt mir vor, als wär es ewig her. Hach, schön war’s und wie gern würde ich wieder zurück, gäll Barbara. Scherz, ich war ja zweimal in Kambodscha und das ist jetzt auch genug. Für den Moment.

Hoffentlich liefert der Clip etwas Ferienstimmung für die einen und für mich fix etwas Vorfreuden-Stimmung auf 2019. Happy Sunday allerseits!

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Oh my mosquito #Cambodia

Hallihallo aus Kampot. Jap. Wiedermal Kampot. Vor zweieinhalb Wochen bin ich zurückgekommen und es hätte besser nicht sein können. Das Wiedersehen mit alten Bekannten war lustig und herzlich. Und wie Kampot halt so ist: Anstrengend und ungesund. Zu wenig Schlaf und zu viel Ausgang. Abend Nummer Eins war zugleich auch Halloween und wer die Expatszene im Kampot kennt, der weiss, dass da eh immer Gestalten rumlaufen, bei denen jahreinjahraus Halloween herrscht.

Glücklicherweise habe ich aber am ersten Nachmittag den lieben Marco, einen saucoolen Schweizer aus Hinwil (Zuefäll gits gäll), kennengelernt. Er hat dasselbe Volounteering gemacht, bei dem ich war und reist seit zwei Jahren durch Asien. Davon fast ein Jahr mit dem Motorrad in Vietnam. Wie cool isch das dänn?! Er ist der Typ Reisende, der NUR an lokalen Strassenständen isst und im Gaggo bei den Locals zuhause unterkommt. Überhaupt fährt er mit dem Töff in die hinterletzten Bergdörfer, findet sich dort eine Unterkunft, spricht zwar die Sprache nicht, aber arbeitet einen Tag später dann auf der Farm mit. Was füre Legände! Nachdem wir ein paar lustige (unter dem Motto: let’s go all in!) Nächte hatten, habe ich ihm einen Metallstrohhalm geschenkt und er mir gezeigt, wie er sich die Haare mit rohen Eiern und Limetten wäscht. Intimer als Bluetsbrüederschaft, sowas. Friends forever oder so hahaha!

Dann gings für ihn zurück nach Vietnam und für mich nach Koh Rong Sanloem. Eine kleine, supereinfache Insel. Dort war ich mit einem Yoga Studio in Kontakt, die mich tatsächlich als Yoga-Lehrerin engagieren wollten. Ich skeptisch, aber offen, ging frohen Mutes nach Koh Rong Sanloem! Ich kam an, traf die lieben Inhaber des veganen Restaurants / Yoga- und Tattoostudios und lernte auch gleich die Yogalehrerin kennen, die dort fix unterrichtet. Alles schien perfekt, ich checkte in meine Unterkunft ein und ging früh schlafen. Morgens wachte ich auf und fühlte mich mässig. Ich erkundete die Insel, traf mich zum Yoga und fühlte mich abends, als hätte mich ein Lastwagen überfahren. Dann gings los: Fieber, Fieber, Fieber. Kopfweh. Schmerzen hinter den Augen, so fest, als würde es mir diese gleich mit 180 km/h vorne rausschiessen. Dann Gliederschmerzen überall, wo es rein phyisch überhaupt so geht. Ich ging um 18 Uhr ins Bett, schlief bis morgens um 8 Uhr. Der Hostelinhaber Danny, en riese Schatz, nur dezent besorgt: Alles okay bei dir? Nein, nix okay bei mir. Er macht mir Tee, ich schlafe nochmals 4h fiebrig vor mich hin. Alles tut mir weh. Ich geh beim Yoga vorbei, um zu sagen, dass ich krank bin. Dann treffe ich per Zufall ein paar Mädels, komme ins Gespräch und fädle mir einen Job bei einem mega tollen Hostel ein. Irgendwie schräg, dass ich trotz allem noch diesen Job auf die Beine stellen konnte, bevor ich frierend bei 30 Grad einen heissen Tee trank und wieder schlafen ging.

Am anderen Morgen startete dann schon mein Volounteering-Job: 8 Uhr bis 14 Uhr Frühstück machen, Kaffee servieren, Check-ins, Check-outs und das an der allerschönsten Location auf ganz Koh Rong Sanloem. Gegenleistung: Unterkunft und 3 Mahlzeiten pro Tag. Was für ein Glückspilz ich doch bin! Mit Ach und Krach schleppte ich meinen Rucksack den Hügel hoch zum The Cliff Hostel und kriegte eine superschnelle Einführung ins System und alles, was es so zu wissen gab. Coole Sache: Der Inhaber Mai ist Kambodschaner, ebenso seine zwei Mitarbeiter Rashan (Kei ahnig wiemers schribt) und Pot. Pot ist gehörlos und spricht / versteht entsprechend natürlich auch kein English. Rashan’s English war gut genug, aber sagen wir mal so: Unsere Kommunikation fand vorallem in Form von Tänzen und schauspielerischen Darbietungen statt. Wir verstanden uns bestens und nach einem halben Tag angewöhnen klappte alles wie geschmiert.

Ansonsten ging es mir weniger geschmiert. Ich konnte nichts essen (vonwegen drei Mahlzeiten pro Tag) ohne beim Anblick des Essens schon fast zu erbrechen, bekam Durchfall und hatte die schlimmsten Schmerzen in meinen Beinen und im unteren Rücken. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich gesagt, ich bin schwanger. Bini natürlich nöd. Denn als hätte ich nicht schon das Langzeit-Tief meines gesundheitlichen Wohlbefindes erreicht, habe ich nach nur 17 Zyklustagen auch noch meine Tage bekommen. SUPERSCHRÄG!!! Und ganz, ganz würklich uhuere-sau-uncool, wenn man krank ist und die hygienische Infrastruktur auf einer einsamen Insel etwa genau unterirdisch daherkommt. Hatte ich doch das Vergnügen erst grad schon beim Trekken und jetzt schon wieder? F*** you mother nature!!

Ich ging wieder früh zu Bett und fühlte mich am nächsten Morgen nur minimal besser. Ich wusste: „Ich muss arbeiten“, raffte mich in die Kaltwasser-Dusche, schlotterte trotz 30 Grad vor mich hin und schleppte mich runter zum Restaurant. Mal kurz locker 100 eiskalte Liter geschwitzt und dann wurde mir schwarz. Am Boden sitzend kam ich wieder zu mir, nur um festzustellen, dass meine Haut komplett von roten Punkten übersät ist. Upsi. Da lauft öppis ganz schief. Leider waren aber der Inhaber und ein Staff auf einer andere Insel und ich musste die Morgenschicht mit Rashan allein schieben. Also nöd schwächle Corina. Ich zogs durch und kroch um 14 Uhr zurück ins Bett. Abends half ich nochmals an der Bar aus, weil ein anderer Helfer ausfiel. NO IDEA, wie ich das gemacht habe. Am Tag danach dieselbe Story, dann konnte ich nicht mehr und machte einen Tag „krank“. Als mein allgemeiner Zustand auch einen Tag später nicht besser wurde, wusste ich: Ich muss weg von dieser Insel und zum Arzt.

Ich schnappte mir das nächste Boot, höckte mich in den Bus nach Kampot und fuhr in direktem Weg ins Spital. Dort nahm man Blut und diagnostizierte: Dengue Fieber. Jaaaaa merrrcccciiiiii. Nebst utopischen Gliederschmerzen und dem Ausschlag, der nun auch noch wie die Hölle juckte, kommt das Fieber auch mit Blutungsneigungen. Deshalb löst das bei Frauen oftmals eine frischfröhlich tschodernde Zwischenblutung aus. Jetzt isch alles klar. (Sorry, sicher too much information für d Manne unter de Leser!) Aber liebe Ladies: Falls ihr mal dieselben Symptome habt, it’s dengue! Wartet nicht so lange wie ich, bis ihr ins Spital fährt. Lol. Obwohl, machen kann man ja trotzdem nix. Aussitzen bzw. ausschlafen und irgendwann kommen die Kräfte zurück. 12 Tage ist der Ausbruch des Fiebers her und ich habe noch immer fast ein Herz-Chriesi, wenn ich ein paar Treppen hochsteige. Es hat mich definitiv mehr mitgenommen, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Ansonsten geht es mir wieder bestens. Keine weiteren Beschwerden mehr 🙂

Aber oooh mein Gott, ich bin mir den Wert meiner Gesundheit mal wieder sehr, sehr, seeehr fest bewusst geworden. Die Krankenkasse, die ich leistungsmässig fürs 2019 eigentlich reduzieren wollte, habe ich grad wieder hochgeschraubt. Wenns einem mal wieder so richtig beschissen geht, auch wenns nur ein paar Tage sind, weiss man halt doch, dass die Gesundheit das allerwichtigste Gut auf Erden ist. Und hooooly shiiit ich bin soooo heilfroh, war es nur Dengue Fieber. Mein dezentes Hypochonder-Ich hatte zwischenzeitlich natürlich leichte bis allergrösste Panik, dass es etwas richtig Schlimmes sein könnte. „Mein Leben läuft ja zuuu perfekt, es musste ja früher oder später etwas kommen“…und so Gedanken. Entsprechend habe ich Mami und Papi natürlich auch keinen Mucks erzählt, bis ich die Diagnose im Spital hatte. Sonst wären wir schon zu Dritt am Hypern gewesen und das hätte auch keinem was gebracht 😉

Noch kurz zu den häufig gestellten Fragen: Nein, Dengue (sowie Zika) kann man nicht impfen. Sonst hätte ich das nebst meinen 123’980 andern Impfungen sicher gemacht. Es ist eine Mücke und man kann sich mit Antibrumm schützen. Und glaubet mer, ich antibrumme jeden Tag eine Tonne Deet auf meine Haut, sodass ich zwischenzeitlich längst erwartet habe, davon irgendwann eine Vergiftung davon zu tragen. Auch in Sachen Heilung gibts bei Dengue nix, ausser abwarten und Tee trinken. Gegen die Schmerzen und das Fieber kann man was nehmen, ich hab das aber auf der Insel und mit meinen zwei übriggebliebenen Panadol ausgesessen. Immun ist man nach dem Dengue Fieber leider auch nicht, im Gegenteil: Eine erneute Infizierung könnte zu grösseren Problemen führen. Darum kümmere ich mich aber, falls es mal soweit wäre. Bis dahin suhle ich mich im Antibrumm und warte darauf, dass meine Kräfte wieder ganz zurückkommen. Schade, um das perfekte Volounteering und die Yogastunden, die ich nicht geben konnte. Aber ich werde für die Dauer meines Visums wohl noch in den Ecken Kampot’s am Pool verbringen, die Batterien wiederaufladen und in aller Ruhe meine nächsten Steps planen 🙂

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Marco beim Markteinkauf (Limetten)
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Eier für die Haarwäsche
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Blurry nights. „Gömmer all in“, seit si. ohjeohje.

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Min Arbeitsplatz – wenn leider au nume für zu churz…

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Beste z Morge in ganz Kampot vom Market (siehe Fotos oben)
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Dengue-Paradise…

Recyceln in #Kambodscha

Nach über 8 Monaten in Asien war es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Das war zumindest meine Idee hinter dem Volounteering. Wie die Abfallsituation in Asien ist, muss ich euch ja nicht nochmals vorkauen. Sie ist Scheisse. Nicht überall gleich schlimm, aber fast nirgends ideal. Basta. Zurück zum Volounteering: Workaway ist eine Seite, auf der Privatpersonen sowie Organisationen, Schulen oder Familien mit einem Bauernhof / Hostelprojekt nach Freiwilligen Helfern suchen können. Ich fand mein Projekt in Kambodscha ebenso auf Workaway, genaugenommen folgendes: Zwei Jungs haben eine Vision, es soll ein umfängliches Recyclingprojekt, wo aus Abfall nachhaltige Ziegelsteine erstellt werden, aufgebaut werden. Sie seien bereits mittendrin im Erstellen der Zeigelsteine. Langfristig sollen so Häuser für die Bevölkerung und ein Park für Schulen zur Bildung in Bezug auf Abfallmanagement erstellt werden. Klingt wahnsinnig toll, oder?

Nun, die Realität sah etwas anders aus. In Kampot, wo ich für zwei Wochen unterkam bzw. zuvor für meinen Geburi schon eingenistet war, herrscht bekanntlich eine intensive Expatszene. So sind auch die zwei Inhaber unseres Projekts wahrhaftige Kambodscha-Expats: Sie lebten zuvor auf Koh Rong, arbeiteten im Hostelgewerbe und sind jetzt in Kampot und arbeiten teils als DJ, teils in einer Bar und teils für ECHO, das Projekt. Die Idee der beiden, Bib & Joe, ist wirklich grossartig. Ebenfalls haben sie von einem Australier die ideale Infrastruktur erhalten, um dem ganzen einen Start zu geben. Doch am ersten Tag, als ich das Projekt sah, merkte ich schnell: Viele Dinge sind zur Zeit erst Ideen, doch können diese so realisiert werden?

Es stehen aktuell noch unglaublich viele Hindernisse im Weg. In Kambodscha läuft halt alles ein bisschen anders. Zudem ist es für die beiden nicht einfach, sich selbst über Wasser zu halten und dann auch noch ein Projekt, dass aktuell nur kostet, zu finanzieren. Deshalb haben wir primär geholfen, eine Bartheke für ein Hostel zu „bauen“. So kann Geld reinkommen, welches dann später investiert werden soll. Für ECHO. Für den Traum der beiden. Ich finde die Idee nach wie vor wichtig und grossartig, denn in Kambodscha kümmert sich die Regierung ja bekanntlich nicht um eine Lösung. Die Jungs sammeln in Kampot mit einem Elektrotuktuk den Müll, sortieren in Glas, Plastik, Aluminium und Styropor / sonstiges. Aluminium geht zurück an die Community, die Khmer people verkaufen diese an der vietnamesischen Grenze an Vietnam und China. Diese bezahlen gutes Geld dafür. Plastik nimmt leider keiner mehr an – war früher anders – und entsprechend horten die Jungs bereits Unmengen Plastik und Glas. Eine richtige, schlaue, funktionale Infrastruktur, das ganze professionell zu recyceln, ist noch ausstehend. Es ist also wirklich noch ein weiter Weg, doch Kampot ist verhältnismässig zu ganz Kambodscha bereits recht sauber. Die Frage ist nun eher, was machen mit dem gesammelten Abfall?

Aktuell wird ein Teil vom Glas in Ziegelsteine verarbeitet, mehr Glas jedoch geht in Bartheken. Als „Dekoelement“. Von Recyceln kann man hier nicht sprechen (finde ich), da das Glas aus seinem ewigen Lebenszyklus geholt wird, obwohl genau dieses Material so gut wiederverwendbar wäre. Den Jungs ist das aber klar, es ist für sie ein Mittel zum Zweck, an Geld zu kommen und dann bessere Gerätschaften zu kaufen.

Für mich persönlich war die Erfahrung sensationell. Jap, im ersten Moment dachte ich: Shit, nöd das, woni ghofft han. ABER: Ich habe tolle, tolle Menschen kennengelernt.  Zusammen haben wir poliert und geschwitzt und gelacht. Lecker essen und feiern durfte auch nicht fehlen. Es war wirklich ein Wahnsinnserlebnis, ein spannender Austausch mit komplett zusammengewürfelten Personen, Lebensstilen und Geschichten. Mich ziehts ganz fest zurück nach Kampot. Wer weiss, womöglich sogar bald! Zudem habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Hilfe wird ungemein geschätzt. Und in diesem Moment zählt es nicht, ob du persönlich an das Resultat glaubst oder nicht. Sondern es geht darum, das / etwas zu geben, was diese Personen in diesem Moment brauchen. Obwohl ich kritisch gegenüber dem langfristigen Erfolg des Projekts gestimmt bin, kann es ja tatsächlich sein, dass die Jungs in einem Jahr eine wahnsinnige Recyclinginfrastruktur aufgebaut haben?

PS. Ja, es gab ein Erdbeben mit Tsunami in Sulawesi, Indonesien. Wir auf Bali haben nichts gespürt, weder im Meer noch an Land. Sulawesi ist distanztechnisch superweit weg.

Auch in Sachen Lombok Earthquake wird auf Bali immer noch gespendet. Es ist zwar jetzt wieder ruhiger um Lombok, aber die Situation ist noch nicht „gelöst“. Hilfte wird in verschiedenen Formen benötigt, sei es in Geld, um Sachen zu kaufen, aber auch in Essen, Kleidung, Verbrauchsartikel. Bei mir gabs wiedermal eine Kleiderspende und die übrigen Rupien. hati hati!

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Welcome to the Pot! #Cambodia

Holy Guacamole! Ich kann schlichtweg nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir kamen knapp vor meinem Geburi nach Kampot und bezogen dann für eine Nacht eine supersuperhübsche Unterkunft direkt am Fluss. Mein einziger Wunsch war nämlich: Wenn nicht Surfen, dann bitte Wasser. Wenn nicht Meer, dann mind. ein Fluss oder See! Entsprechend haben wir den Tag auf einem Kayak verbracht und es war soooo idyllisch. Abends gabs feines Essen und am nächsten Tag gings zurück in die Stadt.

Kampot ist eine überschaubare Kleinstadt und hat einen herzigen Kern mit deutlich französischem Stil. Für kambodschanische Verhältnisse ist die Stadt supersauber und ziemlich organisiert. Schnell wird auch klar: Die Expatszene ist sehr stark ausgeprägt. Es gibt viele Cafés und Bars, die von Expats geführt werden. Wo es bspw. in Indonesien viele leckere, lokalgeführte Restaurants gibt, haben wir das in Kampot oder allgemein in Kambodscha viel weniger gefunden.

Die ersten Tage kamen wir in einem Gasthaus unter und waren mit dem (wohl ältesten) Fahrrad (Kampots) unterwegs. Ich han fix en Platte gha, aber mit echli würge ischs scho gfahre. Ein etwas erschreckenderes Gegenteil zur herzigen Region war dann jedoch die Gegenwart der vielen Sexpats. Restaurants mit älteren Herren (würde sagen 65+ und nicht selten „schmuddliger“ Erscheinung), die junge Mädchen (Mehrzahl) auf dem Schoss haben, sind keine Seltenheit. So viele! Auch das ist ein Teil Kambodschas, leider…

In Kampot gibt’s einige kulinarische Empfehlungen, so beispielsweise mein Favorit, das Epic Arts Café. Eine in UK basierte Stiftung, die sich für Menschen mit Behinderung in Kambodscha einsetzt. So ist das Personal bspw. Gehörlos oder Stumm etc. // Menschen mit Behinderung haben in Kambodscha und anderen Ländern Asiens leider nach wie vor ein viel schwierigerer Stand in der Gesellschaft. Oder Simple Things, die auch gutes tun. Wer den besten Kaffee in der Stadt will, geht zur Espresso Roastery mit selbstgemachtem Kaffee. Auch sonst gab’s in und um Kampot noch ganz viele tolle Dinge, von denen ich euch aber separat noch erzählen möchte!

Nach ein paar Tagen stand dann Sven’s kleine Abreise an: Er ging für zwei Wochen nach Malaysia, zuerst auf die Perhentian Islands, um zu tauchen. Ich blieb in Kampot, weil ich dort noch meinen Arbeitseinsatz leisten wollte. Ich sage hier kleine Abreise, weil uns die grosse Abreise Ende September noch bevorsteht. Er geht dann bis im Januar nach Holland während ich frischfröhlich weiter in Asien unterwegs sein werde 😉 Nei, ich han nonig gnueg…

Nun gings ans Eingemachte. Wer sich erinnert: Ich wollte ursprünglich nach Kampot, weil ich hier ein Freiwilligen-Arbeitseinsatz machen wollte. Über das Projekt selbst erzähle ich euch auch ein anderes Mal noch mehr Details. Die Jungs, Bib und Joe, erklärten mir dann, dass ich im Gasthaus High Tide einchecken soll. Dort gäbe es verbilligte Betten / Bungalows oder kostenlos eine Hängematte. Okay, perfekt. Auf geht’s!

High Tide ist ein „Hostel“ direkt am Fluss. Wahnsinns Location, etwas abgelegen vom Stadtkern aber richtig, richtig idyllisch. Der Empfang war herzlich, aber nebst dem normalen Menu wurde ich auch grad instruiert, was es noch für ein Menu mit anderen Substanzen gäbe. Ich brauchte einen Moment, um zu schnallen, was mir hier gerade alles angeboten wird. LOL. Oke merci, ja mal luege, vielleicht eher nöd. Danke! Hahahaha!

Nachdem ich mich mit diversen Gestalten und lieben Menschen unterhalten habe, stellte sich heraus: Die meisten der Mitarbeiter / Besitzer / Expats lebten zuvor auf den Inseln Koh Rong / Samloem und in Sihanoukville. Und mir war sofort und zweifelsfrei klar: Ich bin hier mitten in den crazy people gelandet, von denen mir Manon in Otres noch erzählt hat. HAHA ooops!

Ich sags mal so: Zwei Wochen später habe ich High Tide mit dem schwersten Herzen ever verlassen. Mir sind die Menschen ans Herz gewachsen, obwohl ich für die einen bestimmt nur ein weiterer Gast von 240293 Gästen war. Anderen werde ich wohl länger in Erinnerung bleiben, so gab es doch zahlreiche lustige, legendäre oder einfach einmalige Momente. Ich habe während zwei Wochen selten so wenig geschlafen, hatte eine abenteuerliche Bootparty miterlebt, die grüsigsten Joss Shots, lernte neue Skills, hatte einen violetten Hintern aufgrund der allerheftigsten Arschbombe ever und habe so viele Hunde geknuddlet, wie in meinem ganzen Leben noch nie. Und jap, ich laufe seit zwei Wochen mit einem „durch einen Kugelschreiberstift geflickten“ FlipFlop rum, der mich jeden Tag an die Kuriositäten erinnert, die ich erlebte. Selten konnte ich so runterfahren, den Moment so geniessen und einfach nur sein. High Tide ist eine Familie und irgendwie grad weit genug weg vom ganzen Zirkus, dass man sich dort einfach irgendwann wohl fühlt. Mal schauen, vielleicht komm ich gar zurück… thanks guys.

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Otres Village #Cambodia

Heilige Bimbam, das war mir was. Wir nahmen von PP einen Bus nach Sihanoukville und von dort das wohl grausamste TukTuk meines Lebens. Die Strasse war dermassen schlecht, ich hätte mit meinem Kopf fast ein Loch in das TukTuk Dach gebohrt. Schleudersitz gefälligst? Die Schlaglöcher waren so abartig, dass wir fast eine Stunde brauchten. Sven und ich mussten uns am Schluss fast übergeben. VON EINER TUKTUK Fahrt im Schritttempo! Das muss man sich mal vorstellen… Überhaupt war Sihanoukville im ersten Moment nur eins: En riese Güselberg und eine riesen Baustelle. WTF gaht da ab!?

Aber nach Sihanoukville kommt man eigentlich nur, für die umliegenden Örtli. Wir haben über Otres und die vorgelagerten Insel Koh Rong Samloem und Koh Rong eher Gutes gelesen, also waren wir gespannt. In Otres angekommen die Realität: Auch eine riesen Baustelle. Und Schlamm. Ganz viel Schlamm. Kniehocher Schlamm anstelle von Zufahrtsstrassen und Gehwegen. Jap, ich bin kei Sekunde suber gsi. Überhaupt gar nüt isch suber gsi. Unsere Unterkunft „Om Home“ hingegen war richtig süss und die Inhaberin, eine französischsprechende Kanadierin 55+, waren ein sehr guter Fang. In den darauffolgenden Tagen erkundeten wir Otres und quatschten mit diversen Geschäftsbesitzern. Der Vibe hier ist: Ziemlich verhängt. Hippies, oder Möchte-gern-Hippies oder New-Age-Hippies oder wie man das alles schubladisieren will, an jeder Ecke. Herzige Hostels und herzige Bars, aber kaum was los. Nebensaison halt. Und der Regen. Und der Schlamm. Eieiei.

Vieles war von Unwettern beschädigt und es lohnt sich irgendwie auch gar nicht mehr, hier viel zu investieren. Entweder die Chinesen kommen oder der nächste Monsunschauer. So scheint zumindest das „lokale Denken“ zu sein.

Wir lernten schnell, dass chinesische Investoren die ganze Region aufgekaut haben und ein Macau 2.0 bauen wollen. Es soll eine komplette Casinostadt werden. Vom Hippiecharme, wie er wohl vor zwei Jahren noch präsent war und von dem alle etwas melancholisch schwärmten, ist nicht mehr so mega viel zu spüren. Klar gibt’s noch coole Sachen, aber vieles war geschlossen oder steht zum Verkauf. Es war wirklich herzzerreissend, wie die einen Besitzer so richtige Aussteiger sind. Wie man sich diese im Bilderbuch vorstellt. Viele sind etwas älter, seit 15 Jahren in der Region und sie wissen, dass es wahrscheinlich ab nächstem Jahr nicht mehr so sein wird, wie es mal war.

Eine Chinesin hat mir erzählt, dass den Kambodschanern so viel Geld für ihr Land angeboten wurde, wie sie ihm ganzen Leben in Kambodscha nienienie verdienen könnten. Entsprechend kann man keinem, der einst in solcher Armut lebte, vorwerfen, dass er bei einem epischen Geldbetrag nicht auch die Chance seines Lebens sieht. Wie sollte man es auch besser wissen? Sein Grundstück behalten, für die Hippiecommunity und den Charme der Region? Schliesslich ist man als Khmer meist nicht „Teil der Expatsszene“, ausser man spricht Englisch. Oder für’s eigene Glück verkaufen und alles zu einer Casinostadt verkommen lassen? Ich kann’s ihnen kaum verübeln. Die einen hoffen, dass es Arbeitsplätze und eine gute Wirtschaft geben kann. Aber man munkelt, dass die Chinesen eher gern ihre eigenen Landsleute bringen und anstellen. Mal schauen…

Dasselbe hat mir ein älterer Australier, der viele Jahre on und off in Kambodscha lebt, über die Machenschaften der Politiker erzählt: Anstatt das Geld in die Staatskasse zu stecken, werden wohl Millionenbeträge auf ausländische Bankkonten überwiesen und man lebt ein schönes Leben in New York oder London, anstatt etwas der kambodschanischen Bevölkerung zurückzugeben. Ob es stimmt? Ich weiss es nicht. Aber vorstellen kann ich’s mir durchaus. Korruption ist ein grosses Thema in Kambodscha.

Wir haben uns also täglich die lokalen Geschäfte angeguckt, die primär von Expats geführt werden. Uns bestens mit diversen Gestalten unterhalten und an der lokalen Quiz Night teilgenommen. Obwohl wir dachten, dass wir hier ziemlich gut dran wäre, haben wir mit Abstand verloren. Die Fragen drehten sich beispielsweise um Drogenlegenden aus den 68er Jahren, irgendwelche Kommunistischen Führer oder Songtexte von irgendwelchen alternativen Musikstücken. Ich hatte von der Hälfte der Fragen keinen Plan. Als Trostpreis gabs den hässlichsten Kampot Cider ever, den kann ich also wirklich nicht empfehlen 😉

Der Strand war schön, aber nicht wow. Ich wollte für meinen Geburi nach Koh Rong Samloem, was aber nicht geklappt hatte, da ein Unwetter aufkam. Anstelle gingen wir verfrüht nach Kampot. Unsere Gasthaus-Mutti Manon hat uns dann noch erzählt, dass in Sihanoukville und auf den Koh Rong Inseln lange Zeit eine Expatszene mit „ziemlich verrückten Menschen“ (crazy people) herrschte. Diese crazy people seien nun alle nach Kampot gewandert. Mh, okay? Was immer das au bedütet? Ich freute mich auf den Fluss und die herzige Altstadt, von der ich nur Gutes las. Und Kampot stand auch auf meiner To Do Liste, weil ich dort meinen Freiweilligeneinsatz geplant hatte. Auf geht’s also!

 

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Monsun Monsun Monsun

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Und das isch nani s schlimmste gsi…

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Für vegani Burger häts aber no glanget…

 

Phnom Penh #Cambodia

Bis vor kurzem hatte ich zu Phnom Penh keine konkreten Vorstellungen. Eine asiatische Megacity? Wie viele leben da überhaupt? Ein bisschen indisches Chaos? Ein Mini-Bangkok? Ich habe mich null auf die Haupstadt Kambodschas vorbereitet. Im Bus von Siem Reap nach PP haben wir dann Angelina Jolie’s Film „First they killed my father“ geschaut und ich realisierte, dass PP wohl eine der wichtigsten „Sehenswürdigkeiten“ in Kambodscha ist. Nicht der Stadt wegen, nicht des Essens wegen, und nicht aufgrund irgendwelcher Naturspektakel, sondern der Geschichte wegen.

Der Krieg in Kambodscha ist knapp 40 Jahre her und wird in Phnom Penh im Genozidmuseum sowie bei den Killing Fields haarsträubend beschrieben. Kurze Zusammenfassung: In Kambodscha gab es um 1975 einen verheerenden Bürgerkrieg. Unter Pol Pet wollten die Khmer Rouge den Kommunismus durchsetzen und es wurde skrupellos gewütet. Menschen wurden aus ihrem Zuhause vertrieben, in Arbeitslager gesteckt oder Staatsangestellte, Gebildete wie Lehrer oder ganz eifach Brillenträger (wird mit Intelligenz assoziiert) wurden mitsamt ihren Familien ermordet. Kommt uns aus dem Deutschland vom 2. Weltkrieg bekannt vor. Im Tuol Sleng Museum in PP ist man dem Schrecken so nah, wie man sich das gar nicht vorstellen kann. Die ehemalige High School wurde zu einem geheimen Kriegsgefängnis umfunktioniert. Man wurde dort so lange gefoltert, bis man irgendwelche Kriegsverbrechen oder Zugehörigkeiten zu CIA oder Anti-Kommunismus Kommitees gestand und dann (meist) bei den Killing Fields ermordet. Wir haben uns im Museum die Audiotour durch die Räume angehört und alle Räume besucht. Schon beim ersten Raum sind mir die Tränen nur so runtergelaufen. Die Blutflecken haben sich in den Stein eingefressen. Die Eisenbetter mit „Festschnall“-Funktion stehen noch an Ort und Stelle. An der Wand hängt ein Bild, wie es in jenem Moment dokumentiert wurde, als das Gefängnis nach Ende des Krieges entdeckt wurde. Nicht selten noch mit Leichen oder anderen menschlichen Überresten. In den weiteren Räumen reihen sich tausende Fotos aneinander. Fotos von Opfern, Geschichten von Opfern und ganz wenigen Überlebenden. Nach dem tausendsten Gesicht, dass mit einer „Gefängniskartei“ von der Wand starrt, war mir einfach nur noch schlecht. Nochmals maximal geheult hatte ich bei der Geschichte eines Neuseeländers, der mit einem Segelschiff auf Reisen war und aufgrund schlechter Witterung in die kambodschanische Meereszone reinsegelte. Auch er wurde nach Tuol Sleng verlegt, gefoltert und gezwungen, ein Geständnis abzuliefern. Das Geständnis spickte er mit Geheimcodes und Abkürzungen für Familie, Mutter und Freunde. Er wusste wohl, dass dies das Ende ist. Und so konnte er immerhin eine Botschaft hinterlassen, falls das Ganze irgendwann gefunden würde. Im Audioguide spricht der Bruder, wie er zuerst ewig nichts über die Verschollenheit seines Bruders erfuhr und dann die grausame Wahrheit aus einer Zeitung lesen musste. Er selbst war bei der Verhandlung von Pol Pet dabei und hat eine Rede vorgelesen, da nimmts selbst den emotionslosesten Menschen. Das Museum ist ganz allgemein wirklich nichts für schwache Nerven und ich habe ein Nastüechli nach dem anderen durchgewässert. Auch jetzt wird mir nochmals ganz anders, wenn ich das hier schreibe.

Am allerheftigsten ist für mich aber schlichtweg die Tatsache, dass so viele erwachsene Menschen, die heute noch „ein ganz normales Leben“ führen können / sollen / dürfen, diese ganze Katastrophe hautnah miterlebt hatten. Jedesmal wenn ich einen älteren Mann oder eine alte Frau sehe, schiessen mir die Bilder vom Museum und vom Film in den Kopf und ich könnte wieder losheulen. Diese Leute waren mittendrin. Klar sind mir die Geschichte Deutschlands und die nicht weniger grausamen Taten unter Hitler bestens bekannt. Ich denke, wäre ich in einem Konzentrationslager wie Auschwitz zu Besuch, wäre es mir nicht anders gegangen. Wenn ich dann in den News lese, dass in Deutschland wieder so eine krasse Rechtszene am Aufkommen ist, dann läuft mir der Schauer nur so den Rücken runter. Dasselbe in Kambodscha: Regiert wird das Land immer noch als Diktatur und der Machthabende war Teil der Khmer Rouge.

Eine gute Frage hat auch Luka gestellt: Pol Pet war ein „junger Mann“ aus dem ländlichen Kambodscha. Woher konnte dieser Mann so viele Waffen und damit so viel Macht erlangen? Ohne ausländisches Kriegsmaterial wäre sowas fast gar nicht möglich gewesen. Und dann haut’s mich auch gleich zurück in die Schweiz. Das Thema zu den Kriegsmaterialexporten zu verfolgen, da schauerts mich immermal wieder. Vorallem bei den Kommentarsektionen. Dann kann man sich ja noch lang „neutral“ heucheln. Indirekt oder gar direkt unterstützt man mit dieser Industrie IMMER Situationen, die man in anderen Ländern dann als neutraler Tourist in einem solchen Museum „begutachten“ kann. Ich möchte nicht in 20 Jahren im Land X im traurigsten Kriegsmuseum stehen und über einen Massenmord lesen, der zwar „einer extremistischen Gruppe Sowieso“ zugeschrieben wird und dann aber im Hintergrund wissen, dass wir Schweizer die Munition für diesen ganzen S****** geliefert haben.

Wem die heutige Situation in Kambodscha zu verdanken (oder zu verschulden) ist, ist wohl eine komplizierte Frage. Zu viele hatten und haben ihre Finger im Spiel. Und da fällt mir ein, was Johann in Flores predigte: The past is the past, you can’t change it. Oder in seinem französischen Akzent: Se past is se past. Wenn man anfängt, daran rumzustudieren, wird man nie ein Ende und erst Recht nie mehr den Glauben daran finden, dass es auf dieser Welt irgendwann für alle fair zu und her geht. Deshalb möchte ich weg kommen von der Schuldfrage. Klar ist ein gewisses Grundwissen der Vergangenheit relevant, um die heutige Situation zu verstehen. Aber Ziel ist, dass man vorwärts schaut. Und Gutes tut. Als Individuum. Deshalb zog es uns aus Phnom Penh in Richtung Süden…

PS. Wenn ihr in PP seid: Besucht das Sabay Vegiliciou Restaurant. Die Besitzer führten einst ein Hundefleisch Resti und sind jetzt zu Veganern mutiert. Das war tatsächlich ein kleiner Aufsteller zwischen all dem Drama in PP. 

PS2. Keine Fotos aus dem Museum / Killing Fields.

 

Angkor Wat & Sozialprojekte #Cambodia

Oohhh mein Gott – ich habe jetzt wohl genug Tempel für die nächsten 249234 Jahre. Nei Scherz, aber mol, eigentlich scho. Genaugenommen habe ich in diesem Jahr die wohl berühmtesten Tempel überhaupt besucht: Bagan in Myanmar, Borobudur und Prambanan in Java und jetzt auch Angkor Wat und das ganze Sammelsurium an Tempeln rundherum. KRASS!

Zusammengenommen mit den grossen Moscheen in Indien und den Hindutempel auf Bali ist das ein ganz schön religiöses Jahr für eine so Nicht-Religiöse-Person wie mich. Schräg gäll, so viel Begeisterung und Ausdauer wäre mir bei Kirchen ja niiiie in den Sinn gekommen. Aber vielleicht kommt das irgendwann ja plötzlich noch. Oder auch nicht. Wer weiss.

Jedenfalls ist Angkor Wat ein absolutes Muss, obwohl mein absoluter Lieblingstempel ganz klar Ta Prohm war. Der „überwachsene Dschungeltempel“ ist bekannt aus Lara Croft / Tomb Raider und was.für.eine.Sensation. Wir hatten den Tempel fast für uns allein und gingen ewig darin verloren. Er ist soooo mystisch, wie er von all den Wurzeln und dem Moos überwachsen ist. Würkli, wow. Ich habe hinderschi und fürschi geföttelet und gefilmt und ich entschuldige mich jetzt schon, dass es für euch sicher oberlangweilig wird, ein weiteres Mal tausend Tempelfotos und Szenen anzuschauen. Ha! Sage und schreibe über 8 Stunden lang haben wir uns zig Tempelanlagen angeschaut. Bis mir fast die Beine abfielen. Den Nacken hab ich mir auch noch verbrannt. He nei. Bei meiner Haut frage ich mich manchmal schon ein wenig, ob das eigentlich ein schlechter Witz ist. Scheint die Sonne 3 Tage nicht, verliere ich meine ganze Bräune. Ich bin zwar nicht die mehr Bleichste, aber man könnte meinen, ich hätte nach acht Monaten in der Sonne eine dezente Farbe. Bha. Die kommt so schnell, wie sie wieder geht. Adee merci.

Wer alles über die Geschichte der Tempel erfahren will, ist im Angkor Museum gut bedient. Dort haben wir uns quer durch die verschiedenen Könige und Mythen gelesen. Lustig ist: Der Tempel war ursprünglich ein Hindutempel. Mit dem Buddhismus, der nach Cambodia überschwappte, wurde er dann aber praktischerweise umfunktioniert. Sweet!

Siem Reap selbst hat mich aber MEGA überrascht. Ich wusste zwar mittlerweile, dass der Krieg hier noch nicht all zu lange her war, aber was wir dort vorfanden, war einfach nur sensationell: SO VIELE HILFSPROJEKTE! Mega viele Menschen aus dem Westen, die sich für die Bildung, Entwicklung und Verbesserung der Infrastruktur für Kambodschaner einsetzen. Und es ist nötig! Ich erzähle euch dann beim Post aus Phnom Penh noch mehr dazu. In Siem Reap an sich war es einfach wahnsinnig gut, diesen ganzen Support zu sehen. Auch gibts Handwerksbetriebe für Menschen, die vom Krieg „geschädigt“ sind. Sei es psychisch oder auch körperlich durch den Verlust von Körperteilen. Das ist nämlich hier ganz auffällig – Vielen fehlt ein Arm oder ein Bein. Grund sind die unzähligen Landmienen, von denen bis heute leider noch viele unentdeckt sind.

Wir haben auch ein Restaurant besucht, dass von Schweizern geführt wird. MEGA empfehlenswert. Sie bilden Jugendliche aus, die in Waisenhäusern aufwachsen und keine Perspektiven mehr haben, sobald sie zu alt für’s Waisenhaus sind. Sie fangen die Kids quasi dann auf, wenn sie plötzlich alleine, ohne Familie und ohne Geld dastehen. Richtig gut, richtig zukunftsorientiert. Auch in Sachen Nachhaltigkeit läuft hier viel, denn die Regierung interessiert sich beispielsweise nicht für geordnete Abfallprogramme und der ganze Güsel liegt halt irgendwo. Schön, wenn hier Westler erklären möchten, wie man’s besser machen kann. Aber trotz allem gibts natürlich noch viel mehr zu tun…

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Off to Siem Reap! #Cambodia

Der Vorsatz in Sachen günstiger und ökologischer Reisen funktioniert leider nicht immer. Bangkok – Siem Reap ist in dieser Hinsicht aber dankbar, gibt es nämlich eine spottbillige Zugfahrt zur kambodschanischen Grenze. In unserem Fall hiess es zuerst, während 12h von Chiang Mai nach Bangkok zu tuckern. Im Bus. Eigentlich kann ich in solchen Situationen ja fast nicht schlafen, aber mir war halbwegs schlecht und ich hörte mir eine Meditation an. Das nächste, was ich weiss, ist, dass etwa 4 Stunden vergangen sind. Kraasssss! Wir kamen um gut 23 Uhr in unserer Unterkunft an und fielen subito in den Tiefschlaf, bevor morgens um 5.55 Uhr der Zug ab Bangkok Mainstation fuhr. Ich war trotz dem ganzen Geschlafe null erholt und habe die ersten 1,5h im Zug auf dem Sitz flott weitergeschlafen. Wie das ging, ist mir bis heute ein Rätsel, aber ich schwör es isch d Meditation!!

Sven nutzte die Chance, um eine Vielzahl hässlicher Videos von mir beim Schlafen zu drehen. Was für e dummi Gwohnheit! Solche gibt es nämlich schon aus dem Flugzeug nach Malaysia, als wir etwas mehr Platz hatten und ich mich hinlegen konnte. Oder von anderen Busfahrten, wo ich mich ein bisschen ausbreiten konnte. Sollte vielleicht mal ein Reise-Schlaf-Video für euch zusammenschneiden, mit den kuriosesten Positionen und offenem Mund. Nei Scherz. Bringi mich da selber no uf dummi Ideeä. Zurück zu Kambodscha.

Die Zugfahrt ist superidyllisch, kostet knapp CHF 1.- pro Person und dauert etwa 6 Stunden. An der Endstation haben wir uns für ein paar Rappen ein lokales Gruppen-Tuktuk genommen und sind bis zur „Exit Thailand“ Station gedüst. Dort wird das Thailand Exit Visum gestempelt, bevor man zu Fuss über die Grenze läuft. Neben uns haben Männer Schubkarren voll Material über die Grenze geschoben, wirklich oberaltmodisch wie man sich das aus alten Zeiten vorstellt. Wahnsinn! Im „neutralen“ Territorium zwischen den beiden Grenzposten hatte es dann auch ein RIESEN Casino. Die Kambodschaner sowie Thais dürfen auf ihrem eigenen Boden nämlich nicht gambeln, auf neutralem oder fremden Territorium hingegen schon! Klassiker. Dasselbe gilt für die Vietnamesen, die dafür fleissig nach Kambodscha kommen. Macht wiedermal mega viel Sinn gäll.

Wir zeigen unser eVisa für Kambodscha (unbedingt ausdrucken!) und gehen der Hauptstrasse entlang, bis wir ein shared taxi finden. Mittlerweile sind wir von Kopf bis Fuss nass und dreckig. Das ist nämlich neu: Der Boden ist dreckig und so nass, dass die Füsse bis zu den Knöcheln in einer braunen Sauce stehen. Bei meinem Gehstil bedeutet das zudem, dass meine ganze Rückseite mit einer Million Spritzer übersäht isch. Top. Wir höcken uns mit zwei lokalen Mädels ins Auto und auf geht’s ins nächste Abenteuer. BHAA!! In einem abartigen Himmelfahrtskommando gehts weitere 3 Stunden lang nach Siem Reap. Sven hat während diesen Stunden easypeasy gepennt, während ich mir auf dem Rücksitz fast ins Höschen gemacht hätte. Der Fahrer fuhr wie ein kompletter Kamikazepilot auf der Flucht aus dem Irrenhaus. Ohni Scheiss ez, ich wusste nicht was besser ist: Hinschauen oder Wegschauen. Der Monsun schepperte mit 130km/h auf die Scheiben, die Sicht reichte vielleicht maximal 2 Meter. Du hast nur braune Suppe (von oben, von unten, von allen Seiten) mit ein paar Gegenlichtern anderer Fahrzeuge gesehen. Und davon gabs hunderte: Roller, Autos, Lastwagen, andere Kuriositäten auf Rädern. Und die lieben Verkehrsteilnehmer – ein weiterer Klassiker – sind ja auch nicht gerade bekannt für ihren organisierten, durchdachten Fahrtstil. Trotz all dem empfand es unser Fahrer nicht als nötig, auch nur 3 Meter Abstand zu den anderen Fahrzeugen zu halten. Auch von Bremsen oder „Entschleunigen“ scheint er NOCH NIE gehört zu haben. Einmal musste ich was reinrufen, ich konnte es schlichtweg nicht zurückhalten. Der Gute hat mir natürlich nur einen Giftpfeil-Blick via Rückspiegel zugeschossen und gedacht, was die dumme Tussi aufm Rücksitz eigentlich will. Ich konnte meinen Überlebensinstinkt aber selbst bei beschränktem Handlungsspielraum nicht zurückzuhalten. Sorry not sorry.

Überläbt hämmers. KEI AHNIG WIE. In Siem Reap haben wir für ein Oberschnäppchenpreis (Schlafsaal mit 12 Schnarchnasen wäre teurer) ein mega riesen Zimmer mit freistehender Badewanne (Erinnerig: Mir sind vo Chopf bis Fuess dräckig) und genügend Platz für Sport und Yoga genommen. Und en Pool häts au gha, wie guet! Etwas Komfort und Erholung musste nach 2 kompletten Reisetagen sein, bevor es endlich hiess: TEMPEL TEMPEL TEMPEL!

Fotos gibts aus diesen Momenten nicht allzuviele, wir haben eher gefilmt. Die Zugszenen gibts im letzten Video, das leider einen kleinen Youtube-Schaden hatte. Wer’s nicht anschauen konnte, einfach hier auf dem Blog selbst zum letzten Post gehen. Dort klappts und auf YT klappts jetzt auch 😉 Ich hoffe allgemein, dass ihr diese Texte auf dem Blog lest und nicht im grusigen Email-Format. Der sieht ja mega schrecklich aus und ich kann das leider nicht anpassen, da ich hier mit einer Gratis-Version arbeite 😉 Ez aber fertig für hüt.

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Photocredit: Sven. Ich han i dere Ziit gschlafe.