Jaipur #India

Bevor ich mit Jaipur loslege, noch kurz zur Vollständigkeit: Nach Agra ging’s für uns nach Tordi Garh – einem kleinen abgelegenen Dorf in der Wüste von Rajastahn. Perfektes Timing, dachte sich meine Magengegend, um mal richtig auf den Putz zu hauen! Schon morgens bei der Abfahrt in Agra wusste ich, mir geht’s nicht gut. Gar nicht gut. Die sechsstündige Fahrt überlebte ich mehr recht als schlecht und in Tordi Garh angekommen, war ich komplett im Fieberdelirium und konnte kaum mehr gerade laufen. Die Toilette wurde mein bester Freund und genau so ging’s dem armen Simon. Eher gar noch schlimmer. Der bristol stool chart war schon die ganze Reise über der running gag, haben wir unsere Gesundheitszustände jeweils mit Nummern bewertet. Irgendwann kam jeder mal bei der Sieben an, ausser die liebe Ruby. Wenn ihr‘s nicht kennt, googelt’s nicht. Isch nüt schöns. In meinem Falle gab’s dann aber hinzu noch echt heftiges Fieber und einen komatösen, ca. 15 stündigen Schlaf, der mich wahrscheinlich rettete. Und ganz viele Kohletabletten. Leider verpasste ich dabei zwei komplette Tage mit einer kleinen indischen Hochzeit. Ich habe Ruby gebeten, hier einen Gastartikel für euch und auch für mich zu schreiben 😉 Ich hoffe, sie macht’s! Nun sitze ich in Bangkok am Flughafen und es sind schon 6 Tage vergangen und ich bin leider noch nicht gesund, aber habe immerhin schon länger kein Fieber mehr. Der Rest wird sich dann schon ergeben.

Jaipur. Pink City. War schön, mol. Das Amber Fort war wirklich ganz mächtig und stand dem Agra Fort und dem Taj Mahal in nichts nach. Die Hawa Mahal war auch ganz nett und alles in allem war Jaipur eine der „schöneren“ Städte. Sauberer, weniger runtergekommen und ein Einkaufsparadies für jedermann mit ganz vielen Bazaren und Märkten. Wir gönnten uns als Abschluss unseres gemeinsamen Trips ein richtiges Highlight, welches ich einmal im Leben machen wollte, aber überhaupt nicht für Indien vorgesehen hatte: Einen Heissluftballonflug! Die Aussicht, die Ruhe und die Bewohner auf den Feldern, die uns morgens beim Zähneputzen zuwinkten, waren wirklich eine so tolle, einmalige Atmosphäre. Überall sind Menschen und Kinder aus ihren Häusern und Höfen gerannt, um uns zuzuwinken, als wir ganz tief über die Felder flogen. Plötzlich sind wir dann wieder ganz schnell hochzogen in den Himmel. Wahnsinnig, welche Flughöhe wir erreichten und das nur in diesem Korb!

Irgendwie war ich selbst aber langsam etwas müde, immernoch gesundheitlich angeschlagen und nicht mehr bereit zum pausenlosen Kampf gegen die unzähligen Inder, die irgendwas wollen. Keine Lust mehr auf das Gehupe, die dauerhafte Achtsamkeit, nicht umgefahren zu werden und auf meine sieben Sachen zu achten. Den letzten Tag in Jaipur widmete ich der Erholung und diesem Blog. Sonst hättet ihr hier noch ein Weilchen nix gelesen. Aber ganz typisch für die Stadt: All dies tat ich auf einer der unzähligen Dachterassen. Da kann Jaipur wirklich was – fast jedes Hotel hat eine wunderschöne Dachterasse mit Unsummen an Pflanzen und Laternen und vernünftigen Preisen für leckeres Essen. Mit etwas WiFi perfekt für einen Bürotag 😉

Nun, die Posts plane ich natürlich für unterschiedliche Tage ein, sodass ihr etwas länger zu lesen habt! Wenn ihr das lest, bin ich dann wohl schon irgendwo in Myanmar am rumtingeln, wo ich in der Tat wieder alleine rumreisen werde. Ehrlichgesagt, habe ich mal richtig Lust, auf’s komplett alleine sein. Ich habe noch immer fast nix in meinem Buch gelesen und muss Indien doch irgendwie etwas setzen lassen. Immerhin habe ich wieder ein GoPro Kabel! Dieses ging in Indien leider verloren, daher kein Filmchen. Seid aber ganz gespannt auf News aus Myanmar, ich freue mich wahnsinnig und werde euch hoffentlich bald bald berichten!

Namasté und ganz viel Sunneschii bi 38 Grad us Bangkok (jetzt grad, woni das schribe, sitzi bim Stop-Over in Bangkok ;-))

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Agra #India

Agra besucht man vorallem wegem dem weltberühmten Taj Mahal. Das imposante Bauwerk aus der Mogulzeit ist ein Zeichen der Liebe vom damaligen Shah für seine verstorbene Frau. Die winzigen, Millionen von Details, die Gartenanlagen, die ergänzenden Gebäude und die Gestaltung des Areals sind wirklich wuuunderschön. Es gibt so viele kleine Dekorationen und Verzierungen und gleichzeitig ist alles so mächtig, prunkvoll, man kann fast nicht glauben, dass dieses Gebäude etwas über 350 Jahre alt ist und ohne heutige Hilfsmittel erbaut wurde. Bei diesen Bauten konnte ich mir immer richtig gut vorstellen, wie die Menschen hier gelebt hatten. Wie reich Indien oder zumindest diese Mogule waren und wie sie mit ihrem Harem das Leben genossen.

Doch Agra ist, zu meiner Überraschung, nicht nur das Taj Mahal. In Agra gibt es auch noch ein Agra Fort! Und dieses ist, im Gegensatz zum Red Fort in Delhi, wirklich auch wunderwunderschön. Riesige Parkanlage, schöne Moschee und weitere wunderschöne Räumlichkeiten. Der Bau vom Agra Fort wurde schon früher, im 16. Jahrhundert, gestartet, doch erst später fertiggstellt. Der Shah, der das Taj Mahal gebaut hatte, wurde von seinem Sohn zu seinem Lebensabend ins Fort verbannt und verstarb sogar da. Ein kleiner Trost: Vom Agra Fort aus gibt’s ganz viele Aussichtspunkte auf’s Taj Mahal.

Dank den Guides, die wir jeweils nahmen, erhielt jeder Raum eine Bedeutung und uns wurde erklärt, wie damals geduscht oder eine Art Klimaanlage genutzt wurde. Es war wirklich spannend, wenn auch anstrengend, in der brennenden Sonne auf der weiten Anlage rumzustampfen. Der Guide lohnt sich aber wirklich und kostete uns sage und schreibe nur 300 Rupees, also nicht mal 1 Franken pro Person. Einzige Lachnummer: Die einen Guides haben wirklich ganz gaaaaanz intensive indische Akzente oder vielleicht sogar kleinere Sprachfehler. Das macht das Zuhören zur richtig aktiven Gehirntraningsnummer und man wird gleich nochmals herausgefordert. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass wir bei unserem Freund vom Agra Fort nur etwa 50% verstanden haben 😉 Aber hier möchte ich mich jetzt eh kurzfassen, die Bilder sollen sprechen.

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Holy Varanasi #India

Auf Varanasi habe ich mich am allermeisten gefreut. So viel habe ich von der Stadt gehört. Die einen haben es als das Schlimmste bezeichnet, andere haben sie geliebt. Die Stadt am Ganges gehört zu den ältesten unserer Geschichte und ist ein höchst, wenn nicht einer der spirituellsten Orte für Hinduisten. So kommen unzählige Menschen nach Varanasi, um im Ganges zu baden und um sich bestatten zu lassen. Genau. Die Menschen kommen hier her, um zu sterben. Wer nicht in Varanasi stirbt, kann sich auch post mortem nach Varanasi transportieren und bestatten lassen. Baden im Ganges soll von Sünden befreien. Es gibt ganz viele Ghats, das sind Treppenstufen, die runter ins Wasser führen und den Schwumm oder mindestens die Körperreinigung leicht machen. Gleich im Vorab: Nein, ich habe mich nicht ins Wasser gewagt, die Wasserqualität dieses Flusses wage ich zu bezweifeln. Simon und Oli waren aber so mutig, Oli hatte sogar den Kopf unter Wasser. Man munkelt bis heute, ob er wohl deshalb am anderen Morgen krank wurde ;-)?

Der Bestattungsprozess hingegen ist etwas umfangreicher und wirklich wesentlich für viele Hindus. Was man in Varanasi sieht? Die Verstorbenen werden auf Baren und lediglich von einem Tuch bedeckt durch die Stadt getragen. Die männlichen Angehörigen der Familie dürfen den Trauerzug begleiten, ebenso spielen Trommler und Musiker mit Glocken. Ziel des Fussmarschs ist das Bestattungs-Ghat am Ganges. Dort werden die Körper von den Tüchern befreit und anschliessend mit Holz, und wenn ich das richtig gesehen habe, kleineren Gaben, verbrannt. Ein Teil der Asche wird anschliessend in den Ganges gestreut. Dies ist zumindest die Kurzfassung und was uns erklärt wurde. Sicherlich gibt es noch ganz viele andere Rituale.

Weshalb die Hindus in Varanasi bestattet und verbrannt werden möchten? Sie glauben, dass dies der einzige Weg zum Ausbruch aus der Reinkarnation ist. Also die einzige Möglichkeit, nicht mehr wiedergeboren zu werden und endgültig zu sterben.

Es war heftig, wie 24/7 Bestattungen stattfanden und, dass dies von der Öffentlichkeit und gar von uns Nicht-Hinduisten beobachtet werden durfte, die Frauen der Familien hingegen aber nicht zugelassen sind. Und das ist nur ein einziges Beispiel von so vielen Dingen in den Religionen und der Kultur in Indien, die heute meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäss sind und trotzdem unveränderbar scheinen.

Daneben ist Varanasi, die Stadt Shivas, aber auch als Kunst- und Musikstadt bekannt. Es gäbe wohl irgendwas über 200 Festivals in der Stadt. Als wir da waren, war gerade ein riesiges Shiva Festival. Irgendwie haben wir davon nicht soso meeegaa viel gemerkt. Aber klar, oft spielen Künstler auf den Gassen und jeden Abend werden Feuer- und Musikshows am Main Ghat vorgeführt. Diese waren wirklich atemberaubend, ich hatte Hühnerhaut und hätte Stundenlang in der Trance der undefinierbaren Klänge versinken können. Glocken, Dröhnen, Saugen, Bass, Rythmus, Trommeln, Klingeln. Es war so magisch, sowas habe ich noch nie erlebt. Und das Feuer und die Tänze und wie tausende von Indern einfach nur da sassen und lauschten und es aufsaugten, das war der absolute Wahnsinn.

Nach einem Sonnenaufgang auf dem Boot, schlenderten wir tagsüber durch die Gässchen, ebenso eng und manchmal fast so voll wie in Delhi. Doch irgendwie anders. Hier hatte es zum ersten Mal so richtig viele Kühe. Überall. Und es gab viel mehr bettelnde Kinder. Aber: Sie betteln vorallem non-stop bei den Indern. Überhaupt haben wir auch in Varanasi kaum westliche Touristen getroffen. Unvergleichbar mit anderen Länden in Asien, wirklich. Und es gab – oh Schreck oh Graus – Gurus mit Kobra-Schlangen in Körben. Ich hatte wirklich jedesmal einen Totalaussetzer, weil diese Schlangen mir eine Scheissangst machen. Und es hatte ganz deutlich viel mehr kranke und alte Menschen, was dann wohl auf den Sterbeprozess zurückzuführen wäre. Und alles in allem hatte es weniger Menschen, ist die Stadt ja doch deutlich kleiner.

Unterm Strich fand ich Varanasi aber wirklich magisch. Vorallem wohl, weil all die Inder wirklich ganz fest an alle ihre Millionen und Milliarden Rituale glauben. Egal ob Hindu, Buddhist, Muslime oder sonst was – jede Religion wird sehr intensiv praktiziert und hinterlässt überall ihre Spuren.

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Blick aufs Main Ghat morgens um 7 Uhr // abends versammeln sich hier Tausende!

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Gaben, Gaben, Gaben…
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Die Abfallproblematik in einem Hinterhof. Und nein, Ruby posiert nicht für ein Foto. Eigentlich waren wir nur mega besorgt, von der schmalen „Brücke“ zu fallen.

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Sleeper Trains in #India

Unsere erste Nachtzugfahrt im Sleeper: Delhi-Varanasi, 12h+. Richtig, ich war schon in einem Nachtzug und zwar alleine von Alleppey nach Bangalore für 11h. Aber das war die Klasse: 3AC (3 Beds, AirCon – noch besser ist 2AC). Also Klimaanlage, einigermassen Laken zum freiwillig nutzen, schön abgedunkelt, halbwegs ein Kissen und 3 Betten übereinander, die aber alle reservierte Nummern waren. Nur wer ein Platz hatte, kam in diese Wagons rein. Ich habe tatsächlich 11h durchgepennt 🙂 Prädikat: Qualitätsschlaf.

Die Klasse Sleeper ist die billigste, hat keine Klimaanlage, und jeder versucht hier sein Glück. Auch hier gibt’s reservierte Schlafplätze, solange aber niemand da sitzt, machen sich alle überall breit. Und alle bedeutet, so richtig viele Menschen. Ihr habt mich oft gefragt: Sitzen alle auf den Zugdächern? Nein, nicht in unseren Zügen und bei keinen anderen, die ich gesehen hätte 😉 Aber die Sleeper sind echt eine Nummer für sich. Wir mussten in Delhi erstmal alle, die sich an unseren Plätzen breit gemacht hatten, wegscheuchen und unser Revier markieren. Wenn man in Indien nicht ganz klar für sein Recht kämpft, macht jeder was er will. Aber wirklich immer und wirklich jeder. Auch hier besteht ein Abteil aus genau denselben sechs Betten, je drei pro Seite übereinander, das tiefste wird tagsüber als Sitzbank genutzt. Eine Inderin hatte auf einer Seite das oberste Bett und die übrigen fünf waren unsere.

Unsere grossen Rucksäcke packten wir unter die Sitzbänke bzw. unter mein und Oli’s Bett. Wir waren quasi „verantwortlich“. Die kleinen Rucksäckli nutzten wir als Kissen (ja Kamera, Trinkflasche, Brillenetui und Co. sind ganz bequem, momol.) Wir dachten, der Zug sei, da mit so vielen Menschen vollgepfercht, recht warm. Falsch gedacht. Es war affenkalt und durch die klapprigen Fenster zog ein Eiswind und ein Toooodeslärm, wenn der Zug eine enge Stelle passierte oder hupte. Oli und ich waren zu unterst, Ruby und Simon in der Mitte und Strub schnappte sich schon bei der Ankunft das oberste Bettchen. Wir waren alle ziemlich eingepackt mit Klamotten und Jacken und unseren Seidenschlafsäckchen, die gegen die Kälte natürlich genau gar nix brachten. Es war aber nicht nur laut und kalt, sondern es brannte auch noch die ganze Nacht das Licht. Beste Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf 😉

Irgendwann schliefen wir dann wohl doch ein, denn plötzlich wachte ich auf, weil irgendwer irgendwen anschrie. Ich öffnete ein halbes Auge und merkte: Da sassen 2 Kinder auf meinen Füssen und zwei Erwachsene beim Oli drüben und hinten diskutierte eine Frau mit dem Kontrolleur und ein weiterer mischte sich ein. Irgendwann schnallte ich, dass Ruby oberhalb von mir auch ganz aktiv mitlauschte. Irgendwie wollte ich die Kinder runterschmeissen, weil ich dieser Sache nicht ganz traute, doch ich beliess es dann doch bei einem Grummeln. Als ich das nächste Mal aufwachte, lag eine kugelrunde Frau auf Tüchern und Taschen neben mir am Boden.  Und irgendwann schnallte ich: Da schaut mich auch noch ein Kind an, das halbwegs unter der Frau liegt. Mein Herz ganz kurz in der Hose. Oh Mann. So ist das wirklich: Wo es einen Quadratmeter gibt, da sehen die gleich das Potential. Aber es ist eigentlich echt nur mega traurig, dass sie da mit ihrem Jungen schlafen musste. Deshalb haben wir die beiden dann am morgen auf unsere Bänke zum Sitzen eingeladen, Oli hat ihnen einen warmen Chai spendiert und ich habe ihnen das Cola weitergeschenkt, welches wir von der Familie in Delhi erhalten haben.  (Cola war lieb gemeint, doch Williams-Schnaps hatten wir stets zur Hand, um den Magenproblemen vorzubeugen;-) )

Ebenso für unglaublich erschreckendes Erwachen hatten gelegentlich andere Züge gesorgt: Denn wenn ein anderer Zug den unseren kreuzte, dann gab das so einen Lärm und Druck aufgrund des Luftzugs durch das Fenster zu unseren Köpfen, dass es mich jeweils fast von der Bank gefegt hätte. Aber auch das haben wir überlebt. Die einen wickelten sich ganze Pullover oder Regenjacken um den Kopf, andere nutzen Kapuzen und stülpten den Schlafsack bis ganz weit über den Kopf (mein Fall). Die Regenjacke brauchte ich als zweite Decke bzw. Windschutz. haha. Ganz schön improvisiert, aber hat bestens geklappt.

Als alle aus dem Winterschlaf aufgewacht sind, haben wir angefangen zu jassen, weil der Zug eh 4h Verspätung hatte. Neben uns versammelten sich immer mehr Inder, um uns zu beobachten. Sie versuchen auch gar nicht, das zu verstecken. Es wird aktiv und ganz offensichtlich geschaut, über uns gesprochen, ja es werden auch Fotos und Videos gedreht. Irgendwann sind wir dann ins Gespräch gekommen mit den Studenten, die jede Woche den Zug nach Varanasi zur Uni nehmen. Wir haben ein Lied für sie gesungen, sie eines für uns. Selfies hier, Selfies da. Jeder Inder will Selfies mit Weissen. Noch so ein Phänomen, an dem man schlichtweg nicht vorbei kommt. Doch als wir dann echt hangry hungrig wurden, boten sie uns Snacks an, was wirklich lieb war 🙂 Alles in allem eine nette und lustige Zugfahrt.

Für Nummer Zwei der Sleeper Train Zugfahrten von Varanasi nach Agra haben wir uns dann etwas besser ausgerüstet: Wollschals als Decken, Snacks und Getränke für die Fahrt und genügend Toilettenpapier für alle Fälle und Verspätungen waren eingepackt. Alles lief rund, bis morgens der Erste anfing zu kränkeln: Oli musste sich übergeben. Und so ein Zug-WC im Sleeper Train ist wirklich herzlich bemüht, einem das Kötzeln leicht zu machen. Es ist wirklich sowas vom Niedersten. Falls dir das Kötzeln schwer fällt, dann wart nur ab, bis du da drin stehst und der Strahl will nur noch raus. Whatever. Aber gemäss Oli geht’s notfalls auch gar nicht schlecht, direkt aus dem Zug raus zu reihern oder bei den meist etwas verlassenen, heruntergekommenen Bahnhöfen, an denen sich eh schon zahlreiche Körperflüssigkeiten versammelten.

Vorerst aber genug zu unseren Krankheitsgeschichten. Zugfahren in Indien ist meiner Meinung nach ein Muss und kein Grund zur Sorge. Es ist ein wichtiges Erlebnis, vorallem in der Sleeperklasse. Ich bin froh, habe ich für mich allein im Süden die 3AC gehabt, aber für ein anderes Mal, würde ich wohl wieder Sleeper nehmen, denn der Preis und das Erlebnis für die Dauer der Reise und inklusive Übernachtung sind einfach nur unschlagbar, wenn nicht gleich lächerlich.

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Ausblick im Gang
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Gruppenselfie mit den Studenten

Sweet Kerala #India

Welcome to India. Diesen Satz hörte ich tatsächlich an meinem ersten Abend, doch war es mehr ein Witz des jungen Hostelbesitzers. Er erzählt mir, dass er immer „Indien-Jungfrauen“ verarsche, indem er betone, wie gefährlich hier alles sei und wie sehr man aufpassen müsse. Er weiss genau, dass die Informationen über Indien im Westen schlimmer als die Trump Berichterstattung sind. Seine Strategie besteht darin, die Gäste auf den Arm zu nehmen, damit sie anschliessend selbst merken, wie faszinierend dieses Land ist. Mich konnte er leider nicht schockieren, so versuche ich mittlerweile mehr denn je, neuen Orten und Menschen neutral zu begegnen, und mir erst nach dem Erleben eine Meinung zu bilden. Work in progress.

In Negombo an meinem allerersten Abend lernte ich im Hostel zwei Inder kennen, die ich gleich über meine Indien-Reisepläne ausquetschen konnte. Die zwei supernetten und super gebildeten ITler aus Mumbai konnten mir eine ehrlich Einschätzung geben: Kerala / Bangalore seien kein Problem allein als Frau. Klar, als weisse Frau würde ich schon angestarrt werden, aber das bleibe dann auch dabei. ABER DELHI?? Da würden sie selbst auch als indische Männer niemals alleine hin, weil es offenbar nicht ganz illegal ist, Waffen auf sich zu tragen. Aber zurück zu Kerala.

Ich stieg also in Colombo in den Flieger nach Trivandrum: Männerquote 99%, Westler-Quote 0% – nur ich. Unwohlfühlquote auch 0%. Die Menschen waren supernett, keiner Gaffte und ich bereitete mich seelisch auf die Flughafennummer vor:

Flughafen bedeutet in den östlichen Ländern meist ein riesen Puff, tausend blabbernde Männer, die mir eine Rikschafahrt andrehen wollten und stechende Blicke auf die weisse Haut und schnalzige, glüschtler Geräusche. Ich kam zum Gepäckband, noch immer die einzige Westlerin, und die Inder sassen sich fast gegenseitig auf den Schultern, um ihre Pakete (ja, Päckli. Kei ahnig was die Lüüt im Flugi transportiert hend, aber Koffere sinds nöd gsi) zu erspähen und sich nach vorne zu quetschen. Ich sichtete meinen Rucksack und gab ein „Excuse me“ von mir. Die ganze Meute an Männern drehte sich um, schaute mich einen Moment lang schweigend an und fragte dann „Which one do you need?“ – „The black backpack“ – „No problem Miss“ und sie hievten meinen Rucksack zu zweit vom Band und trugen ihn sogar in eine ruhige Ecke, die nicht an Zustände aus Sodhom und Gomorrah erinnerte. So nett!

Ich war so happy, doch glaubte ich zu wissen, dass jetzt der wahre hassle kommt: Das Abwimmeln von 12’390 Rikschafahrern beim Verlassen des Flughafens. Das ist in Bangkok so, in Bali, in Lombok und auch in Colombo war es des Grauens. Hello Miss. Taxi Miss. Tuktuk Miss. Transport Miss. Accomocation Miss. AAHHHH!!! Ich verliess meinen ersten indischen Flughafen und: Da war keine einzige Nase! Das ist dann wohl der Vorteil, wenn man als wohl einzige Westlerin einen lokalen, kleinen Pupsflughafen aus Colombo anfliegt. Genaugenommen war es sogar schwierig, eine Transportmöglichkeit zu finden. Ups!

Nun sitze ich seit sechs Tagen im sonnigen, sauheissen und feuchttropischen Kerala. Ich komme mir manchmal vor, als wäre ich immer noch in Sri Lanka. Nur fehlen die Touris und die Wellen. Und es ist hier alles etwas lebhafter, es hat überall mehr Menschen. Es wird gebaut, geschraubt und die Strassen werden saniert, bis den fleissigen Einheimischen die Schuhe schmelzen. Kein Witz, der arme Mann hat mit seiner einstigen Sandale lange Fäden gezogen…!. Es ist verhältnismässig krass sauber und an jeder Ecke gibt es Yoga und Jesussandalen, Jesusfrisuren und überhaupt Jesusse (was isch denn da eigentlich gnau d Mehrzahl?). Lucy, falls du das liest: Du wärst längst betrunken – ich glaub, die Jesus-Quote ist hier gar höher als in Kathmandu 😉

Einerseits war ich in Varkala, der Hippiehochburg und der jüngeren, ruhigeren und authentischeren Schwester von Goa, sowie in Alleppey, dem Ausgangspunkt für Backwater-Trips. Zwischendrin bin ich mit dem Zug und Scooter gereist. Überall habe ich tolle Menschen kennengelernt und saugut gegessen. In Varkala gab es noch tolle Yogaerfahrungen mit einem 1,40m grossen Guru: Ich habe einen Kopfstand sowie eine Krähe gemacht und er ist mir so lang auf den Rücken gesessen, bis ich mit dem Kopf komplett in meine Füsse reingefaltet war. Jawohl, läuft bei mir. Er meinte, wenn ich 15 Tage dranbleibe, habe ich Chancen, eine wahre Yogi zu werden. Naja, mal luege =P

Alleppey hingegen ist etwas ruhiger, hat’s hier kaum Touristen und wenn, dann nur für Tagestrips in die Backwaters oder Hausbootmieten. Ich habe einen Tag auf einem Kanu in den Backwaters verbracht, das sind kilometerlange Kanalsysteme, wo die Menschen noch wirklich nah an der Natur leben. Transport ist entweder zu Fuss, mit Scooter oder per Boot. Kleider, Körper und Zähne werden im Fluss geputzt und trotzdem ist dieser erstaunlich sauber. Liegt wohl an den Millionen an Wasserpflanzen, die das Ökosystem reinigen. Ich bin froh, bin ich länger geblieben, so konnte ich auch die Umgebung mit dem Scooter abfräsen. Es empfiehlt sich, durch die Reisfelder zu schlendern, wo gemäss den Einheimischen kaum weisse Frauen auf Scootern aufkreuzten. Ich genoss diese Freiheit ungemein, so habe ich bspw. eine komische Maschine entdeckt, die wie eine riesengrosse alte Nähmaschine aussah. Ich bin zum netten Herrn hingefahren und er hat sich gleich dran gemacht, irgendwelche Spähne zu pressen. Stellte sich heraus, dass dies frischer Saft aus Ingwer, Zuckerrohr und Zitrone war! Mega lecker, aber viel zu süss, wie alles in Kerala. Sweet, Sweet Gwendoline in meinem Kopf.

Angestarrt wird man in Indien immer. Von jedem. Scheint mir, dass mich selbst die Hunde und Katzen anglotzen. Aber hey, auch hier gilt, zurückgaffen und grinsen und alle sind happy 😉 Ich habe zudem sehr viele Inder aus Kalkutta, Mumbai und Bangalore kennengelernt, die genau so westlich drauf sind, wie wir. Man kann also wirklich nicht alle in einen Topf stecken. In Kerala ist es wirklich so, dass man sich als Frau auch mit kurzen Hosen und Trägershirt bewegen kann. Klar, man provoziert die Blicke dadurch viel mehr, aber man muss sich nicht sorgen und man wird nicht blöd angegrabscht. Kerala ist der reichste Staat und hat die tiefste Rate an Personen, die nicht lesen und schreiben können. Also alles in allem recht westlich. Im Norden sind dies und der Status einer weissen Frau hingegen komplett anders.

Heute Abend geht’s nun mit dem Nachtzug während elf Stunden nach Bangalore. Meine erste indische Grossstadt, doch immer noch eine ruhigere und modernere Version als beispielswise Delhi. Ich arbeite mich langsam hoch, seid gespannt, was noch kommt ;-)! Und seid nicht besorgt, wenn es hier wieder ein paar ruhige Tage gibt. Ich werde in den nächsten 2+ Wochen ziemlich wild umherreisen und kaum Zeit bzw. WLAN haben, dies alles zu dokumentieren. Glaube ich zumindest.  bis gli, namaste.

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